Kolumne Start mit Plan: Wie Sie neue Teammitglieder besser einarbeiten

Im Handwerk zählt der erste Eindruck – auch beim Einstieg ins Team. Doch oft bleibt die Einarbeitung dem Zufall überlassen. Die Folgen: Unsicherheit, Missverständnisse, schnelle Kündigungen. Steinmetzmeisterin und Kolumnistin Kathrin Post-Isenberg zeigt fünf einfache Schritte, wie aus Neulingen wertvolle Teammitglieder werden. 

Eine strukturierte und wertschätzende Einarbeitung neuer Teammitglieder ist entscheidend – und lässt sich mit wenigen, klaren Schritten effektiv umsetzen. - © izzuan - stock.adobe.com

Sie kennen das vielleicht: Der neue Kollege oder die neue Kollegin startet – und irgendwie läuft es von Anfang an nicht rund. Die Abläufe sind durcheinander, die Fragen nehmen kein Ende, die Stimmung kippt nach wenigen Tagen. Und oft steht dann dieser Satz im Raum: "Der oder die hat einfach keinen Plan."

Aber stimmt das wirklich? Oder liegt es womöglich an uns und daran, dass es gar keinen Plan für den Einstieg gibt? 

Ich sehe das Thema Einarbeitung in fast jedem meiner Workshops. Ganz egal, ob ich mit Malerbetrieben, Schreinereien oder Steinmetzen spreche: Neue Mitarbeiter "laufen mit", kriegen zwischendurch ein paar Infos zugesteckt und sollen dann möglichst schnell mithelfen. Wenn das klappt, wunderbar. Wenn nicht, wird’s schnell ungemütlich – für alle Beteiligten. 

Dabei ist es gar nicht so schwer, die ersten 100 Tage im Betrieb klar und menschlich zu gestalten. Es braucht nur etwas Vorbereitung, ein paar gute Fragen und die Bereitschaft, den eigenen Betrieb durch neue Augen zu sehen. 

Einarbeitung kein Luxus, sondern Überlebensstrategie

Im Handwerk sind wir stolz auf unser Tempo, unsere Effizienz, unser Können. Doch gerade das wird zur Hürde, wenn neue Teammitglieder dazustoßen. Denn was für alte Hasen selbstverständlich ist, stellt für neue Fachkräfte häufig ein Rätsel dar. 

Viele Abläufe sind nicht dokumentiert, vieles hängt am Bauchgefühl und leider auch an einzelnen Personen. Fällt jemand aus, bricht der ganze Ablauf zusammen. Und die Einarbeitung? Die hängt dann oft an der Inhaberin oder dem Inhaber oder an engagierten Kollegen, die sich "irgendwie kümmern". 

Das Ergebnis: Neue Teammitglieder sind verunsichert. Sie wissen nicht, was wann von ihnen erwartet wird, wer zuständig ist oder wo sich eigentlich das Werkzeug befindet. Statt sich auf den neuen Job zu freuen, entsteht Frust. Und nicht selten suchen sich motivierte Kräfte nach wenigen Wochen wieder einen neuen Betrieb. 

Schluss mit Zettelwirtschaft – her mit dem Fahrplan 

Was fehlt, ist ein strukturierter Einarbeitungsprozess, der über die reinen Formalitäten hinausgeht. Denn ja: Einen Zettel mit den wichtigsten Regeln aushändigen kann jeder. Aber Einarbeitung bedeutet viel mehr. Es geht um das Miteinander, um Verständnis und um Zugehörigkeit. 

Kathrin Post-Isenberg
Steinmetzmeisterin und Bildhauerin Kathrin Post-Isenberg führte früher ihren eigenen Betrieb in Siegburg. Heute bringt sie ihre Erfahrung in Handwerksbetriebe ein und hilft ihnen, als attraktive Arbeitgebermarke sichtbar zu werden. - © Markus Zielke

Mein Vorschlag: Holen Sie sich ein großes Blatt Papier, ziehen Sie einen Zeitstrahl von Tag 1 bis Tag 100 und notieren Sie: 

  • Was passiert wann?
  • Wer ist Ansprechpartner für welches Thema? 
  • Welche Aufgaben werden vermittelt und wie? 
  • Wann gibt es Feedbackgespräche? 
  • Wo findet soziale Integration statt? 

Denn was einmal sichtbar gemacht ist, kann auch verbessert werden. Und dieser Plan wächst mit jedem neuen Teammitglied weiter. 

5 Tipps für eine gute Einarbeitung in Ihrem Handwerksbetrieb

  1. Tag 1 ist entscheidend – planen Sie ihn bewusst. 
    Der erste Tag entscheidet oft über das Bauchgefühl. Sorgen Sie dafür, dass der oder die Neue sich willkommen fühlt: Eine Begrüßung durch die Betriebsleitung, eine kurze Runde durchs Team und ein vorbereiteter Arbeitsplatz schaffen Vertrauen. 
  2. Geben Sie einen klaren Fahrplan. 
    Neue Teammitglieder brauchen Orientierung. Übergeben Sie einen einfachen Ablaufplan für die ersten Wochen, mit festen Ansprechpersonen, Aufgaben und Lernzielen. So entsteht Sicherheit auf beiden Seiten. 
  3. Binden Sie Ihr bestehendes Team aktiv ein. 
    Nicht alles muss von der Betriebsleitung kommen. Fragen Sie im Team, wer eine Patenschaft für die Einarbeitung übernehmen möchte. Das stärkt den Zusammenhalt und zeigt: Hier sind alle gefragt. 
  4. Denken Sie auch an die kleinen Dinge. 
    Wo finde ich die Handschuhe? Wie funktioniert der Kaffeeautomat? Wann ist eigentlich Pause? Diese Fragen traut sich niemand laut zu stellen, also besser gleich beantworten. Eine kurze Willkommensmappe mit den wichtigsten Infos kann Wunder wirken. 
  5. Holen Sie Feedback ein – und das regelmäßig. 
    Führen Sie nach zwei Wochen, einem Monat und spätestens nach 100 Tagen ein ehrliches Gespräch. Was läuft gut? Wo braucht es noch Unterstützung? Nur so wächst der Onboardingprozess mit und verbessert sich stetig. 

Fazit: Wer gut ankommt, bleibt auch länger 

Eine strukturierte Einarbeitung ist kein Bürokratiemonster. Sie ist ein Zeichen von Wertschätzung und ein echter Wettbewerbsvorteil. Gerade im Handwerk, wo gute Leute rar sind und der Einstieg schnell über Frust oder Freude entscheidet, ist eine gute Einarbeitung entscheidend. 

Denn wenn der Neue keinen Plan hat, liegt es meist nicht an ihm oder ihr, sondern an einem fehlenden Einarbeitungsprozess. Machen Sie’s besser. Für Ihr Team, für Ihre Fachkräfte und für sich selbst. 

Die Kolumne "Aus dem Handwerk, für das Handwerk" von Steinmetzmeisterin Kathrin Post-Isenberg erscheint alle 14 Tage exklusiv in der Deutschen Handwerks Zeitung (DHZ). Abonnieren Sie den kostenlosen DHZ-Newsletter, um keine Ausgabe zu verpassen.