Jugendbefragung Jobben statt Ausbildung: Schüler wollen erstmal Geld verdienen

Jeder fünfte Schulabgänger will nach der Schule erst einmal arbeiten statt eine Ausbildung oder ein Studium zu beginnen. Das zeigt eine neue Studie der Bertelsmann-Stiftung.

Nach der Schule in den Helfer-Job: für viele junge Deutsche offenbar eine attraktive Option. - © MAK - stock.adobe.com

Zwar steht für die meisten Jugendlichen nach dem Schulabschluss die duale Ausbildung an erster Stelle, wenn es um einen weiteren Bildungsweg geht. Rund ein Fünftel aller Schüler will aber zuerst einmal arbeiten, bevor eine berufliche Qualifizierung folgt. Unter den Schulabgängern mit niedrigem Schulbildungsniveau trifft dies sogar auf jeden Vierten zu. Dies geht aus der jüngsten Jugendbefragung der Bertelsmann-Stiftung hervor.

Autoren: Risiken für Arbeitnehmer und Arbeitgeber

Auch wenn einige sich später noch beruflich qualifizieren, sehen die Autoren der Studie die Ergebnisse mit Sorge. "Wer in den Helfer-Jobs hängen bleibt, hat langfristig weniger berufliche Chancen", warnt Helen Renk, Expertin für berufliche Bildung bei der Bertelsmann-Stiftung. Zum anderen gehe dadurch viel Potenzial für den Arbeitsmarkt verloren, warnt sie angesichts des zunehmenden Fachkräftemangels. Schon heute habe fast jeder fünfte junge Mensch im Alter von 20 bis 34 Jahren keinen Berufsabschluss. In absoluten Zahlen seien dies knapp 2,9 Millionen Menschen, gibt sie zu bedenken.

Beliebtester Bildungsweg: duale Ausbildung

Die Studie zeigt aber auch, dass die Mehrheit der jungen Menschen die duale Ausbildung weiterhin als beliebtesten Bildungsweg nach dem Schulabschluss betrachten. 43 Prozent der befragten Schülerinnen und Schüler gaben an, auf jeden Fall eine Ausbildung anzustreben, 40 Prozent wollen unbedingt studieren. Viele sind noch unentschlossen. Dabei fallen die Ausbildungswünsche je nach Bildungsniveau unterschiedlich aus.

Je nach Bildungsniveau andere Bildungsziele

Während 87 beziehungsweise 71 Prozent derjenigen mit niedriger und mittlerer Schulbildung auf jeden Fall eine Ausbildung anfangen möchten, ist dies bei denjenigen mit höherer Schulbildung nur bei rund einem Fünftel der Fall. Insgesamt wurden für die repräsentative Umfrage 1.755 junge Menschen im Alter von 14 bis 25 Jahren befragt. 

Auch Chancen für Schüler mit niedrigerer Schulbildung

Je nach Bildungsniveau schätzen die Befragten auch ihre Ausbildungschancen unterschiedlich ein. Das heißt, je niedriger das Schulbildungsniveau, desto pessimistischer der Blick auf die persönlichen Chancen. So glauben von den Befragten mit niedriger Schulbildung zwölf Prozent nicht daran, dass sie einen Ausbildungsplatz finden werden. Weitere 23 Prozent sind sich nicht sicher.

BIBB-Studie: Unternehmen zeigen sich flexibel

Eine aktuelle Studie des BIBB zeigt unterdessen, dass Betriebe durchaus Schulabgängern mit niedriger Schulbildung eine Chance geben. Dies gilt der Studie zufolge insbesondere für Betriebe, die nicht alle Ausbildungsplätze besetzen können. Sie stellen eher Jugendliche mit maximal Erstem Schulabschluss (früher: Hauptschulabschluss) ein. "Dieser Befund ist erfreulich, weil er zeigt, dass Betriebe flexibel reagieren, wenn sie nicht genügend gut qualifizierte Schulabgängerinnen und Schulabgänger finden", sagt BIBB-Vizepräsident Hubert Ertl.

Probleme mit Berufsorientierung

Wie die Bertelsmann-Studie weiter zeigt, haben viele Jugendliche schon Schwierigkeiten bei der Berufsorientierung. So fühlt sich nur ein Drittel der Befragten gut informiert. Über die Hälfte (51 Prozent) beklagt hingegen, dass es zwar ausreichend Informationen gebe, man sich darin aber nicht zurechtfinde. Dies spiegelt sich auch in den Ergebnissen zu den generellen Barrieren und Schwierigkeiten auf dem Weg zu einem Ausbildungsplatz wider.

Andere beklagen zu geringe Azubi-Vergütung

So heißt es in der Studie: Eine "mangelnde berufliche Orientierung" und "ein zu geringes Azubi-Gehalt" seien "zentrale Gründe, die für einen Großteil aller Befragten gegen eine Ausbildung" sprechen. Und weiter heißt es: "Personen mit hoher Schulbildung sehen vor allem im Angebot an Ausbildungsplätzen eine Schwierigkeit, Befragte mit niedriger Schulbildung dagegen eher bei der Bewerbung und den geforderten Qualifikationen."