Kaum einer möchte Bier in PET-Einwegflaschen. Die klassische Glasflasche im Mehrwegkasten ist und bleibt das, was deutsche Verbraucher mit Abstand am häufigsten kaufen. An Beliebtheit gewinnt aber auch die Bierdose. Sie erlebt ein Comeback. Der Deutsche Brauer-Bund geht davon aus, dass die Nachfrage nach Dosenbier noch weiter wächst.

Die deutschen Verbraucher sind keine Fans von Plastikflaschen. Erst kürzlich zeigte eine Umfrage, dass viele genervt sind von den Kunststoffdeckeln, die seit Sommer 2024 mit den Getränkeflaschen fest verbunden sein müssen. Es stört beim Trinken. Unbeliebt sind aber auch Einweg-PET-Flaschen. Sie sind ein Verlierer in der Statistik der sogenannten Gebindeentwicklung in den Monaten Januar bis Mai 2025. Das zeigen Zahlen, die das Marktforschungsunternehmen Nielsen für den Lebensmitteleinzelhandel und für Getränkeabholmärkte erhoben hat.
Dosenbier gewinnt Marktanteile
Was sich dabei auch deutlich zeigt – und in Bezug auf das Lebensmittelhandwerk interessant ist – ist ein regelrechtes Comeback des Dosenbiers. Sein Anteil am gesamten verkauften Bier liegt mittlerweile wieder bei zehn Prozent. "Nach der Einführung des Einwegpfandes in Deutschland 2003 waren Getränke in Dosen schlagartig nahezu vom Markt verschwunden", erklärt Nina Göllinger, die Sprecherin des Deutschen Brauer-Bunds, warum man aktuell von einer Rückkehr der Getränkedose sprechen kann. So konnten die Dosen ihren Marktanteil in den letzten Jahren schrittweise erhöhen. Beim Bier muss man dem Verband zufolge aber derzeit noch von einem vergleichsweise niedrigen Niveau sprechen. Das Comeback der Halbliter-Bierdose geht hierbei auch nicht spürbar zulasten der Mehrweg-Glasflaschen. "Sondern eher zulasten von PET-Flaschen, die heute nicht einmal auf fünf Prozent kommen", erklärt Nina Göllinger. Bier aus der wiederverschließbaren Plastikflasche hat also nicht überzeugt.
Als Ursache für das beständige Wachstum der Dosenanteile sieht der Brauer-Bund die sich wandelnden Konsumtrends. Gerade junge und mobile Verbraucherinnen und Verbraucher würden vermehrt Dosen nachfragen. Hinzu komme die hohe Zahl an Single-Haushalten und die Nachfrage auf Auslandsmärkten. "Wir gehen davon aus, dass sich der Marktanteil der Bierdose in den nächsten Jahren tendenziell weiter erhöhen wird, da mittlerweile immer mehr Unternehmen des Handels und gerade auch die Discounter diese in ihrem Angebot listen und immer mehr Verbraucher die Dose nachfragen", sagt die Pressesprecherin.
Mehrwegflaschen aus Glas weiter auf Platz eins
Gründe liegen wohl auch in der immer flexibler werdenden Gesellschaft. Unterwegssein, Reisen und dabei auch Speisen und Getränke to go prägen bei immer mehr Menschen den Alltag. Da sind eher leichtere Verpackungen gefragt. Bierdosen entsprechen hier oftmals besser den Anforderungen der Verbraucher als Mehrwegflaschen aus Glas.
Dennoch bleiben sie beim Bier eindeutig die Nummer eins mit einem Marktanteil von knapp 80 Prozent. Dabei ist der klassische 20-er Bierkasten mit 50 Prozent Marktanteil weiterhin unangefochten die populärste Verpackung für Bier. An Beliebtheit zugelegt hat zuletzt aber auch der 24-er Mehrwegkasten. Der Deutsche Brauer-Bund hat in Sachen Mehrweg noch weitere Zahlen parat: Demnach nutzt die deutsche Brauwirtschaft Mehrwegflaschen stärker als alle anderen Getränkebranchen. Sie sei die einzige Getränkebranche, die mit ihrem hohen Mehrweganteil die Vorgaben des deutschen Verpackungsgesetzes erfülle. "Dabei ist Fassbier für die Gastronomie und Veranstaltungen wie etwa Volksfeste noch nicht mitgerechnet", erklärt Nina Göllinger. Branchenschätzungen zufolge sind in Deutschland bis zu vier Milliarden Mehrweg-Bierflaschen und 150 Millionen Bierkästen in Umlauf. jtw