Der Zentralverband des Deutschen Handwerks kritisiert die Bundesregierung scharf für ihre Weigerung, eine EU-weite Reform der problematischen Entwaldungsverordnung zu unterstützen. 18 Mitgliedstaaten fordern bereits Nachbesserungen.
Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) geht mit der Bundesregierung hart ins Gericht. Während sich 18 EU-Mitgliedstaaten für eine grundlegende Überarbeitung der EU-Verordnung über entwaldungsfreie Lieferketten (EUDR) aussprechen, verweigert Deutschland seine Unterstützung. "Es ist völlig unverständlich und nicht tragbar, dass Deutschland eine gemeinsame Initiative von 18 EU-Mitgliedstaaten zur Überarbeitung der EU-Verordnung über entwaldungsfreie Lieferketten (EUDR) nicht mitträgt", erklärte ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke laut der ZDH-Mitteilung.
Die Verordnung soll ab Ende 2025 Unternehmen dazu verpflichten, bei Holz, Kakao, Kaffee, Palmöl, Rindfleisch, Leder und Kautschuk sowie daraus hergestellten Produkten die Herkunft lückenlos zu dokumentieren. Ziel ist es, Entwaldung zu stoppen. Doch laut ZDH stellt die Regelung "gerade kleine und mittlere Unternehmen vor kaum erfüllbare Anforderungen mit unklarem Nutzen für den Umwelt- oder Waldschutz", so Schwannecke.
Bürokratie-Monster belastet Handwerksbetriebe
Die praktischen Auswirkungen der EUDR treffen das Handwerk hart. Bäcker müssen künftig für schokoladenhaltige Backwaren die Kakaoherkunft nachweisen, Tischler und Schreiner sollen Sorgfaltspflichten entlang der gesamten Holz-Lieferkette erfüllen. Selbst Krippenbauer und Holzspielzeugmacher sind betroffen, da sie oft verschiedene Holzarten aus unterschiedlichen Quellen verarbeiten.
Laut den Quellen werden täglich bis zu 50.000 Meldungen für Herkunftsnachweise erwartet. Die EU-Kommission stuft zwar EU-Staaten pauschal als "Niedrigrisiko" ein, dennoch müssen Betriebe ein Prozent ihrer Rohstoffe jährlich prüfen lassen. Die Kosten für externe Prüfungen und Zertifizierungen können für kleine Betriebe existenzbedrohend werden. Bei Verstößen drohen Bußgelder von bis zu vier Prozent des Jahresumsatzes.
"Die Komplexität und Bürokratie des Gesetzes stehen in keinem Verhältnis zum beabsichtigten Ziel", kritisiert Schwannecke laut ZDH. Besonders problematisch sei die pauschale Risikoklassifizierung, die regionale Unterschiede ignoriere und auch bei geringem Risiko umfangreiche Dokumentationspflichten auferlege.
Europaparlament stützt Handwerks-Position
Die Kritik des Handwerks findet Unterstützung im Europaparlament. Laut ZDH sprach sich das Plenum gegen die von der EU-Kommission vorgelegte Risikoklassifizierung von Produktionsstaaten aus. Dies sei "ein weiteres deutliches politisches Signal in dieselbe Richtung" wie die Forderungen der 18 Mitgliedstaaten, so die ZDH-Einschätzung.
Der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände (AGDW) und anderen Akteuren schwebt eine "Null-Risiko-Kategorie" für nachhaltig bewirtschaftete Waldbetriebe vor. Dies würde die Bürokratiebelastung für Betriebe senken, die Holz aus nachweislich nachhaltiger EU-Forstwirtschaft verwenden.
"Wenn sich eine Mehrheit der Mitgliedstaaten und nun auch das Europäische Parlament für Nachbesserungen ausspricht, dann darf Deutschland nicht weiter auf der Bremse stehen. Das sogenannte ‚German Vote' – die deutsche Enthaltung bei wichtigen europäischen Weichenstellungen – darf kein Dauerzustand werden", fordert Schwannecke laut ZDH.
Fatales Signal an Betriebe und EU-Partner
Der ZDH sieht in der deutschen Haltung ein "fatales Signal sowohl an die Betriebe als auch an die europäischen Partner", wie Schwannecke erklärte. Die Bundesregierung müsse "ihre Untätigkeit bei der EUDR endlich aufgeben, sich klar an die Seite der Betriebe stellen und sich aktiv für eine praxisgerechte, realistische Ausgestaltung der EUDR einsetzen", so der ZDH-Generalsekretär weiter.
Die Verordnung war ursprünglich für Ende 2024 geplant, wurde aber bereits um ein Jahr auf Ende 2025 verschoben (für Kleinstunternehmen auf Mitte 2026). Trotz dieser Verschiebung bleiben laut Handwerk die grundsätzlichen Probleme bestehen: zu viel Bürokratie, zu wenig Praxisbezug und unverhältnismäßige Belastungen für kleine Betriebe.
"Deutschland muss in Brüssel endlich konstruktiv mitgestalten, statt wegzusehen", mahnt Schwannecke laut ZDH. „Ein bürokratisch überfrachtetes, in der Praxis nicht anwendbares Gesetz wie die EUDR kann in der aktuellen Form nicht bestehen bleiben", so seine weitere Einschätzung. str
