Erfolgreiches Vorstellungsgespräch Vom Teilzeitjob zur Ausbildung: "Ich hab einfach mal gefragt"

Als Lena Herzog im Sommer 2022 eine Teilzeitstelle suchte, wollte sie vor allem wieder ins Berufsleben einsteigen – flexibel, nah am Wohnort, familienfreundlich. Doch sie hatte noch ein weiteres Ziel im Blick. Im Bewerbungsgespräch nahm sie all ihren Mut zusammen – und stellte die entscheidende Frage. Die Antwort öffnete ihr eine völlig neue Perspektive.

Lena Herzog hinter der Theke
Lena Herzog schätzt an ihrem Beruf die Arbeit mit hochwertigen Produkten und den Kundenkontakt. - © Handwerkskammer Reutlingen

Eigentlich suchte Lena Herzog im Sommer 2022 einen Job, mit dem sie gut zwei Jahre nach der Geburt ihres Sohnes in das Berufsleben zurückkehren wollte. Eine Teilzeitstelle im Verkauf sollte es sein, möglichst wohnortnah in Walddorfhäslach, um Arbeit und Kind unter einen Hut bringen zu können. Allerdings gab es da noch ein weiteres Ziel. Zwar hatte Herzog auf zahlreichen Stationen viel Berufserfahrung gesammelt, ein Ausbildungsabschluss fehlte ihr aber.

Im Vorstellungsgespräch bei der Metzgerei Schneider fasste sie sich ein Herz und sprach das Thema an. "Fragen kostet ja nichts", sagt die 35-Jährige. Letztlich hat sie beide Ziele erreicht. "Ich hatte einen Teilzeitjob, der dann wenige Wochen später in die Ausbildung mündete." Agnes Schneider, im Metzgerbetrieb für die Ausbildung und Lehrlingsbetreuung zuständig, ist begeistert von ihrer Auszubildenden. Zielstrebig sei sie, sagt Schneider, wissbegierig, ein zuverlässiger Teamplayer, engagiert und kundenorientiert. "Lena Herzog ist eine junge Powerfrau."

Viel Berufspraxis, aber ohne Abschluss

Sie habe einen Beruf mit Entwicklungschancen gesucht, erklärt Herzog, eine Tätigkeit, die sie mit Menschen zusammenbringe und bei der sie auf ihre Erfahrungen in der Gastronomie, zu der unter anderem eine Saison als Kinderbetreuerin in einem Ferienclub in Griechenland gehört, aufbauen könne.

An ihrem Arbeitsalltag in der Filiale in Walddorfhäslach mag sie vor allem den Kundenkontakt. Wenn es im Verkauf oder bei Bestellungen um die Produkte, deren Zubereitung oder auch allgemein um Ernährungsfragen geht, ist Herzog in ihrem Element. Sie schätzt die vielseitigen Anforderungen, die Arbeit an Produkten, die täglich frisch in der Filiale zubereitet werden, das Einräumen der Theke und die Präsentation der Ware oder das Schreiben von Angebotstafeln. "Ich mache tatsächlich alles gerne. Es bereitet mir einfach Freude", sagt Herzog.

"Klassenmutti" und andere Herausforderungen

Trotzdem sei die Ausbildung in Vollzeit aus mehreren Gründen eine echte Herausforderung gewesen. Neben der Ausbildungsvergütung erhielt die junge Mutter zusätzlich eine Beihilfe der Arbeitsagentur und eine Aufstockung durch das Jobcenter. Wichtig sei ebenfalls die Unterstützung ihres Partners gewesen, der in den letzten drei Jahren einen größeren Teil der Kinderbetreuung übernommen habe. "Wir haben ein Stück weit einen Rollentausch hinbekommen. Ohne wäre es schwieriger gewesen", sagt Herzog.

Auch der schulische Teil der Ausbildung habe sie gefordert. "Das lag bei mir ja schon eine Weile zurück. Ich musste schon viel Energie reinstecken, um wieder reinzukommen." Das Alter sei natürlich ein Thema gewesen. "Es liegen ja mindestens zehn Jahre zwischen mir und den Mitschülerinnen." Herzog wurde zur Klassensprecherin gewählt und übernahm auch die inoffizielle Funktion der "Klassenmutti", wie sie es ausdrückt, auch wenn es mitunter "anstrengend" gewesen sei.

Das Engagement hat sich ausgezahlt. Herzog hat ihr Ziel erreicht. In wenigen Wochen beendet sie ihre Ausbildung. Das Abschlusszeugnis der Berufsschule, der Notendurchschnitt beträgt 1,3, hat sie bereits Ende Juni erhalten. Ausbilderin Agnes Schneider freut sich mit ihrer Auszubildenden: "Wir sind stolz, dass sie die Ausbildung bei uns so erfolgreich gemeistert hat."

Endlich am Ziel

Aus einer Festanstellung bei der Metzgerei Schneider, die ihr angeboten wurde, wird nichts. Denn es steht die nächste Veränderung an. Herzog zieht mit Partner und Sohn nach Rheinland-Pfalz um. Eine Stelle hat sie bereits gefunden. Ab September arbeitet sie an der Frischetheke eines Supermarktes. Dabei soll es nicht bleiben. "Ich möchte gerne weiterkommen, schließlich habe ich noch über 30 Jahre im Beruf", sagt Herzog. Eine Möglichkeit seien interne Weiterbildungen. "Das Bewusstsein für Ernährung verändert sich. Ich denke, da gibt es viele interessante Themen."

Erfolgreicher Ausbildungsbetrieb

Die Metzgerei Schneider, die sich als "Genießer-Metzgerei" bezeichnet, setzt auf Qualität und Regionalität. Verarbeitet wird Rind- und Schweinefleisch, das ausschließlich aus Baden-Württemberg stammt und von Erzeugern, mit denen der Betrieb seit Jahrzehnten zusammenarbeitet. Das täglich frisch geschlachtete Fleisch wird am Stammsitz in Pliezhausen von fachkundigem Personal geprüft, zerlegt und weiterverarbeitet. Das von den Brüdern Marcus und Jochen Schneider, beide Metzgermeister, in dritter Generation geführte Familienunternehmen betreibt derzeit 21 Fachgeschäfte in der Region Neckar-Alb, in Nürtingen und Stuttgart. Die Ausbildung von Fachkräften besitzt einen hohen Stellenwert im Betrieb. Seit 2003 wurden 70 Ausbildungsverträge geschlossen.