Während ein Bamberger SHK-Betrieb seinen Lastenrad-Test aufgab, fährt ein Schornsteinfeger in Sachsen regelmäßig damit zu seinen Liegenschaften. Warum die Erfahrungen so unterschiedlich ausfallen – und wie verbreitet das Lastenrad derzeit im Handwerk ist.

Fahrräder stoßen im Handwerk auf Gegenwind. Wie die jüngste Sonderumfrage des Zentralverbands zur Mobilität ergab, nutzen gerade einmal zwei Prozent der Betriebe ein Lastenrad. Bei weiteren sechs Prozent sei ihr Einsatz immerhin für die Zukunft vorstellbar. Aber am klassischen Transporter führt kein Weg vorbei.
Das bestätigt auch Fritz Müller. Der Geschäftsführer des gleichnamigen SHK-Betriebs in Bamberg hatte vor zwei Jahren am Projekt "Flottes Gewerbe" teilgenommen, bei dem Gewerbetreibende die Möglichkeit erhalten, verschiedene Lastenräder zu testen. "Letztlich mussten wir feststellen, dass die Verkehrsinfrastruktur hier in Bamberg für den Einsatz von Lastenrädern für unsere Zwecke ungeeignet ist", konstatiert Müller.
Lastenrad bringt keinen Zeitvorsprung
Beim Transport einer Heiztherme wurde es anstrengend, zudem gab es Probleme, das Rad abzustellen, und ein ganzjähriger Einsatz sei aufgrund des Wetters auch nicht möglich. "Am Ende bringt uns das Lastenrad keinen Zeitvorsprung", musste der SHK-Unternehmer feststellen. Dennoch will er an der Verkehrswende mitwirken. 70 Prozent des Fuhrparks in dem Betrieb, der vor gut 130 Jahre gegründet wurde und den Müller in fünfter Generation führt, sind bereits elektrifiziert.
Transporter bleibt erste Wahl im Handwerksfuhrpark
Laut der ZDH-Mobilitätsumfrage, an der sich rund 8.260 Betriebe beteiligt hatten, bleiben Diesel- und Benzinmotoren zwar die vorherrschende Antriebsart im Handwerk, aber der Anteil batterieelektrischer Fahrzeuge habe sich gegenüber der vorherigen Umfrage aus dem Jahr 2020 deutlich erhöht. Hochgerechnet sind Lastenräder für 78 Prozent der Handwerksbetriebe keine Alternative zum Transporter.
Dennoch sieht der ZDH Potenzial im gewerblichen Fahrradtransport: "Das moderne Lastenrad scheint sich zu einer interessanten Fuhrparkergänzung in städtischen Räumen zu entwickeln. Dabei dürfte es vor allem bei Wartungsaufträgen und Kleinreparaturen sowie bei der Belieferung von Kunden im engeren Umfeld zum Einsatz kommen."
In dieses Szenario passt Schornsteinfegermeister Ronny Seidewitz, der mit seinen Angestellten rund um das sächsische Eilenburg mit einem Lastenrad unterwegs ist. Betreut werden rund 4.000 Liegenschaften, vom großen Wohnblock bis zur Kleingartenanlage. "Wir nutzen das Lastenrad vor allem dort, wo viele Liegenschaften nahe beieinander liegen. Werden die Entfernungen zwischen den Einsatzorten größer, fahren wir mit dem Auto", sagt Mitarbeiter Tom Kiss.
Förderung und bessere Kreditkonditionen möglich
Die Anschaffung eines Lastenrades wird vielerorts gefördert. Einen Überblick über Kaufprämien bietet die Plattform "cargobike.jetzt". Der Umstieg aufs Lastenrad kann sich aber noch aus einem anderen Grund lohnen. Darauf weist Roman Gottschalk, Umweltberater der Handwerkskammer Ulm, hin: "Wer einen Kredit benötigt, kann mit einer Treibhausgasbilanz und einem Plan zur Reduktion seiner Emissionen einen günstigeren Zins bekommen. Und im Fuhrpark lassen sich die meisten Emissionen einsparen."
In Baden-Württemberg gewährt die L-Bank einen Nachhaltigkeitsbonus in drei Stufen. Für Handwerksbetriebe bietet der baden-württembergische Handwerkstag mit der Klima-Ampel ein kostenfreies Tool zur Ermittlung von Treibhausgasbilanzen an, das von der L-Bank anerkannt wird. "Das geht ohne viel Bürokratie, man muss nur seine Verbräuche kennen und optimieren. Ein Lastenrad könnte dabei ein Mosaikstein sein", meint Roman Gottschalk.
