PR im Handwerksbetrieb Plötzlich Presseanfrage – und jetzt?

Wenn Journalisten anrufen, reagieren viele mit Panik oder Ignoranz. Ein Fehler – denn wer einmal zitiert wird, profitiert vom Schneeball-Effekt.

Zeitung auf Laptop
Kleine Unternehmen haben laut Geraldine Friedrich einen entscheidenden Vorteil: Journalisten schreiben lieber über hart arbeitende Schaffer als über große Konzerne. - © doris_bredow - stock.adobe.com

Das Telefon klingelt, Sie gehen ran und ein Journalist fragt Sie zu einem Thema zwecks Recherche oder Statement an. Wie reagieren Sie?

a) Sie bekommen einen Schweißausbruch und denken: "Hilfe, die Presse. Was wollen die bloß von mir?"

b) Sie hören sich das mal an. Nach fünf Minuten vergessen Sie es wieder. Sie haben keinen Namen und keine Telefonnummer aufgeschrieben, geschweige erinnern Sie sich an das Medium, welches Sie angefragt hat.

c) "Plötzlich Presseanfrage" ist zwar nicht so schön wie "Plötzlich Prinzessin", aber Sie beantworten die Presseanfrage oder leiten die Presseanfrage an die zuständige Person weiter. Zuständige Person meint in der Regel den Chef oder die Chefin.

Antwort c) wäre der Idealfall. Aus eigener Erfahrung als Journalistin weiß ich aber, dass dies in Kleinbetrieben eher die Ausnahme als die Regel ist.

Presseanfragen landen in Kleinbetrieben häufig auf dem Tisch der Assistenz. Und die ist nun mal den Umgang mit Medien nicht gewohnt. Das ist völlig ok und erfahrene Journalisten wissen das.

Warum sich Presseveröffentlichungen für Handwerksbetriebe lohnen

Trotzdem möchte ich Ihnen raten, Presseanfragen nicht abzuwimmeln, lange liegen zu lassen oder zu ignorieren. Denn in Presseveröffentlichungen liegt Potenzial für Sie.

Warum? Sie werden in Medien zitiert und wahrgenommen. Ihr Name wird bekannt. Wenn Sie zu einem Thema, sei es der Mangel an Azubis in der Baubranche, dem Ausbau der Photovoltaik oder der Bedeutung des Meisterbriefs Relevantes sagen, kommen schnell neue Medien auf Sie zu, weil die Redakteure Ihren Namen im Netz oder im Archiv finden. Ich nenne das gerne den Schneeball-Effekt (bitte nicht verwechseln mit Schneeballsystem, das ist was ganz anderes).

Geraldine Friedrich
Geraldine Friedrich ist ausgebildete Wirtschaftsjournalistin und schreibt seit 25 Jahren für Publikums- und Fachmedien in Deutschland, Luxemburg, Österreich und der Schweiz. - © Friedrich

Mögliche positive Effekte: Sie erhalten mehr Bewerbungen von Fachkräften, weil Sie im Interview sympathisch rüberkommen. Oder potenzielle Kunden holen bei Ihnen ein Angebot ein, weil sie denken: "Die sagt ja ganz vernünftige Sachen."

Wenn Sie Angst vor der Presse haben, möchte ich Ihnen diese ausdrücklich nehmen. Klar, Sie können die Presse bzw. deren Inhalte nicht kontrollieren. Aber als Chef eines KMU haben Sie einen entscheidenden Vorteil: Sie führen ein kleines Unternehmen. Allein damit ernten Sie bei Journalisten häufig schon Sympathiepunkte. Die Presse schreibt nämlich viel lieber über kleine Schaffer, die hart arbeiten, als über große Konzerne mit Marktmacht. Ich kenne keinen Wirtschaftsjournalisten, die gerne KMU in die Pfanne hauen. Ganz im Gegenteil.

Wenn Sie unsicher sind, können Sie das auch sagen. Ich finde es als Journalistin nicht schlimm, wenn jemand am Telefon zugibt: "Das ist meine erste Presseanfrage. Wie läuft das denn so?"

Diese Sätze vermeiden

Vermeiden Sie aber unbedingt Sätze wie "Darf ich das vor Druck nochmal gegenlesen" oder "Jetzt schreiben Sie mal was Schönes". Diese Sätze gehen Journalisten schwer auf den Zeiger. Ich habe mittlerweile eine ganze Liste davon auf meiner Website zum Download. Was dagegen okay ist: Bitten Sie den Journalisten, dass Sie vorab auf Ihre Zitate schauen dürfen.

Wenn der Zeitpunkt der Presseanfrage nicht passt, sagen Sie es einfach. Sagen Sie aber nicht "Können wir die Presseanfrage auf September verschieben, damit der Bericht unser Weihnachtsgeschäft ankurbelt?". Journalisten möchten nicht als verlängerter Arm Ihres Marketings herhalten. Der Satz ist übrigens keine Fiktion.

Wenn Sie jetzt Journalisten grundsätzlich doof finden, dann sagen Sie dem anfragenden Journalisten einfach: "Presseanfrage? Brauche ich nicht." Kein Unternehmen ist verpflichtet, auf Presseanfragen einzugehen.

Mit einem klaren "Nein" können Journalisten umgehen. Er oder sie fragt dann nämlich einfach das nächste KMU Ihrer Branche an und Ihr Kollege bzw. Ihre Kollegin kommt dann zu Wort.

Tipp: Egal für welche Variante Sie sich entscheiden: Besprechen Sie das Prozedere mit Ihrer Assistenz oder wer immer bei Ihnen zuerst ans Telefon geht und die Mails checkt. Es wäre schade, wenn Sie gerne mehr Sichtbarkeit hätten, diese Ihnen aber im Alltagsstress durch die Lappen geht.

Zur Autorin: Geraldine Friedrich ist ausgebildete Wirtschaftsjournalistin. Seit 2023 bloggt die Diplom-Betriebswirtin auf Indiemedien über das Spannungsfeld Pressearbeit und Journalismus. Seit 2024 gibt sie einen 14-tägigen Newsletter mit praktischen Tipps für KMU heraus, die ihre Pressearbeit selbst in die Hand nehmen wollen.