Kurz vor Ausbildungsstart Offene Lehrstellen: So kommen Sie jetzt noch an Azubis

Hunderttausende junge Menschen sind noch ohne Ausbildungsplatz. Viele entscheiden sich noch kurzfristig für einen Beruf. Vier Tipps für Betriebe, sie gezielt anzusprechen.

Laut Bundesagentur für Arbeit waren im Mai noch mehr als 190.000 junge Menschen auf der Suche nach einer Lehrstelle. - © Björn Wylezich - stock.adobe.com

Bundesweit gibt es auch in diesem Jahr weit mehr freie Ausbildungsplätze als Ausbildungssuchende. Laut Bundesagentur für Arbeit (BA) meldeten sich von Oktober 2024 bis Mai 2025 bei den Agenturen für Arbeit und den Jobcentern 375.000 Bewerber für eine Ausbildungsstelle. Aber davon hatten im Mai 191.000 junge Menschen weder einen Ausbildungsplatz noch eine Alternative gefunden.

Gleichzeitig suchen viele Unternehmen weiter intensiv nach Auszubildenden, um Fachkräfte für die Zukunft zu sichern. Allein bei der BA sind 229.000 unbesetzte Ausbildungsplätze gemeldet. "Viele junge Menschen entscheiden sich kurzfristig für eine Ausbildung oder einen passenden Betrieb", so der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH). Betriebe haben demnach auch noch kurz vor Ausbildungsstart die Möglichkeit, Auszubildende zu finden. "Wichtig ist, dass Betriebe aktiv bleiben, ihre freien Stellen online sichtbar machen und direkten Kontakt zu potenziellen Bewerberinnen und Bewerbern suchen."

Viele offene Plätze in Ausbauberufen

Laut BA-Statistik werden im Handwerk besonders in den Hoch-, Tief- und Ausbauberufen weiterhin viele Auszubildende gesucht – rund 19.000 Stellen sind dort derzeit unbesetzt. Auch in anderen Handwerksbereichen ist der Bedarf groß: In Mechatronik-, Energie- und Elektrotechnikberufen fehlen etwa 16.000 Auszubildende, in der Lebensmittelherstellung und im -verkauf rund 11.000.

Der ZDH bestätigt, dass vor allem im Beton- und Stahlbetonbau, bei Klempnern und Fleischern ein hoher Bedarf besteht.

Jugendliche interessieren sich für Handwerksberufe

Dass handwerkliche Berufe gefragt sind, zeigt ein Blick auf die Top 10 der beliebtesten Ausbildungsberufe: Auch im Jahr 2024 gehörten die Ausbildungen zum Kfz-Mechatroniker, Elektroniker sowie zum Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik wieder dazu. Auch insgesamt verzeichnete das Handwerk laut einer Analyse des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zuletzt einen Zuwachs bei neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen – im Vergleich zum Vorjahr stieg deren Zahl um 0,7 Prozent.

Berufsorientierung nicht ausreichend auf Handwerk getrimmt

Die Gründe für die Passungsproblematik zwischen Betrieben mit offenen Ausbildungsplätzen und unversorgten Bewerbern liegen laut ZDH vorrangig in einer unzureichenden Berufsorientierung in den Schulen. Häufig seien die Möglichkeiten den Jugendlichen gar nicht bekannt: "Viele Jugendliche orientieren sich zunächst an Handwerksberufen, die auch bei ihrem Freundes- und Familienkreis bekannt und beliebt sind", so der ZDH. "Umso wichtiger ist es, dass Betriebe aus weniger bekannten Gewerken gezielt ihre Stärken zeigen und diese an potenzielle Auszubildende herantragen." Insbesondere an Gymnasien würden jungen Menschen zu wenig berufliche Alternativen zu einem Studium aufgezeigt.

Auch spiele der Standort eines Betriebs für angehende Auszubildende eine Rolle. Dabei könnten Betriebe unterstützend wirken, etwa durch die Förderung der überregionalen Mobilität.

4 Tipps, wie Sie jetzt noch Azubis für 2025 gewinnen

1. Praktika anbieten

Ein bewährtes Instrument ist laut ZDH die Bereitstellung von Praktikumsplätzen. Die meisten Auszubildenden werden über das persönliche Kennenlernen im Praktikum gewonnen. Die Sommerferien böten sich hierfür an. Praktikumsplätze können über die Lehrstellenbörsen der Handwerkskammern und regionale Praktikumsbörsen sichtbar gemacht werden.

2. Mit den Schulen zusammenarbeiten

Ein Faktor für die Passungsproblematik ist die mangelnde Berufsorientierung. Insbesondere an Gymnasien werden zu wenig berufliche Alternativen zu einem Studium aufgezeigt. Deshalb empfiehlt der ZDH eine enge Zusammenarbeit mit den Schulen im Rahmen des Berufsorientierungsunterrichts.

So tragen Betriebe zur fundierten Berufsorientierung Jugendlicher bei:

  • Bei schuleigenen Berufsbildungsmessen präsent sein
  • Auszubildende für einen Einsatz als Ausbildungsbotschafter in den Schulklassen und auf Ausbildungsmessen freistellen
  • Als Betrieb an Schulprojekten beteiligen

3. In den Sozialen Medien sichtbar sein

Betriebe können die Aufmerksamkeit junger Menschen für das Handwerk und für ihren Betrieb gezielt über Auftritte in den Sozialen Medien gewinnen. "Betriebe sollten vor allem dort ansetzen, wo junge Menschen auch am häufigsten anzutreffen sind", empfiehlt der ZDH. "Mit authentischen Einblicken in den Betriebsalltag, klaren Entwicklungsperspektiven und sympathischen Vorbildern."

So erzeugen Betriebe Sichtbarkeit:

  • Ausbildung durch die eigenen bereits vorhandenen Auszubildenden und jungen Fachkräfte authentisch in den Sozialen Medien darstellen
  • Karriereseite auf der eigenen Homepage einrichten mit niedrigschwelliger Bewerbungsmöglichkeit

4. Unterstützungsangebote der BA und Handwerkskammern nutzen

Ausbildungsstellen können kurzfristig auch über die Unterstützungsangebote der Bundesagentur für Arbeit oder der Handwerkskammern vermittelt werden. Betriebe mit unbesetzten Ausbildungsstellen sollten sich auch noch kurzfristig mit den Institutionen in Verbindung setzen.

Diese Angebote gibt es von der BA und den Kammern:

Unterstützung durch die Bundesagentur für ArbeitAngebote der Handwerkskammern
Assistiert Ausbildung (AsA)Regionale Nachvermittlungsaktionen
EinstiegsqualifizierungVermittlungsaktionen im Speeddating-Format

Weiterführendes Material des ZDH

  • Kommunikationskampagne "Das Handwerk – Die Wirtschaftsmacht von nebenan": Kommunikationskampagne, die mit Medienformaten und Aktionen das Handwerk sichtbar macht und attraktiv für junge Menschen. Sie informiert über die vielfältigen Aus- und Fortbildungsangebote im Handwerk und zeigt das Handwerk als zukunftsfähige Branche – innovativ, systemrelevant und vielfältig.
  • Ausbildungsqualität im Handwerk: Die Handwerksorganisation unterstützt das betriebliche Ausbildungsengagement durch Materialien und Initiativen für die Besetzung von Ausbildungsplätzen sowie eine gelingende Ausbildung. Es können Handlungsanleitungen für eine erfolgversprechende Ansprache junger Menschen und ihre Bindung heruntergeladen werden.