Offene Rechnungen, eine verheerende Explosion, ein schnelles Geständnis. Der Fall einer Detonation in einer Kölner Bäckerei scheint eindeutig – bis plötzlich der Bruder des Angeklagten ins Spiel kommt.

Das Kölner Amtsgericht hat den 31-jährigen Betreiber einer Bäckerei vom Vorwurf der fahrlässigen Körperverletzung und des Herbeiführens einer Explosion freigesprochen. Das berichtet die Deutsche Presse-Agentur (dpa). In dem Prozess ließ sich nicht zweifelsfrei klären, ob der Angeklagte oder dessen Bruder für eine Gasexplosion im April 2024 verantwortlich war. Zuvor hatte der Mann ein Geständnis abgelegt, dieses aber im Laufe der Verhandlung widerrufen.
Propangas in die Leitung eingeleitet
Ein Energieversorger hatte der Bäckerei im Kölner Stadtteil Mülheim nach Angaben der Staatsanwaltschaft wegen Zahlungsrückständen den Gasanschluss gesperrt. Daraufhin sei Propangas in die Leitung eingeleitet worden, um den Ofen weiter betreiben zu können.
Die Ermittler gehen davon aus, dass Propangas aus einer Druckflasche mit sieben Bar in die für nur 0,2 Bar ausgelegte Erdgasleitung des Hauses geleitet wurde. Durch den Überdruck kam es zur Explosion. Dabei wurde ein Bewohner von einer umstürzenden Wand verschüttet und schwer verletzt. Zudem stürzten Decken ein und der Dachstuhl wurde beschädigt. Das Haus ist laut Anklage bis heute unbewohnbar.
Zeugenaussage sorgt für Wende im Prozess
Der 31-jährige Angeklagte hatte die Vorwürfe über seine Verteidiger zunächst eingeräumt. Die Wende im Prozess brachte laut dpa die Aussage des Hauseigentümers. Dieser gab im Zeugenstand an, er habe alle Mietangelegenheiten stets mit dem Bruder des Angeklagten besprochen, den er als "Chef" bezeichnete. Auch ein Gespräch über das ausdrückliche Verbot, Propangas zu verwenden, habe er mit dem Bruder geführt. Mit dem Angeklagten selbst habe er nach eigenen Angaben nie gesprochen.
Nach dieser Aussage widerrief der 31-Jährige sein Geständnis. Er erklärte, sein Geständnis sei falsch gewesen, wie die dpa berichtet. Einen Grund für die Falschaussage nannte er nicht. Ob die Ermittlungen gegen den Bruder, die zeitweise bereits liefen, nun wieder aufgenommen werden, ist unklar. fre/dpa