Transporter-Testfahrt Nissan Interstar muss sich nicht verstecken

Der aktuelle Nissan Interstar bietet bis auf den Handbremshebel ein modernes Cockpit und einen agilen Antrieb. Ein Fahrbericht.

Nissan Interstar
Mit seiner markanten Frontpartie hebt sich der Nissan Interstar vom baugleichen Renault ­Master ab. Und der neue, alte Name prangt in großen Lettern, aber dezent über dem Firmen-Logo. - © Ulrich Steudel

Der 3,5-Tonner von Nissan hört wieder auf den Namen Interstar. Nachdem sich niemand so recht mit der Bezeichnung NV400 an­­freunden wollte, fährt der langjährige Bruder des Renault Master nun wieder unter alter Flagge. Grund genug für einen Test des aktuellen Modells, das es erstmals auch mit Elektroantrieb gibt. Wir aber haben uns für den konventionellen Diesel-Transporter entschieden. Der kostet eine fünfstellige Eurosumme weniger, was für viele Handwerksbetriebe ein wichtiges Kriterium bei der Kaufentscheidung darstellen dürfte.

Solides Fahrwerk, das manchmal etwas scheppert

Dafür muss man dann wieder den Knüppel für die 6-Gang-Schaltung in die Hand nehmen. Aber da Autofahren ja nicht die Hauptbeschäftigung im Handwerk ist, sollte das kein Problem sein, zumal sich das Getriebe butterweich bedienen lässt. Und auch der Motor spielt mit, treibt den Kastenwagen mit seinen 150 PS schon bei niedrigen Drehzahlen kräftig voran. Früher als erwartet ermahnt die Schaltpunktanzeige den Fahrer, endlich einen höheren Gang einzulegen.

Das Fahrwerk des Fronttrieblers macht einen soliden Eindruck, auch wenn es den Kastenwagen in unbe­ladenem Zustand mitunter etwas scheppern lässt. Schon mit etwas Gewicht im Laderaum wird es besser.

N-Connecta im Nissan Interstar Premiumausstattung

Der Testwagen kommt in der Ausstattungsvariante N-Connecta daher. Das ist bei Nissan Premium und be­­inhaltet so praktische Details wie eine Trittstufe am Heck, die bei einem großen Transporter eigentlich zur Grundausstattung gehören sollte.

Das Cockpit empfängt den Fahrer dann aber doch mit einem Komfort, wie er im Nutzfahrzeug keineswegs alltäglich ist. Das leicht zum Fahrer geneigte Display kann via Android Auto mit dem Smartphone verbunden werden, das dann als Navigationsgerät oder Musikbox dient. Zwei USB-C-Anschlüsse befinden sich direkt an der Ablage. Die Rückfahr­kamera erleichtert zusammen mit den auch nach der Seite agierenden Abstandssensoren diffizile Rangiermanöver.

Elektronische Assistenten sind in­­zwischen zu hilfreichen Mitfahrern geworden. Aber sie können einem auch tierisch auf die Nerven gehen. Denn sie schalten nicht nur Scheibenwischer oder Scheinwerfer an, sie piepsen auch ständig oder greifen so­­gar ins Lenkrad ein. Ob das wirklich der Sicherheit dient? Es mindert auf jeden Fall den Fahrspaß. Da wäre eine elektronische Feststellbremse sinnvoller gewesen. Stattdessen muss man im Interstar noch den Handbremshebel ziehen.

Alles in allem liefert Nissan mit dem neuen Interstar dem Handwerker einen soliden Transporter, der sich nicht vor den Mitbewerbern verstecken muss und sich dank seines maskulinen Frontdesigns zudem vom baugleichen Renault Master optisch abhebt.

Das Test-Fahrzeug: Nissan Interstar Kastenwagen L2H2

Gesamtpreis Testwagen: 42.113 Euro netto

Grundpreis Testwagen: 39.840 Euro netto

Einstiegspreis: 34.250 Euro netto (Kastenwagen L2H2)

Garantie: 5 Jahre (bis 160.000 km)

Wartungsintervall: 30.000 km oder 24 Monate

Technische Daten

  • 4-Zylinder-Dieselmotor mit 6-Gang-Schaltgetriebe
  • 1.997 cm3 Hubraum, 150 PS Leistung, 360 Nm max. Drehmoment
  • 170 km/h Höchstgeschwindigkeit
  • 7,5 – 8,5 l/100 km Kraftstoffverbrauch (kombiniert)
  • 1.372 kg Nutzlast, 2.500 kg Anhängelast (gebremst)
  • Maße Fahrzeug: 5.685 x 2.080 x 2.498 mm (Länge x Breite x Höhe)
  • Maße Laderaum: 3.225 x 1.789 x 1.885 mm (Länge x Breite x Höhe)
  • Laderauminhalt: 10,8 m3
Nissan Interstar, Display und Schalthebel
Das Display ist leicht zum Fahrer geneigt und lässt sich dadurch leicht ablesen. - © Ulrich Steudel

Nissan Interstar, Blick in die Fahrerkabine
Der mittlere Sitz lässt sich als Tisch für das Laptop verwenden. - © Ulrich Steudel