Schaufeln und Spaten aus der Schmiede Krumpholz Werkzeuge: "Der Rolls-Royce für den Garten"

Krumpholz Werkzeuge ist eine der letzten verbliebenen Schmieden, in denen Schaufeln und Spaten handwerklich gefertigt werden. Mit ihrem hohen Qualitätsanspruch bieten sie Billiganbietern erfolgreich die Stirn und expandieren weltweit.

Krumpholz Werkzeuge
Jedes Stück ein Unikat: In der Schmiede wird der Stahl bis heute in aufwendiger Handarbeit zu Gartenwerkzeug behauen. Es soll seinen Besitzer ein Leben lang begleiten. - © Krumpholz Werkzeuge

Funken tanzen orange-rot durch die verrußte Luft. ­Hämmer schlagen rhythmisch im Takt. Dampf zischt auf, wenn der glühende Stahl ins kalte Wasser taucht. Hier, im tiefen ­Frankenwald, scheint die Zeit stillzustehen. Mit dem Feuer, der Kraft und dem Geschick menschlicher Hände werden in dieser Schmiede Werkzeuge fast wie vor 200 Jahren gefertigt. Maschinen unterstützen, doch nur mit echter Handarbeit wird das Produkt zum hochwertigen Unikat. "Jeder Hammerschlag unterscheidet sich vom nächsten. Wir haben unsere Handgriffe und eine ganz bestimmte Art, den Stahl zu bearbeiten. Das gehört zum Familiengeheimnis", sagt Claus Krumpholz.

Gemeinsam mit seinem Sohn Claus Krumpholz junior führt er eine der letzten Schmieden, die Werkzeuge für Garten und Forst noch in aufwendiger Handwerkskunst herstellt. "Nach unseren Recherchen sind wir die einzige in Deutschland und in ganz Europa gibt es höchstens noch eine Handvoll solcher Betriebe wie wir", betont der Firmenchef nicht ohne Stolz.

Gründungsjahr geht auf einen Vertragsfehler zurück

Das Unternehmen mit Sitz im oberfränkischen Grafenhaig befindet sich in siebter Generation in Familienhand und für die beiden Chefs ist es mehr Ehre als Verpflichtung, das Lebenswerk ihrer Vorfahren fortzusetzen zu dürfen. Die Entstehung reicht offiziell in das Jahr 1799 zurück. Eigentlich ist der Betrieb aber noch älter.

Auf seiner Walz stieß Gründer Johann David Krumpholz im Gemeindeteil "Guttenberger Hammer" auf ein ehemaliges Hüttenwerk, in dem Eisenerz abgebaut und zu Stahl verarbeitet wurde. Umgeben von Bergen und Bächen fand er hier Wasser, Holz und Eisen vor, alles, was eine Schmiede benötigt. Er schloss einen Kaufvertrag mit den Vorbesitzern, doch dabei kam es zu einem gravierenden Fehler, der erst Jahre später auffiel. Statt nur dem Betriebsgrundstück hatten die Guttenbergs versehentlich alle Ländereien und damit ihren kompletten Familienbesitz für den symbolischen Betrag eines Talers an Johann David Krumpholz überschrieben. Als der Fehler auffiel, wurde der Vertrag revidiert und auf das Jahr 1799 neu datiert.

Schließung des Betriebs im Zweiten Weltkrieg

Schon damals wurden landwirtschaftliche Werkzeuge wie Gabeln, Spaten und Äxte hergestellt. Die Konkurrenz war allerdings noch weitaus größer als heute. Gebeutelt durch Kriege, Krisen und Mangelwirtschaft gaben über die Jahrzehnte und Jahrhunderte jedoch viele Wettbewerber auf. Auch Krumpholz Werkzeuge ging für seine Mitarbeiter und ­Kunden sprichwörtlich durchs Feuer, um sich am Markt zu halten.

Im Zweiten Weltkrieg wurde der Betrieb vom NS-Regime zwangsgeschlossen. "Mein Großvater Georg machte ­keinen Hehl aus seiner Verachtung gegenüber den Nazis. Das hatte seine Konsequenzen", weiß Claus Krumpholz. Dass die Schmiede bis heute alle widrigen Umstände gemeistert hat, führt er vor allem auf ganz viel ­Willenskraft zurück. "Wir waren schon immer ein Familienunternehmen und hängen mit Hemd und Hose an der Firma. Ich glaube, nur deshalb haben wir überlebt."

Als Markenzeichen ist bis heute die Handwerksqualität geblieben, mit der sich das Unternehmen gegenüber den Billigprodukten aus Asien behauptet, die heute die Baumärkte überschwemmen. "Für unsere Werkzeuge verwenden wir extrem robusten Kohlenstoff-Stahl, in einem Maximum an Dichte, das man in einer Schmiede noch bearbeiten kann", erklärt Claus Krumpholz junior. Auch bei den Griffen aus Holz setzt der Betrieb auf höchste Qualität. "Wir könnten unsere Materialien deutlich günstiger einkaufen, aber dann wäre es kein Krumpholz Werkzeug mehr."

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Zum 225. Jubiläum lud die Firma Krumpholz Werkzeuge zahlreiche Gäste aus Politik und Wirtschaft in den „Guttenberger Hammer“. Besonders freuten sich ­Firmeninhaber Claus Krumpholz (li.) und Elke Krumpholz, sowie Claus Krumpholz jun. (re.) mit Juliane Tröger über den Besuch der bayerischen ­Landtagspräsidentin Ilse Aigner (Mitte). - © Krumpholz Werkzeuge

"Wir würden gerne eine Garantie auf Lebenszeit ausstellen"

Die Produkte sollen mit der Baumarktware nichts gemeinsam haben, auch wenn die billigen Schaufeln und Spaten auf den ersten Blick oftmals einen guten Eindruck bei den Verbrauchern hinterlassen. Claus ­Krumpholz beschreibt, dass diese Werkzeuge in Asien solange poliert würden, bis sie wie hochwertiges Edelstahl aussähen. Er warnt die Kunden, sich nicht täuschen zu lassen: "Der Schein trügt. Je mehr das Zeug glänzt, desto schneller geht es oftmals kaputt."

Die Produkte von Krumpholz Werkzeuge glänzen hingegen nicht. Dennoch würden die Geschäftsführer für sie am liebsten eine lebenslange Garantie ausstellen – bei sachgemäßer Nutzung. "Doch das ist vom Gesetzgeber nicht erlaubt", weiß Claus Krumpholz junior. "Was wir verkaufen ist der Rolls-Royce für den Garten", sagt sein Vater überzeugt. Dieser hat allerdings auch seinen Preis. Die teuersten Gartenwerkzeuge im Sortiment kosten rund 170 Euro. Oftmals liegt der Preis der Artikel beim Dreifachen gegenüber einem Billigprodukt aus dem Baumarkt, doch dies sei auch gerechtfertigt.

Das Selbstbewusstsein der Firma wird durch zahlreiche Auszeichnungen gestärkt. So wurde Krumpholz Werkzeuge etwa mehrfach zu den "Marken des Jahrhunderts" gekürt, erhielt den "German Brand Award" oder auch den "Design- und Erfinderpreis" der Handwerkskammer für Oberfranken. Besonders wertschätzend empfanden die Inhaber die Teilnahme zahlreicher Vertreter aus der Politik beim 225. Firmenjubiläum im vergangenen Jahr.

Betrieb expandiert von Australien bis Südamerika

Der Handwerksbetrieb ist längst weit über Deutschland hinaus aktiv und möchte als "Hidden Champion" weiter wachsen. "Sie können ein Krumpholz Werkzeug genauso in Australien, Südafrika, Amerika oder Korea kaufen", sagt Claus Krumpholz. Das Ziel sei es, ein Prozent der jeweiligen Bevölkerung mit einem Krumpholz Werkzeug auszustatten.

Der Vertrieb findet über Landesvertretungen statt, die die Namensrechte von Krumpholz Werkzeuge erhalten. Hergestellt ist alles "Made in Germany". Ganz wichtig ist den Inhabern, dass ein Krumpholz Werkzeug auch im Ausland nur über den Fachhandel verkauft werden darf. "Die Beratung und der persönliche Kontakt zu den Kunden ist ein wichtiger Teil unserer Erfolgsstrategie. Wir möchten unbedingt vermeiden, dass unser Image verwässert wird."

Um wettbewerbsfähig zu bleiben, geht Krumpholz Werkzeuge aber auch mit der Zeit. Ein intelligenter Schleifroboter soll die Schmiede bald unterstützen und den Metallbauern mehr Zeit für andere Aufgaben verschaffen. Schließlich sollen die Schläge der Hämmer auch in den nächsten 200 Jahren durch den ­Frankenwald hallen.