Branchenreport Gebäudereiniger-Handwerk: Der stille Riese der Branche

Gemessen an der Mitarbeiterzahl ist die Gebäudereinigung der größte Handwerkszweig in Deutschland. Neue Zahlen belegen die Dimensionen einer Branche, die oft im Schatten der Werkbänke weilt.

Das Tätigkeitsfeld der Gebäudereinigung reicht von der klassischen Unterhaltsreinigung über Glas- und Fassadenreinigung bis hin zur Krankenhaus-, Baustellen-, Verkehrsmittel- oder Industriereinigung. - © Parilov - stock.adobe.com

Mehr als 658.000 Menschen arbeiten in den rund 35.000 Betrieben des Gebäudereiniger-Handwerks. Das zeigt der Branchenreport 2025 des Bundesinnungsverbands des Gebäudedreiniger-Handwerks (BIV). Gemessen an der Mitarbeiterzahl ist das Gebäudereiniger-Handwerk damit der größte Handwerkszweig in Deutschland.

Seit dem Jahr 2008 ist die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten laut Report um 51,7 Prozent gestiegen. Im gesamten Handwerk habe der Zuwachs im gleichen Zeitraum bei 14,9 Prozent gelegen. Fast 30 Prozent der neu geschaffenen Arbeitsplätze im Handwerk entfielen demnach auf die Gebäudereinigung.

Das Umsatzwachstum zwischen 2015 und 2024 beziffert die Branche auf 80,2 Prozent. Im Gesamt-Handwerk habe das Wachstum im gleichen Zeitraum bei 40,1 Prozent gelegen.

Löhne und Personalstruktur

Die Branche verweist auf tariflich geregelte Arbeitsbedingungen. Der allgemeinverbindliche Einstiegslohn liegt aktuell bei 14,25 Euro pro Stunde und steigt ab 2026 auf 15 Euro. Dies liegt – nach aktuellem Stand – über dem gesetzlichen Mindestlohn. Der Rahmentarifvertrag sichert zudem 30 Tage Urlaub sowie Zuschläge für Nacht-, Sonn- und Feiertagsarbeit.

Der BIV betont zudem die integrative Rolle des Gebäudereiniger-Handwerks auf dem Arbeitsmarkt. Ein großer Teil der Beschäftigten verfüge über keinen formalen Berufsabschluss (57,5 Prozent) oder keinen deutschen Pass (47,4 Prozent).

Technologie und Nachhaltigkeit

Zur Optimierung von Prozessen setzt die Branche nach eigenen Angaben auf neue Technologien wie Drohnen, Reinigungsroboter und Augmented Reality. Auch Nachhaltigkeit spiele eine Rolle, etwa durch Maßnahmen zur Abfallvermeidung, zur Steigerung der Energieeffizienz und durch den Einsatz von Elektrofahrzeugen in den Fuhrparks.

Veränderte Wahrnehmung durch Pandemie

Die Corona-Pandemie habe die gesellschaftliche Wertschätzung für Hygiene und Sauberkeit erhöht, heißt es im Branchenreport. Das sogenannte "Daytime-Cleaning", also die Reinigung während der üblichen Geschäftszeiten, gewinne an Bedeutung. Dies ermögliche Arbeitszeiten, die sich besser mit familiären Verpflichtungen vereinbaren lassen, und sorge für mehr Sichtbarkeit der Tätigkeit. Trotz des technologischen Fortschritts sei die Gebäudereinigung weiterhin stark von menschlicher Arbeit geprägt und damit zukunftssicher. Laut dem Job-Futuromat des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), auf den der BIV verweist, sind derzeit nur drei von zehn Tätigkeiten in der Branche automatisierbar. fre