Ausbildungsserie Case-Management: Hilfe für Jugendliche mit vielen Problemen

Einige Jugendliche haben es schwer, nach der Schule eine Ausbildung oder Arbeit zu finden. Oft kämpfen sie mit mehreren Problemen gleichzeitig. Ein Ansatz, der ihnen helfen soll, ist das sogenannte Case Management. Was hat es damit auf sich?

Beim Case-Management werden verschiedene Institutionen zusammengebracht. Das Netzwerk stellt einen individuellen Hilfsplan für einen erfolgreichen Einstieg in den Beruf auf. - © nenetus - stock.adobe.com

Der Übergang von der Schule ins Berufsleben – für viele eine aufregende Zeit, für manche aber auch ein echter Hürdenlauf. Was, wenn familiäre Sorgen, gesundheitliche Probleme oder einfach das Gefühl, überfordert zu sein, den Start erschweren? Genau hier brauchen junge Menschen und auch die Betriebe, die sie ausbilden wollen, gezielte Unterstützung. Und ein Ansatz, der immer wichtiger wird, ist das sogenannte Case Management. Klingt erstmal technisch, ist aber ganz menschlich.

Wenn das Leben Haken schlägt: die "Mehrfach-Problematiken"

Viele Jugendliche, die es schwer haben, kämpfen nicht nur mit einer einzigen Baustelle. Oft kommt vieles zusammen:

  • Gesundheit: Körperliche oder seelische Probleme können belasten.
  • Familie: Schwierige Verhältnisse zu Hause oder eine ungünstige Wohnsituation machen es nicht leichter.
  • Schule & Soziales: Überforderung in der Schule, ein bröckelndes soziales Netz oder auch Suchtprobleme können den Weg zusätzlich erschweren.

Manchmal ist es eine Kombination aus all dem, die Jugendliche in eine Situation bringt, die sich erstmal ausweglos anfühlt. Und genau da setzt die Idee des Case Managements an.

Case Management: Was ist das eigentlich?

Stellen Sie sich vor, jemand nimmt den Jugendlichen an die Hand und hilft ihm, den roten Faden in seinem Leben wiederzufinden und einen Plan für die Zukunft zu schmieden. Genau das ist die Kernidee des Case Managements (manchmal auch Fallmanagement genannt). Es geht darum, junge Menschen ganz individuell zu unterstützen, die in einer schwierigen Lage stecken.

Im Mittelpunkt steht immer der einzelne Mensch mit seinen ganz persönlichen Bedürfnissen. Ein Fallmanager koordiniert dann alle notwendigen Hilfen – von der Schule über die Jugendhilfe bis hin zum Jobcenter. Das Ziel: Den Weg in Ausbildung und Beruf ebnen.

Ein starkes Netz für einen erfolgreichen Start

Damit das Ganze funktioniert, braucht es vor allem eines: Teamwork.

  • Regelmäßige Gespräche: Offenheit und Vertrauen sind die Basis.
  • Ein starkes Netzwerk: Alle wichtigen Personen und Institutionen ziehen an einem Strang.
  • Klare Ziele: Gemeinsam wird festgelegt, wohin die Reise gehen soll.

In diesem Netzwerk wird die Lebenssituation genau angeschaut, um herauszufinden, was der oder die Jugendliche wirklich braucht. Es geht darum, sie wieder in die Gesellschaft einzugliedern und sie Schritt für Schritt auf dem Weg zu einer abgeschlossenen Berufsausbildung zu begleiten – ohne dass jemand auf der Strecke bleibt. Dabei werden die Fähigkeiten der Betroffenen genauso genutzt wie die Leistungen des Systems. Am Ende steht ein persönlicher Integrationsförderplan, der gemeinsam erarbeitet wird.

Aus der Praxis: Wie Case Management Leben verändern kann

Beispiel 1: Vom Beinahe-Schulabbrecher zum Azubi

Ein Jugendlicher, dessen Familie komplett von Jobcenter-Leistungen lebt. Die Mutter überfordert, der Bruder lehnt Arbeit ab. Er selbst steht kurz vor dem Schulende, wahrscheinlich ohne Abschluss, hat kaum soziale Kontakte und tut sich mit Behörden schwer. Klingt nach einer schwierigen Ausgangslage, oder?

Hier kam die Schulsozialarbeiterin ins Spiel. Sie machte ihm Angebote zur beruflichen Orientierung und vermittelte ihn ans regionale Case Management. Eine Fallmanagerin kümmerte sich um ihn. Wichtig: Er machte freiwillig mit. Zuerst ging es darum, sein Leben zu stabilisieren: Bankkonto eröffnen, Wohnsituation klären, Behördengänge organisieren. Nach sechs Monaten der Durchbruch: Er begann eine Ausbildung zum Gebäudereiniger und zog in eine eigene Wohnung. Der regelmäßige Kontakt zur Fallmanagerin gab ihm die nötige Sicherheit, auch um die Probezeit zu meistern. Danach war das Case Management nicht mehr nötig. Ein echter Erfolg.

Beispiel 2: Eine neue Chance für einen Geflüchteten

Ein anderer Fall: Ein junger Mann, geflüchtet aus seiner Heimat, wo er handwerklich gearbeitet hat – Dachteile hergestellt, Regenrohre montiert. Seine Deutschkenntnisse: begrenzt. Der Berufswunsch hier: Klempner. Aber passen seine alten Zeugnisse zu diesem Berufsbild?

Hier arbeitete der Fallmanager eng mit dem Ausbildungsberater der Handwerkskammer zusammen. Gemeinsam stießen sie die Anerkennung seiner Qualifikationen an. Das bedeutet: Zeugnisse übersetzen lassen, Unterlagen einreichen. Für so eine Anerkennung braucht man übrigens meistens:

  • Ausweis oder Reisepass
  • Zeugnisse (Original und deutsche Übersetzung)
  • Tabellarischer Lebenslauf mit Erfahrungen und Fortbildungen
  • Nachweise über praktische Berufserfahrung

Anschließend wurde ein Förderplan geschmiedet: Integrationskurs, berufsbezogener Deutschkurs, Hilfe bei Bewerbungen und Vorstellungsgesprächen. Das Ergebnis? Ein Ausbildungsplatz als Klempner!

Mehr als nur ein Plan

Diese Geschichten zeigen, wie wertvoll Case Management sein kann. Es geht nicht nur darum, einen Plan abzuhaken. Es geht darum, jungen Menschen eine echte Perspektive zu geben, ihre Stärken zu erkennen und sie auf einem oft steinigen Weg nicht alleine zu lassen. Eine Investition, die sich lohnt – für die Jugendlichen und für uns alle.

Ihr Ausbildungsberater Peter Braune

Peter Braune hat Farbenlithograph gelernt, war Ausbilder und bestand in dieser Zeit die Ausbildungsmeisterprüfung. Er wechselte als Ausbildungsberater zur Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main. Dort baute er dann den gewerblich-technischen Bereich im Bildungszentrum auf und leitete die Referate gewerblich-technischen Prüfungen sowie Ausbildungsberatung, zu der auch die Geschäftsführung vom Schlichtungsausschuss gehörte. Danach war er Referent für Sonderprojekte.