Nach Jahren der Niedrigzinsen rücken Anleihen wieder stärker in den Fokus. Doch der Einstieg ist für Privatanleger oft komplex. Wer klug diversifiziert, kann heute wieder attraktive Renditen erzielen, ohne auf Sicherheit verzichten zu müssen. Welche Möglichkeiten aktive und passive Fonds, Laufzeitstrategien und Wandelanleihen bieten.

1. Klassische Rentenfonds
Internationale aktive Rentenfonds sind auf den ersten Blick eine bequeme Lösung. Man sollte aber nicht alles in einen Fonds investieren. Einige Fonds hatten etwa im Jahr 2022 eine zu lange Kapitalbindungsdauer (Duration). Durch den plötzlichen Zinsanstieg kam es zu Verlusten. Einige Fondsmanager dürfen zudem sehr opportunistisch agieren und investieren überproportional in bestimmte Währungen, Schwellenländer oder Nachranganleihen. Sie erzielen so Überrenditen mit niedrigeren Bonitäten.
2. Aktive Laufzeitfonds
Hier wird in der Regel in Unternehmensanleihen investiert. Dabei wird eine sogenannte "Carry-Strategie" verfolgt. Der Carry ist die Rendite während einer bestimmten Haltedauer. Der Fonds hat ein festes Fälligkeitsdatum und eine im Voraus bekannte Zielperformance zur Fälligkeit. Hinzu kommt der allmähliche Rückgang des Risikos zum Laufzeitende. Besonders wichtig ist die Möglichkeit einer Diversifikation, da in viele Papiere investiert wird. Es gibt Fonds, in die man nur in der Zeichnungsphase investieren kann. Andere Emittenten erlauben einen Zukauf während der Laufzeit. Um den spontanen Abfluss von Geldern einzuschränken, verlangen einige Anbieter eine Verkaufsgebühr bei vorzeitigem Verkauf oder beschränken das monatliche Volumen. Am Ende der Laufzeit kann man die Fonds kostenfrei verkaufen oder in einen neuen Laufzeitfonds tauschen. Gute Angebote erhält man von den französischen Anbietern ANAXIS, Carmignac oder auch ODDO.
3. Passive Fälligkeits-ETFs
Hier erfolgt eine indexierte Zusammenstellung von Anleihen, die auf einen festgelegten Fälligkeitstag ausgerichtet sind. Die Selektion erfolgt in der Regel über Marktkapitalisierung, Liquidität und Bonität der Papiere. Da meist höhere Bonitäten gewählt werden, sind die Renditen oft nicht attraktiv. Die niedrigeren Kosten gleichen das nicht aus.
4. Wandelanleihen
Möchte man Anleihen und Aktien mischen, können Wandelanleihen sinnvoll sein. Es handelt sich hierbei um von Aktiengesellschaften ausgegebene und meist mit einem Nominalzins ausgestattete Anleihen, die dem Inhaber das Recht einräumen, sie während einer Wandlungsfrist zu einem vorher festgelegten Verhältnis und einem vorgegebenen Preis in Aktien einzutauschen. Andernfalls wird die Anleihe zum Ende der Laufzeit zur Rückzahlung fällig. Neben in Deutschland verfügbaren Produkten von großen Adressen wie dem UBS Convert Global (ISIN LU0203937692), Flossbach von Storch – Global Convertible Bond (ISIN LU0366179009) oder JP Morgan Global Convertibles (ISIN LU0194732953) gibt es spezialisierte Anbieter wie das österreichische Investmenthaus CONVEX Experts, die ausschließlich Wandelanleihenfonds anbieten.
Das Anleihesegment eines Portfolios sollte ebenfalls differenziert aufgestellt werden. Dabei sollten unterschiedliche Anbieter gewählt werden, um verschiedene Investmentphilosophien zu berücksichtigen. Aktive Investmentfonds bieten hier die besseren Opportunitäten.
Zum Autor: Andreas Görler ist Senior Wealthmanager und zertifizierter Fachmann für nachhaltige Investments bei der Wellinvest - Pruschke & Kalm GmbH in Berlin.