Meister steigert Einkommen deutlich Handwerk lohnt sich – auch finanziell

Das Klischee vom "schlecht bezahlten Handwerk" hält sich hartnäckig – zu Unrecht. Eine aktuelle Studie aus Baden-Württemberg zeigt: Wer ins Handwerk geht, trifft auch finanziell eine kluge Entscheidung.

Bereits in der Ausbildung verdienen Handwerker überdurchschnittlich gut. Fachkräfte, wie Stuckateure, sind deutschlandweit gefragt und werden entsprechend gut entlohnt. - © www.amh-online.de / Sascha Schneider

In einer neuen Vergütungsstudie des Ludwig-Fröhler-Instituts im Auftrag der acht baden-württembergischen Handwerkskammern zeigt sich: Schon in der Ausbildung verdienen Handwerkerinnen und Handwerker überdurchschnittlich gut. "Von Anfang an bezahlt das Handwerk gegenüber anderen Branchen konkurrenzfähige Vergütungen", stellt Rainer Reichhold, Präsident der Handwerkskammer Region Stuttgart fest. In der Ausbildungsvergütung liegt das Handwerk im bundesweiten Vergleich vorn. Die höchsten durchschnittlichen Vergütungen im ersten Lehrjahr im Handwerk erhalten Elektrotechniker und Kraftfahrzeugtechniker, Maurer und Betonbauer, Zimmerer sowie Metallbauer. Sie verdienen rund 1.000 Euro brutto pro Monat – nur Pflege und öffentlicher Dienst zahlen mehr. Fertig ausgebildete Gesellen verdienen im Schnitt über 3.100 Euro brutto – in Berufen wie dem Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik-Handwerk oder der Feinwerkmechanik sogar bis zu 3.700 Euro.

Die Erhebung deckt sich mit einer Untersuchung des Instituts Ende 2024 für Ostbayern. Die Erkenntnis zum Jahreswechsel: das Handwerk bezahlt besser, als viele vermuten. Doch die Spanne zwischen Minimum und Maximum ist groß.

Meister auf Augenhöhe mit Akademikern

Wer sich nach der Gesellenprüfung für die Meisterschule entscheidet, kann sein Einkommen deutlich steigern – um bis zu 1.500 Euro monatlich. Mit einem Durchschnittsgehalt von rund 4.500 Euro brutto und Spitzenwerten bis zu 8.000 Euro stehen Meisterinnen und Meister Akademikern in nichts nach – beispielsweise im Vergleich zu Bachelorabsolventen in Industrie- oder Dienstleistungsbranchen. "Das ist ein klares Signal an alle Gesellinnen und Gesellen da draußen: Eine Fortbildung zum Meister oder zur Meisterin zahlt sich definitiv aus", sagt Reichhold.

Fachkräfte sind gesucht und Qualifikation zahlt sich aus

Der Fachkräftemangel eröffnet Chancen: Gut ausgebildete Handwerker sind gefragt wie nie. Und werden entsprechend entlohnt. "Aktuell warten Handwerksbetriebe im Schnitt acht Monate auf passende Auszubildende. Gesellen- und Meisterstellen sind im Schnitt sogar zehn Monate unbesetzt", berichtet Peter Friedrich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Region Stuttgart. Um Fachkräfte anzulocken, würden daher die Betriebe öfter auf eine hohe Vergütung setzen.

Entscheidend sei für die Unternehmen bei den Gehältern vor allem die Qualifikation, Erfahrung und der Einsatz der Mitarbeitenden, erklärt Handwerkspräsident Rainer Reichhold: "Im Handwerk gilt: Wer mehr kann, verdient mehr. Die Betriebe zahlen überdurchschnittlich, wenn Fachwissen, Führungsverantwortung oder besondere Leistungsbereitschaft im Vergleich zu den Kolleginnen und Kollegen vorliegen." Dabei spiele es keine Rolle, ob ein Unternehmen auf dem Land oder in der Stadt sei. "Die Studie zeigt, dass es hier keine Unterschiede gibt: Im Handwerk wird über die Regionen hinweg gleich gut bezahlt", fasst Reichhold zusammen.

Chancen für Betriebe: Potenziale nutzen und besser kommunizieren

Die Studie zeigt auch: Viele Betriebe bieten gute Gehälter und Zusatzleistungen – kommunizieren das aber nicht ausreichend. Entsprechend groß ist das Potenzial, Auszubildende und Fachkräfte zu gewinnen. Denn: Wer gute Bezahlung und Entwicklungschancen sichtbar macht, gewinnt leichter Fachkräfte. Schließlich wissen die Betriebe, dass die Vergütung – nach Betriebsklima und persönlichem Kontakt – der drittwichtigste Faktor für die Mitarbeiterbindung im Handwerk sei. "Dieses Potenzial der Mitarbeitergewinnung bleibt leider oft ungenutzt. Dabei ist eins klar: Gute Bezahlung zieht Fachkräfte an und da brauchen wir uns im Handwerk nicht zu verstecken", betont Kammerchef Peter Friedrich.

Viele Betriebe bieten bereits Extras wie kostenlose Arbeitskleidung. "Hier haben Betriebe noch mehr Möglichkeiten: Von Zusatzversicherungen oder dem 13. Monatsgehalt bis hin zur Beteiligung bei Kinderbetreuungskosten oder der Übernahme der Weiterbildungskosten", erklärt Friedrich und verweist auf das Beratungsangebot der Handwerkskammer, die Betriebe bei der Einführung monetärer Anreize gerne unterstütze. Viel wichtiger seien für Beschäftigte aber vor allem ausreichend Freizeit, flexible Arbeitszeiten und komprimierte Wochenarbeitszeitmodelle. Friedrich ist überzeugt: "Wenn ein Betrieb das bieten kann, ist es wichtig, diese Vorteile auch bei den Stellenausschreibungen mit anzugeben." Dies könnten entscheidende Pluspunkte im Kampf um Fachkräfte sein. ewö