Außenwirtschaft Dänemark: Arbeiten, wo das Glück wohnt

Schweden und Dänen gehören zu den glücklichsten Menschen der Welt. Die Wirtschaft wächst, Jobs entstehen, der Lebensstandard ist hoch. Auch deutschen Handwerksbetrieben bietet Skandinavien Marktchancen.

Dänemark hat nicht nur touristische Highlights zu bieten. Der Arbeitsmarkt gilt als attraktiv, das Arbeiten als angenehm und die Wirtschaft wächst. - © Daniela Lorenz

Warum nicht dort arbeiten, wo die glücklichsten Menschen leben? Dänemark und Schweden stehen im World Happiness Report 2025 mit Platz 2 und 4 ganz oben im Ranking. Deutschland belegt nur Platz 22, am glücklichsten sind die Finnen.

Es lohnt sich also, einen Blick nach Skandinavien zu werfen. Denn das Ergebnis kommt nicht von ungefähr. In die Glücksformel hinein spielen Faktoren wie gesellschaftliche Werte und Wirtschaftskraft. Eine Handwerksdelegation aus Baden-Württemberg machte sich nun selbst ein Bild und informierte sich über Marktchancen für deutsche Handwerksunternehmen in Dänemark und Schweden.

"Für die Unternehmen gibt es hier gute Geschäftsmöglichkeiten", so das Fazit von Michael Rössler, stellvertretender Leiter von Handwerk International Baden-Württemberg, "es ist ein Markt, dem Qualität wichtig ist. Wo aber auch die Bereitschaft da ist, für Qualität gutes Geld zu zahlen."

Am Beispiel Dänemarks bedeutet das: Während in Deutschland im vergangenen Jahr die Wirtschaft schrumpfte (-0,2 Prozent), verzeichnete Dänemark ein Wachstum von 3 Prozent. Das soll zu einem großem Teil der Pharmaindustrie zu verdanken sein – wie Novo Nordisk, dem Hersteller der "Abnehmspritze" Ozempic. Die Prog­nosen für 2025 und 2026 liegen laut dänischer Handelskammer bei 1,5 bis 2 Prozent.

Viele interessante Tätigkeitsfelder für Handwerker

Insbesondere das Auftragsvolumen bei Straßen und Infrastruktur, aber auch Sanierung und grüner Transformation sei in Dänemark hoch. Für spezialisierte deutsche Handwerksunternehmen gebe es demnach viele interessante Tätigkeitsfelder, so Michael Rössler. Ähnliches gilt für Schweden. Hinzu kommt, dass Dänemark unter einem Fachkräftemangel leidet. Der Bedarf wird aktuell schon zu 14 Prozent mit ausländischen Arbeitskräften gedeckt und das Ren­teneintrittsalter auf 70 Jahre erhöht.

Davon abgesehen gilt Dänemark als attraktiver Arbeitsmarkt. Immer wieder und von verschiedenen Seiten ist während der Reise zu hören, dass Menschen hier gerne arbeiten, weil das Miteinander ruhig und entspannt ist. Es wird Wert auf pünktlichen Feierabend gelegt – auch auf Baustellen. Freitags ab 14 Uhr erreiche man niemanden mehr. Dafür seien Dänen effizient und pragmatisch. Die Hierarchien sind flach. Es werde offen diskutiert, jeder dürfe seine Meinung sagen. Wenn es sie betrifft, würden Mitarbeiter in Entscheidungen einbezogen. Der gesellschaftliche Grundwert der Gleichheit wird gelebt. Es gilt gleicher Lohn für gleiche Arbeit.

Trotz der guten Marktchancen: Die bürokratischen Anforderungen der dänischen und schwedischen Behörden an ausländische Betriebe, die im Land arbeiten wollen, sind ebenfalls hoch. "Der Markt ist es aber wert, sich mit den vielfältigen und intransparenten Regeln auseinanderzusetzen", sagt Peter Friedrich, Leiter von Handwerk International Baden-Württemberg. Daher sei es wichtig, dass sich Handwerker frühzeitig beraten lassen.

Im Idealfall bereits bevor ein konkreter Auftrag aus Skandinavien auf dem Tisch liegt. "Das meiste lässt sich mit guter Vorbereitung lösen, wenn die Betriebe dann auch wissen, welche Zusatzkosten, welcher Aufwand und welche Risiken auf sie zukommen", sagt Michael Rössler. Dem stimmt Sybille Kujath, Außenwirtschaftsberaterin der Handwerkskammer Lübeck zu. Auch sie rät: "Unternehmer sollten sich vor jeder Auftragsannahme bei ihrer Handwerkskammer melden."

Gewerkschaften in Dänemark traditionell stark

Mit deren Unterstützung erhielten sie alle für ihre Kalkulation und Angebotsabgabe relevanten Daten. Denn allein die hohen dänischen Tariflöhne (zum Beispiel 44,30 Euro für Elektriker oder 46,24 Euro für SHK-Handwerker) und dass deutsche Lohnnebenkosten nicht anerkannt werden, müsse bei der Auftragskalkulation berücksichtigt werden. Traditionell sind die Gewerkschaften in Dänemark mächtig. Arbeitsbedingungen werden hauptsächlich über Tarifverträge geregelt.

Aber auch Anforderungen bei der Entsendung können leicht übersehen werden. So gilt in Dänemark das A1-Entsendeverfahren nicht für Arbeitnehmer aus einem Drittstaat. Zwar soll ab 2026 in der EU das Meldeportal "eDeclaration" für weniger Verwaltungsaufwand bei der Entsendung sorgen, doch daran werden Dänemark und Schweden nicht teilnehmen. Genau das wäre jedoch wünschenswert, denn "es würde den Marktzugang für Handwerksbetriebe aus Deutschland erleichtern", so Peter Friedrich.

Schwedische Besonderheit: der Bauausweis

In Schweden gibt es noch eine weitere besondere Anforderung: einen Bauausweis, der aufwändig und teuer beantragt werden muss. "Obwohl Schweden aufgrund des Bauausweises das anspruchsvollste Land innerhalb Europas ist, sind die Beratungen für den schwedischen Markt jedoch gestiegen", sagt Sybille Kujath.

Die Hürden sind also überwindbar und so sehen es auch Unternehmer, die an der Delegationsreise teilnehmen. "Durch die Kontakte und die Unterstützung der Außenhandelskammer und Handwerk International können Betriebe diese Anforderungen, denke ich, gut meistern", so die Einschätzung von Jochen App, Technischer Leiter der Dalheimer GmbH. Und dann können Handwerker das erleben, was überall gelobt wird: Wie angenehm und entspannt das Arbeiten in Skandinavien ist – glücklich eben.

Kontakte und Ansprechpartner für Handwerker zum Thema Außenwirtschaftsberatung

Teilnehmer der Delegationsreise: So interessant ist der Markt in Dänemark und Schweden für uns


Uwe Kraft, Geschäftsführer der Uwe Kraft Reitsportgeräte & Metallbau GmbH in Frankenhardt-Honhardt
Wir sind mit unserem Unternehmen schon auf der ganzen Welt präsent, natürlich sind auch der dänische und der schwedische Markt für uns interessant. Schweden ist im Springreiten an der Weltspitze und Dänemark in der Dressur. Die Hürden, um unsere Führanlagen dort vor Ort zu montieren, sind hoch wegen des Entsendegesetzes und weil die Umsatzsteuer bei Lieferungen und Montageleistungen an Privatkunden in den Ländern direkt abgeführt werden muss mit einer Registrierung sowie Steuererklärung. Denn wir fertigen unsere Führanlagen zwar in Deutschland, montiert werden sie aber natürlich vor Ort. Eine Lösung könnte sein, dass vielleicht der Kunde selbst die Montage bei sich organisiert.


Angelika Söndgen, Geschäftsführerin der IBT Deutschland GmbH in Baienfurth
Wir bieten Spezialbaustoffe für historische Gebäude und alle Gebäude, die mit Feuchtigkeit hauptsächlich im erdberührten Bereich zu kämpfen haben. Von daher war uns schon immer klar, dass Dänemark und Schweden ein interessanter Markt für uns ist. Dieses Problem des Kapillar­einstiegs haben alle Gebäude weltweit, die vor 1970 gebaut wurden. Und solche erhaltenswerten Gebäude - wie zum Beispiel Schlösser - gibt es in Dänemark und Schweden in Hülle und Fülle. Da wir unser Produkt an Baustoffhändler verkaufen, berühren uns die Anforderungen, um in Dänemark oder Schweden arbeiten zu können, nicht.


Martin Wolf, Vorstand der Wolf Maschinenbau AG in Brackenheim
Ich habe durch die Reise die Länder und die Mentalität der Menschen ein bisschen besser kennengelernt. Es war gut, um erste Kontakte zu knüpfen. Der Süden Schwedens und Jütland sind für uns interessant. Der Markt ist zwar klein, aber wir werden diese Kontakte zusammen mit Handwerk International Baden-Württemberg und der AHK hier vor Ort gezielt weiter ausbauen und auf die für unser Unternehmen interessanten Kunden und Geschäftspartner zugehen. Mit bürokratischen Hürden beim Zugang zum Markt hätten wir jetzt weniger zu tun, da wir ein Produkt verkaufen und unsere Mitarbeiter nur für Serviceleistungen an unserem Produkt ins Land entsenden würden.


Jochen App, Technischer Leiter der Dalheimer GmbH in Rottenacker

Durch die Gespräche während der Reise hier in Kopenhagen hat sich herausgestellt, dass es für uns in anderen Teilen Dänemarks Potenzial gibt – speziell in Richtung Marinetechnik. Dalheimer ist unter anderem Ausrüster von maritimen Kranen. Der Markt hat seine Tücken, ist aber dem deutschen auch durchaus ähnlich. Dadurch, dass wir ein Produkt nach Dänemark oder Schweden verkaufen würden, gibt es für uns keine Zugangshürden, da wir nicht hier vor Ort arbeiten oder produzieren würden.


Karl Früh, Geschäftsführer der Karl Früh Bauunternehmung in Achern-Wagshurst

Als Unternehmer von der deutsch-französischen Grenze fällt mir auf, dass es für Betriebe einfacher ist, in Dänemark zu arbeiten als in Frankreich. Denn seit der Präsidentschaft von Francois Hollande von 2012 bis 2017 sind sehr hohe Hürden aufgebaut worden. So hat er den französischen Markt vom deutschen Handwerk abgeschottet, wir arbeiten dort auch nicht mehr. Das dänische Handwerk hingegen floriert und es gibt viele interessante Sanierungsprojekte, die mich als Handwerker auch reizen würden. Grund für die Reise war für mich jedoch in erster Linie der Erfahrungsaustausch, denn als Bauunternehmer aus Süddeutschland ist es für mich nicht attraktiv, Aufträge in Dänemark oder Schweden anzunehmen.


Michael Kögel, Geschäftsführer der Krämer Bau GmbH & Co. KG in Winnenden

Unser Bauunternehmen ist ausschließlich regional aufgestellt, daher ist der Markt in Dänemark und Schweden für uns nicht interessant. Interessant ist für mich, wie hier gebaut wird, wie bestimmte Aufgaben angegangen, umgesetzt und gelöst werden. Allerdings haben mich
die nachhaltigen Lösungen nicht überzeugt. So arbeiten wir in Deutschland schon seit Jahren. Dänemark und Schweden könnte auch ein Absatzmarkt für ein neues Produkt werden, das wir gerade entwickeln: mit Stroh gefüllte Holzwände in Hybridbauweise aus serieller
Fertigung.