Reichweite zu gering, Anschaffungspreis zu hoch und dann sind die doch gar nicht umweltfreundlich: Gegenüber Elektroautos sind noch immer Vorurteile verbreitet, die das Image beeinflussen. Wissenschaftler haben nun dargelegt, was davon wirklich stimmt. Doch wie zeigt sich das in der Kfz-Branche? Was hat Einfluss auf der Fahrzeugverkauf? Und was kann den E-Automarkt wirklich voranbringen?

Vor etwa einem Jahr ging der deutliche Abwärtstrend los und die Zahlen der Neuzulassungen der reinen Elektro-Pkw gingen nach unten. Stück für Stück erholen sie sich zwar wieder und aktuell erkennt man eine Aufwärtskurve in der Entwicklung. Dennoch haben E-Autos auch 2025 noch mit ihrem Image zu kämpfen. Und so hat sich auch bis heute der große Boom nicht eingestellt, der einst politisch verkündet wurde.
E-Auto-Mythen: So ist die aktuelle Lage wirklich
Die jüngste Zurückhaltung lag vermutlich an der allgemeinen Preissteigerung, die nicht nur im eher hochpreisigen Anschaffungssegment für eine Konsumzurückhaltung sorgte. Aber nicht nur der Preis von Elektroautos ist es, der ihr Image prägt. Wie das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI) in Karlsruhe anhand einer neuen Überblicksstudie belegt, spielen dabei noch weitere Faktoren eine große Rolle. Faktoren, die sich vielfach mittlerweile widerlegen und relativieren lassen (siehe Zusammenstellung im blauen Kasten).
Einfluss auf den Markt der Elektroautos und damit dessen Vorankommen und das Image haben allerdings auch diejenigen, die die Fahrzeuge verkaufen, warten und reparieren. So hat sich auch der Zentralverband Deutsches Kfz-Gewerbe (ZDK) mit der Studie befasst und bestätigt die Ergebnisse durch die Berichte aus der Branche. "Es ist wichtig, dass wir weiterhin auch daran arbeiten, den Markt der Elektrofahrzeuge nicht nur technisch voranzubringen, sondern auch die Vorurteile abzubauen", sagt Marcus Weller vom ZDK. Der Koordinator für das Thema E-Mobilität des Verbands beobachtet, dass es aber noch weitere Stellschrauben gibt, die man beachten müsse, wenn man hierbei einen wirklich nachhaltigen Anstoß geben wolle.
Elektroautos und ihr Image: Aufklärung hilft mehr als staatliche Förderung
So bewertet er den immer noch höheren Anschaffungspreis als wichtige Hürde für die meisten – auch wenn sich ein E-Auto langfristig auszahle. Statt nun über neue staatliche Förderungen zu diskutieren, sollte man aus Sicht des ZDK aber besser aufklären über die Kosten und darüber informieren, wie die Entwicklung – vor allem bei der Lade-Infrastruktur – dafür sorgt, dass man insgesamt Kosten spart. "Ausgebaut ist das öffentliche Netz mittlerweile ganz gut und hier geht es voran. Was jetzt wichtig ist, sind Modelle von Stromanbieter, so dass man auch unterwegs kostengünstiger Strom-tanken kann", sagt Marcus Weller und berichtet, dass man bisher in fremden Netzen manchmal das Doppelte zahlt, wie etwa an der heimischen Wallbox. Gearbeitet werde deshalb aktuell bei den Stromanbietern am sogenannten Durchleitungsmodell, das dafür sorgt, dass man die vertraglich vereinbarten Kosten des heimischen Anbieters auch unterwegs mitnehmen kann.
Dies zu fördern, empfindet der Experte als wichtig. "Den Umweltbonus haben die Hersteller meiner Meinung nach oft eingepreist und damit waren die Marktpreise nicht real", erklärt Weller mit kritischem Blick auf die Preispolitik. Das sei ein Grund – neben den sinkenden Kosten bei den Batterien – warum derzeit die Preise vergleichsweise etwas niedriger sind als noch zu Zeiten der Förderung. Staatliche Boni würden außerdem zu einem Wertverlust bei den Gebrauchtwagen führen. Den Gebrauchtwagenmarkt wiederum dürfe man – auch aus Nachhaltigkeitsgründen – nicht aus dem Blick verlieren.
Elektroautos für den Handwerksbetrieb: Gesamtkonzepte fürs Stromtanken notwendig
Neben dem reinen Neuwagenpreis ist vor allem entscheidend, wo die Hersteller ihre Preisanreize setzen – also welche Modelle durch Rabatte, Boni oder günstige Leasingkonditionen besonders gefördert werden. Aufgrund der CO₂-Flottengrenzwerte, die die Hersteller einhalten müssen, richten viele von ihnen ihr Augenmerk verstärkt auf den Absatz von Elektrofahrzeugen – etwa durch zusätzliche Kaufanreize oder attraktive Leasingraten. "Hier gilt es, den Markt aufmerksam zu beobachten und gezielt nach interessanten Angeboten Ausschau zu halten", rät Marcus Weller.
Des Weiteren führt er aus, dass die Verkäufer wiederum vor allem auf die genannte Aufklärung setzen – und dabei helfen Studie wie die des ISI – und verstärkt Probefahrten mit Elektrofahrzeugen anbieten sollten. "Die Vorurteile legt man am schnellsten ab, wenn man eigene Erfahrungen macht. Kaum einer, der sich durchringt, doch mal in ein E-Auto zu steigen und es für eine längere Zeit zu testen, gibt es zurück und fühlt sich in den Vorurteilen bestätigt", sagt der ZDK-Mitarbeiter.
Beachten müsse man beim Kauf aber natürlich den individuellen Bedarf: Wie oft fahre ich? Wie lang sind die Strecken? Wo kann ich das Auto, wann und zu welchem Preis laden? Nur dann könne man den eigenen Vorteil wirklich berechnen. Aus Sicht von Marcus Weller eignen sich Elektrofahrzeuge für mittelständische Handwerksbetriebe, die regional arbeiten und bestenfalls noch ein Firmengebäude mit eigener PV-Anlage und der Möglichkeit hätten, Ladestationen zu installieren, besonders gut und das auch heute schon. Derartige Gesamtkonzepte im Aufbau zu fördern, würde der Experte dagegen für einen sinnvollen staatlichen Ansatz halten.
Elektroautos: Diese Faktoren beeinflussen das Image
Sind E-Autos wirklich umweltfreundlich? Sind die Batterien nicht schnell kaputt und vor allem brandgefährlich? Und zahlt man als Autofahrer nicht ordentlich drauf, wenn man sich ein Elektroauto anschafft? Eine aktuelle Übersicht des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI) zeigt, was heute noch dran ist an den Vorurteilen und dass sich der Markt stark verändert hat.
So lässt sich die aktuell in der Gesellschaft noch immer verbreitete Skepsis gegen das Elektroauto aus Sicht der Wissenschaft nicht nachvollziehen. Mehr als 70 Studien und andere wissenschaftliche Quellen haben die Autoren der Überblicksstudie ausgewertet, um aus wissenschaftlicher Perspektive den Sachstand zusammenzufassen. Es ist die Neuauflage eines ähnlichen Überblicks aus dem Jahr 2020. Seither hat sich viel getan.
Klimabilanz und Treibhausgasemissionen
Bei einer ganzheitlichen Betrachtung von der Herstellung bis zur Entsorgung attestieren die Forscher einem heute in Deutschland gekauften Mittelklasse-Stromer bei durchschnittlicher Fahrleistung rund 40 bis 50 Prozent weniger Treibhausgas-Ausstoß als einem vergleichbaren Verbrenner. In der Herstellung kommen die Stromer demnach zwar je nach Energiequelle, Energieeffizienz der Produktion und der Batteriegröße auf Treibhausgasemissionen, die um 60 bis 130 Prozent höher sind als bei Verbrennern. Beim Fahren ist der CO2-Ausstoß dann aber deutlich geringer. Geht man vom deutschen Strommix und einem Anhalten der Energiewende aus, kommt man auf lange Sicht zum oben genannten Vorteil.
Allerdings verschweigen die Forscher auch nicht, dass es Ausnahmen gibt: "Wird ein schweres, wenig effizientes E-Fahrzeug mit großer Batteriekapazität und geringer jährlicher Fahrleistung bilanziert, welches generell nur mit dem derzeitigen deutschen Strommix lädt, so ist die Treibhausgasbilanz kaum besser gegenüber einem entsprechenden konventionellen Fahrzeug", teilen sie in der Studie mit. Allerdings stellt sich die Frage, wie häufig das Beispiel eines großen Autos mit großer Batterie und geringer Fahrleistung in der Realität ist.
Und mit einem Voranschreiten der Energiewende und damit grünerem Strom werde der Vorteil der Stromer größer, heißt es. Ebenso dann, wenn schon jetzt vor allem mit erneuerbarem Strom geladen werde - durch gesteuertes Laden zum richtigen Zeitpunkt oder bei den derzeit knapp 50-Prozent der E-Fahrzeugnutzer, die eine eigene Photovoltaik-Anlage haben.
Wirtschaftliche Bilanz der Elektroautos – eine ganzheitliche Betrachtung und das Image
Schon heute kann ein Elektroauto günstiger sein als ein Verbrenner. Voraussetzung ist allerdings, dass man auf die kompletten Kosten schaut und nicht nur auf den in der Regel höheren Anschaffungspreis. Die Studie geht in ihrer Bewertung von Neuwagen aus. Mit billigeren Gebrauchtwagen könnte das Urteil also noch deutlicher zugunsten des Elektroautos ausfallen.
Insgesamt kommt es aber auf verschiedene Faktoren an, unter anderem darauf, wo und wie man lädt. Habe man zu Hause oder am Arbeitsplatz eine Lademöglichkeit, "dann können E-Fahrzeuge bereits nach drei Jahren Haltedauer wirtschaftlicher sein als vergleichbare Verbrenner", heißt es in der Studie. Insgesamt spricht sie von schon heute ähnlichen Kilometerkosten bei durchschnittlichen Fahrleistungen in der Mittelklasse. "Die derzeit noch höheren Anschaffungskosten werden durch die geringeren laufenden Kosten
ausgeglichen." Die beziehen sich dabei nicht nur auf die billigere Energie, sondern auch auf niedrigere Instandhaltungskosten.
Und auch hier kann es noch besser werden: Einerseits gehen die Forscher von sinkenden Preisen für die Elektroautos und besseren und günstigeren Batterien aus. Andererseits bringt bidirektionales Laden nicht nur etwas für die Umwelt, sondern auch für den Geldbeutel. Die Möglichkeit, dass das Auto Energie aufnimmt und später wieder ins eigene Haus oder sogar ins Netz abgibt, könne ein starker weiterer Schub für die Wirtschaftlichkeit sein. Sorgen, dass die Batterien des Autos dadurch schneller kaputtgehen könnten, halten die Forscher für unberechtigt. Noch gebe es allerdings wenige Autos, mit denen bidirektionales Laden möglich sei.
Was schon jetzt funktioniert ist gesteuertes Laden am Smart Meter. Auch das verbessert Umweltfreundlichkeit und Wirtschaftlichkeit. Denn der Strom ist meistens dann am billigsten, wenn er auch am umweltfreundlichsten ist – und die Preisunterschiede sind teilweise enorm.
Brandgefahr der E-Autos
Auch dieses Thema kommt im Zusammenhang mit Elektroautos immer wieder hoch. Das Urteil der Forscher ist aber klar: "Vergleicht man die Häufigkeit von Bränden von Elektro-Pkw mit den von konventionellen Pkw ist nach heutigem Stand nicht von einer höheren Brandgefahr auszugehen", schreiben sie. "Es gibt sogar eine Reihe an aktuellen Studien, die bei reinen Batteriefahrzeugen von einer deutlich geringeren Brandgefahr ausgehen." Allerdings sei die Datenlage hier noch eher dünn.
Noch weitere Umweltbelastungen?
Hier schneiden die Elektroautos teils etwas schlechter ab. In einigen Bereichen liegen sie dabei hinter Verbrennern. Eines davon ist Feinstaub. Das mag auf den ersten Blick überraschen, bringt man damit doch vor allem ältere Diesel in Verbindung, doch inzwischen ist hier bei Neuwagen nicht mehr der Motor, sondern der Reifenabrieb die entscheidende Größe. Und dabei ist das höhere Gewicht der Stromer ein Nachteil. Allerdings gebe es Entwicklungen in der Reifentechnologie, die hier helfen könnten, schreiben die Autoren.
Ihr Fazit lautet: "Es gibt umweltfreundlichere Arten, sich fortzubewegen als ein Elektroauto. Aber ein Elektroauto ist immer noch klar umweltfreundlicher als ein vergleichbarer Verbrenner." dpa