Baden-Württemberg Wohnraum für Azubis fehlt: Wirtschaft fordert Nachbesserung

Wirtschaftsverbände in Baden-Württemberg warnen: Das Geld aus dem Landesprogramm "Junges Wohnen" reicht nicht, um den Wohnraummangel für junge Fachkräfte zu beheben.

In Metropolen wie Stuttgart haben es Auszubildende schwer, eine bezahlbare Wohnung zu finden. - © André Franke - stock.adobe.com

Das Landesprogramm "Junges Wohnen" des Ministeriums für Landesentwicklung und Wohnen Baden-Württemberg stellt über 65 Millionen Euro bereit. Ziel ist, bezahlbaren Wohnraum für Studierende und Auszubildende zu schaffen – unter anderem durch Neubau und Modernisierung von Wohnheimen.

Handwerk BW, die Industrie- und Handelskammern (IHKs) sowie die Unternehmer Baden-Württemberg (UBW) begrüßen das Programm als ein wichtiges Zeichen. Junge Menschen brauchen sichere und bezahlbare Wohnungen, um ihre Ausbildung überhaupt beginnen oder fortsetzen zu können, erklären die Wirtschaftspartner. Sie seien froh über die mehr als 800 Plätze, die nun neu entstehen sollen.

Bedarf ist nicht gedeckt

Gleichzeitig betonen die Verbände: Der Bedarf ist damit längst nicht gedeckt. Rainer Reichhold, Präsident von Handwerk BW, mahnt: Betriebe berichten immer öfter, dass Bewerber eine Ausbildung nicht antreten können, weil die Wohnsituation am Ausbildungsort ungeklärt ist. Das gelte besonders während der Blockbeschulung oder überbetrieblichen Ausbildung. Das Land könne sich das beim aktuellen Fachkräftemangel nicht leisten.

Andrea Bosch, stellvertretende Hauptgeschäftsführerin der IHK Region Stuttgart und zuständig für Ausbildung bei den IHKs in Baden-Württemberg, stimmt dem zu. Man brauche dringend passende und bezahlbare Wohnraumlösungen für junge Auszubildende. Nur so bleibe die Wirtschaftsregion attraktiv für Fachkräftenachwuchs. Bosch appelliert an das Land, gemeinsam an praxistauglichen Konzepten zu arbeiten. Eine IHK-Umfrage zeigt: Ein Fünftel der Unternehmen im Land sieht fehlenden geeigneten Wohnraum als Stolperstein bei der Azubi-Gewinnung.

Mehr Flexibilität gefordert

Ein weiteres Anliegen der Wirtschaft ist die Flexibilisierung der Förderbedingungen. Stefan Küpper, Mitglied der Hauptgeschäftsführung bei UBW, betont, dass die Blockbeschulung in der Ausbildung zunehme. Fehlt geeigneter Wohnraum, seien junge Menschen auf lange Fahrtzeiten angewiesen – oft ohne ausreichenden öffentlichen Nahverkehr. Das hindere sie daran, sich auf die Ausbildung zu konzentrieren.

Kritik üben die Wirtschaftspartner an möglichen Umschichtungen von Fördermitteln zugunsten des studentischen Wohnens. Im Azubi-Bereich fehlten Strukturen wie bei den Studierendenwerken, die Fördermittel schnell abrufen könnten. Das dürfe aber nicht dazu führen, dass Auszubildende benachteiligt werden, so die Verbände. fre