Jeder fünfte Betrieb meldet eine schlechte Geschäftslage. Dennoch gibt es auch Hoffnungsschimmer. Die aktuelle DHZ-Analyse zeigt, wie sich die verschiedenen Handwerksbranchen entwickeln und welche Chancen sich für 2025 abzeichnen.

Unternehmen investieren nicht, Verbraucher halten ihr Geld zusammen, der Arbeitsmarkt sendet Warnrufe – die deutsche Wirtschaft steckt in einer tiefen Krise. Zur Zustandsbeschreibung gehört, dass das Bruttoinlandsprodukt preisbereinigt auf dem Stand von 2019 verharrt. Neben fehlenden Konjunkturimpulsen sind es hartnäckige Strukturprobleme, die den Aufschwung verhindern.
Die Industrie, die mit ihrer Exportstärke jedes Jahr für Handelsüberschüsse im dreistelligen Milliardenbereich sorgt, ist in stürmisches Fahrwasser geraten. Daran sind aber nicht nur die protektionistischen Einschränkungen des freien Welthandels schuld. Die Wettbewerbsnachteile, die Deutschland im Energiesektor, bei Steuern und Regulierung mit sich herumschleppt, sind auf internationaler Bühne gravierend.
Trübe Stimmung im Handwerk
Das Handwerk blickt auf diese Gemengelage mit besorgter Miene. Vor allem die Bereiche, die mit dem Wohnungsbau und der Industriekonjunktur eng verknüpft sind, erlitten zuletzt kräftige Umsatzverluste. In den von der Deutschen Handwerks Zeitung (DHZ) untersuchten Umfragen, die im März 2025 und damit noch vor der Einigung auf einen schwarz-roten Koalitionsvertrag gestartet waren, gaben 21 Prozent der Betriebe an, ihre Geschäftslage sei schlecht. 35 Prozent beurteilten sie mit gut, 44 Prozent mit befriedigend. Daraus resultierte ein Indexwert von 113 Punkten. Nur im Frühjahr 2020, während der Pandemie, lieferten die Betriebe eine schlechtere Bewertung ab.
Auch mit der Auftragslage sind viele Teilnehmer unzufrieden. 31 Prozent halten ihren Auftragsbestand gemessen an der Jahreszeit für zu niedrig. Seine Reichweite betrug zum Ende des Winters 2,3 Monate.

Probleme gibt es darüber hinaus mit der Auslastung der Kapazitäten, die binnen Jahresfrist um drei Punkte auf 76 Prozent zurückging. Dabei trägt die sinkende Beschäftigung sogar zur Stabilisierung der Auslastung bei: Im Winter 2025 verlor jeder fünfte Betrieb einen Teil der Belegschaft. Nur acht Prozent gewannen Personal hinzu. Für 2024 hatte das Bundesamt für Statistik einen Rückgang der Beschäftigung um 1,4 Prozent gegenüber 2023 vermeldet. Das war der vierte Rückgang in Folge. Die Personalentwicklung wird für die Firmenchefs immer mehr zum Balanceakt zwischen dem Ersatz der in Rente gehenden Boomer und Strukturanpassungen an eine langfristig verminderte Personalstärke.
Im Gefolge der sinkenden Auslastung müssen die Betriebe auch auf Einnahmen verzichten. 39 von 100 Teilnehmern klagten über schrumpfende Umsätze. Von Januar bis Dezember 2024 waren die nominalen Umsätze der zulassungspflichtigen Handwerke um 1,4 Prozent hinter das Vorjahr zurückgefallen.
Branchentrends
Nach Einschätzung von 35 Prozent der Betriebe des Bauhauptgewerbes sind die Auftragsbestände für die Jahreszeit zu niedrig. Nur 18 Prozent erwarten im Frühjahr einen Schub bei der Nachfrage. Ob 2025 dennoch das Jahr der Trendwende wird, hängt ganz entscheidend von der Entwicklung im Wohnungsbau ab. Nur mit Zinsverbilligung-Programmen des Staates und deutlich weniger Baubürokratie könne gegengesteuert werden, sagen Experten. Ohne entschlossenes Handeln wird die Zahl der fertiggestellten Wohnungen in Deutschland laut einer Studie von "Euroconstruct" noch bis 2027 abnehmen – eine Folge der seit Jahren sinkenden Genehmigungszahlen.
Um über acht Prozent sank die Produktion der heimischen Maschinenbauer laut Statistischem Bundesamt im letzten Jahr. Zur Begründung verweist der Fachverband unter anderem auf den schwachen Export. Die internationale Konkurrenz ist wettbewerbsfähiger. Für die handwerklichen Zulieferer geht es im Gleichschritt mit den Auftraggebern auf Schrumpfkurs. 2024 ließen die Umsätze bei den Feinwerkmechanikern um sechs Prozent nach.
Das Kfz-Gewerbe kämpft mit schwachen Verkaufszahlen bei neuen Fahrzeugen. Während der Gebrauchtwagenhandel und das Werkstattgeschäft im Zuge der ständig wachsenden und alternden Fahrzeugflotte im Aufwind lagen, registrierten die Statistiker im ersten Jahresviertel 2025 ein Minus von 4,3 Prozent bei den Neuzulassungen gegenüber 2024. Allerdings zeichnet sich bei E-Autos und Hybriden eine Trendwende ab. Offenbar zeigt die Vertriebsoffensive der Hersteller Wirkung.
Im Friseurgewerbe werden die Klagen über wachsende Schwarzarbeit immer lauter. Rund 20 Prozent der Umsätze gehen nach Schätzungen des Fachverbandes am Fiskus vorbei. Hinzu kommt die Konkurrenz durch die vielen Kleinstunternehmen, die keine Mehrwertsteuer abführen müssen. Viele Sorgen gelten darüber hinaus dem wachsenden Lohndruck.
Die Daten der DHZ lassen im Nahrungsmittelhandwerk den typischen Abschwung in der Zeit nach Weihnachten erkennen. 37 Prozent der Bäcker, Fleischer und Konditoren verzeichneten im Winter 2025 rückläufige Umsätze, nur 16 Prozent legten zu.
Ausblick
Das Handwerk setzt nach den Bundestagswahlen auf das Prinzip Hoffnung. Zwar ist noch nicht ganz klar, inwieweit die neue Regierung den Wunschzettel der Betriebe abarbeiten wird. Darauf stehen unter anderem spürbarer Bürokratieabbau, bessere Fachkräfteversorgung, mehr Fokussierung auf die berufliche Bildung, generell mehr Verlässlichkeit in der Politik, ein stabiler Energiepreis.
Auf der anderen Seite könnten die kreditfinanzierten Investitionsprogramme den am Infrastrukturausbau beteiligten Unternehmen nicht nur Aufträge, sondern endlich die ersehnte Planungssicherheit bieten. Erst dann wird in den Aufwuchs der Kapazitäten investiert. Allerdings wird es noch geraume Zeit dauern, ehe das Geld positive Wachstumseffekte zeigt. Für die nahe Zukunft, das 2. Quartal 2025, rechnen 66 von 100 Betrieben mit einer stagnierenden Geschäftsentwicklung. 15 Prozent sagen eine Verbesserung voraus, 19 Prozent geraten hingegen tiefer in den Abwärtsstrudel hinein. Damit ist die Stimmung am Ende des Winters nicht gerade euphorisch; sie ist aber spürbar besser als vor einem Jahr.
Die Bestellungen wecken keine großen Erwartungen. 18 Prozent der befragten Handwerker prognostizieren ein Plus im Frühling. Zu berücksichtigen ist, dass die Befragungen vor der Verkündung der massiven Zollaufschläge durch die amerikanische Regierung stattfanden. Auch wenn das Handwerk stärker am Binnenmarkt orientiert ist, würde es diese über Lieferverflechtungen zu spüren bekommen.
