Einschätzung der Verbände Insolvenzen: So ist die Lage in Ihrer Handwerksbranche

Immer mehr Unternehmen im Handwerk und in der Gesamtwirtschaft gehen in die Insolvenz. Seit 2022 steigen die Zahlen wieder. Dabei ist die aktuelle Lage in einzelnen Gewerken durchaus unterschiedlich. Wie Branchenverbände die Situation beurteilen.

Laut Insolvenzstatistik der Wirtschaftsauskunftei Creditreform wies das Metallhandwerk und das Handwerk für den gewerblichen Bedarf den prozentual höchsten Anstieg bei Unternehmensinsolvenzen auf (plus 38,9 Prozent). - © www.amh-online.de/Sascha Schneider

Bundesverband Metall

Das Metallhandwerk bleibt von den aktuellen wirtschaftlichen Herausforderungen nicht unberührt. Unsere Konjunkturumfrage hat ergeben, dass der Auftragsbestand im 1. Quartal 2025 bei rund einem Drittel der Betriebe im Vergleich zum 4. Quartal 2024 gesunken ist. Drei Viertel aller Betriebe schätzen ihre aktuelle Geschäftslage jedoch weiterhin positiv ein. Lediglich zehn Prozent bewerten die Lage als mangelhaft. Nach wie vor ist der Fachkräftebedarf eines der drängendsten Probleme, sodass das Metallhandwerk weit entfernt von Personalabbau ist.

Zentralverband des Deutschen Bau­gewerbes (ZDB)

Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des ZDB sagt: Das Statistische Bundesamt verzeichnet für das Bauhauptgewerbe im Jahr 2024 insgesamt 1.610 Insolvenzen, was einen Anstieg von 14 Prozent im Vergleich zum Vorjahr bedeutet. Bereits 2023 war ein Zuwachs von über 26 Prozent zu verzeichnen. Damit markiert 2024 das dritte Jahr in Folge mit steigenden Insolvenzzahlen, nachdem zuvor zwanzig Jahre lang entweder rückläufige oder stagnierende Werte beobachtet wurden. Dennoch liegen die aktuellen Zahlen weit unter den drastisch hohen Werten zu Beginn des Jahrtausends, als die Insolvenzen in der Bauwirtschaft während des Krisenzyklus von 1995 bis 2005 jährlich bei rund 5.000 lagen. Wir sind auch weit davon entfernt, wieder auf solche Werte zuzulaufen. Die Baubedarfe sind in allen Bereichen vorhanden, beim Wohnungsbau wie bei der Infrastruktur. Entscheidend ist nun, schnell die investiven Rahmenbedingungen am Standort Deutschland zu verbessern. Nur so kann die Bauwirtschaft die dringend benötigten Wohnungen bauen und ihren Beitrag zur Modernisierung der Infrastruktur leisten. Dies würde auch zu einem Rückgang der Insolvenzen führen.

Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH)

Felix Fink, Ökonom beim ZVDH: Die Anzahl und Quote der Insolvenzeröffnungen von Dachdecker-Betrieben sind nach einem historischen Höchststand im Jahr 2004 (426/3,1 Prozent) tendenziell gefallen und haben sich seit 2020 auf sehr niedrigem Niveau stabilisiert. Maßgebliche Faktoren für diese erfreuliche Entwicklung sind die gute betriebswirtschaftliche Lage innerhalb der Branche, die damit verbundene ausreichende Liquidität der Betriebe sowie zeitweilige Aussetzung der Insolvenzantragspflicht während der Corona-Pandemie. Bundesweit wurden für das Jahr 2024 von der Soka-Dach 108 (Vorjahr: 116) Insolvenzeröffnungen gemeldet, was einem Rückgang von knapp sieben Prozent und bei einem Bezug auf alle Betriebe einer gegenüber dem vorangegangenen Jahr leicht gesunkenen Quote von 0,7 Prozent entspricht. Ähnlich niedrige Werte wie die seit dem Jahr 2020 beobachteten wurden zuletzt Anfang bis Mitte der 1990-er Jahre gemeldet. Zu beachten sind die jeweiligen regionalen Unterschiede, bei denen über die Jahre hinweg keine Muster zu erkennen sind. Im historischen Vergleich auffällig niedrige Werte bei der Anzahl verzeichneten 2024 Brandenburg (2), Sachsen (2), Sachsen-Anhalt (2) und Thüringen (0). Wir gehen davon aus, dass das Insolvenzgeschehen im Dachdeckerhandwerk auch in diesem Jahr auf einem niedrigen Stand deutlich unter einem Prozent bleiben wird.

Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH)

Zwischen 2013 und 2021 ging die Zahl der Insolvenzen in den E-Handwerken kontinuierlich zurück – von 295 im Jahr 2013 auf 118 im Jahr 2021. Seit 2022 zeichnet sich allerdings wieder ein Anstieg ab, der sicherlich auch der wirtschaftlichen Entwicklung geschuldet ist. Dies verdeutlichen die Ergebnisse unserer Konjunkturumfragen, die seit 2023 kontinuierliche Rückgänge in Bezug auf die Auftragslage und den Geschäftsklimaindex zeigen. Hinzu kommt, dass die anhaltende Baukrise in der Regel erst mit Verzögerung auf die Ausbaugewerke durchschlägt. Dieser Effekt ist aktuell zu beobachten. Im vergangenen Jahr lag die Zahl der Insolvenzen bei 259. Gemessen an der Zahl von insgesamt 48.000 e-handwerklichen Betrieben liegt der Anteil insolventer Betriebe mit 0,7 Prozent weiter auf einem niedrigen Niveau. Wie sich diese Zahl im Jahr 2025 entwickelt, hängt nach Ansicht des ZVEH wesentlich davon ab, ob es der neuen Bundesregierung gelingt, die Wirtschaft ohne weitere Zeitverluste anzuschieben. Zudem ist es aus Sicht der e-handwerklichen Organisation wichtig, dass sich die schwarz-rote Koalition klar zur Energiewende bekennt, die für die E-Handwerke einen wichtigen Wirtschaftsfaktor darstellt.

Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks

Das Friseurhandwerk spürt die Auswirkungen der schwierigen gesamtwirtschaftlichen Lage deutlich. Viele Betriebe stehen unter erheblichem Druck durch gestiegene Kosten, Kaufzurückhaltung der Kundinnen und Kunden und strukturelle Herausforderungen wie den Fachkräftemangel. Insolvenzen sind dabei nur ein Teil des Bildes – vielfach beobachten wir in unserer Branche sogenannte stille Schließungen, bei denen Betriebe ohne formale Insolvenz aufgeben. Genaue Zahlen liegen uns dazu nicht vor, aber die Tendenz ist spürbar. Wir rechnen damit, dass diese Entwicklung auch in der kommenden Zeit anhalten wird.

Deutscher Fleischer-Verband

Wir stellen nur wenige Insolvenzen im Fleischerhandwerk fest. Hierfür gibt es aus unserer Sicht im Wesentlichen zwei Gründe:

  • Viele Fleischereien sind Einzelunternehmen. Sollten sie in finanzielle Schieflage geraten, decken sie Lücken über das Privatvermögen.
  • Aktuell geht es den Unternehmen des Fleischerhandwerks wirtschaftlich gut. Die Umsätze sind betriebsbezogen gestiegen und die Erträge erfreulich.

Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen entwickeln sich zum Teil nicht positiv. Die Material- und Personalpreise steigen und Personal ist weiterhin knapp. Da die kalkulierten Verkaufspreise nur bedingt an die Kunden weitergegeben werden können, dürften damit die Erträge unter Druck geraten. Wir gehen nicht davon aus, dass die Zahl der Insolvenzen zunimmt. Zwar geraten die Erträge unter Druck, aber das Interesse an handwerklich hergestellten Fleischprodukten ist vorhanden und der Fleischkonsum ist aktuell stabil. Unklarheit besteht, ob es der neuen Regierung gelingen wird, zeit- und arbeitskräfteraubende Bürokratie in nennenswerten Dimensionen abzubauen.

Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks

Friedemann Berg, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands des Deutschen Bäckerhandwerks informiert: Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und die weiterhin hohe Bürokratiebelastung sind eine große Herausforderung für die Betriebe. Zwar sinken Energie- und Rohstoffkosten teilweise wieder, doch aufgrund langjähriger Kontrakte kommen die Preissenkungen nicht überall unmittelbar an. Vor allem die Kostenstrukturen im Blick zu haben, ist immens wichtig für die Bäckereien. Auch der Nachwuchs- und Fachkräftemangel stellt eine große Herausforderung dar. Es ist Aufgabe des Zentralverbandes, sich als Interessenvertretung des Bäckerhandwerks für eine Verbesserung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen stark zu machen. Der Koalitionsvertrag zwischen CDU und SPD stellt die Erfüllung einiger unserer Forderungen in Aussicht. Das begrüßen wir und hoffen, dass die neue Bundesregierung schnell Taten folgen lässt. Wir erwarten einen klaren wirtschaftspolitischen Kurs, der die Situation des mittelständisch geprägten Bäckerhandwerks nachhaltig stärkt. Eine florierende Wirtschaft, weniger Bürokratie und ein unternehmerfreundliches Klima helfen, die Zahl der Betriebsrückgänge (und Insolvenzen) so gering wie möglich zu halten. Sollte die versprochene Wirtschaftswende umgesetzt werden, rechnen wir mit keinem Anstieg der Betriebsaufgaben und Insolvenzen. Allerdings wird der Strukturwandel weiterhin stattfinden.

Zentralverband Deutsches Kfz-Gewerbe (ZDK)

Auf Basis der Creditreform-Statistik ist eine Zunahme der Insolvenzen im Kfz-Handwerk im Jahr 2024 zu verzeichnen. Betrachtet man hingegen die Insolvenzstatistik des Statistischen Bundesamts für das Kfz-Gewerbe, so wird dort für den Bereich „Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen“ bei den eröffneten Insolvenzverfahren ein Rückgang von 13,2 Prozent (vgl. 2024 zu 2023) ausgewiesen. Gründe für Betriebsinsolvenzen sind vielfältig und nicht nur konjunkturabhängig. Insofern ist es schwierig, eine belastbare Prognose für die Entwicklung im laufenden Jahr zu treffen. Generell ist zu konstatieren, dass die im ZDK organisierten rund 36.000 Kfz-Betriebe im Geschäftsfeld Service und Reparatur im Jahr 2024 ein Umsatzwachstum von 7,4 Prozent auf rund 36,3 Milliarden Euro im Vergleich zu 2023 zu verzeichnen hatten. Die Quote der durchschnittlichen Werkstattauslastung lag im Jahresdurchschnitt 2024 bei 87 Prozent und damit stabil auf dem hohen Niveau des Jahres 2023. Zum Vergleich: Der Wert des Vorkrisenjahres 2019 lag bei 83 Prozent und damit um 4 Prozentpunkte niedriger. Im Jahr 2024 ließen die Autofahrer (laut aktuellem DAT-Report 2025) sowohl mehr Wartungen als auch mehr Reparaturen im Vergleich zum Jahr 2023 durchführen. Das liegt auch am weiter gestiegenen Pkw-Durchschnittsalter auf inzwischen 10,6 Jahre im Jahr 2024. Für das laufende Jahr rechnet der ZDK daher mit weiterhin hoher Werkstattauslastung und wachsendem Umsatz im Servicegeschäft.

Bundesverband Farbe Gestaltung Bautenschutz

Mathias Bucksteeg, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Farbe Gestaltung Bautenschutz sagt: Im Maler- und Lackiererhandwerk beobachten wir derzeit einen Anstieg der Insolvenzen. Im vergangenen Jahr verzeichneten wir einen neuen Höchststand und damit so viele Insolvenzen wie zuletzt 2016. In absoluten Zahlen gemessen bewegen wir uns jedoch auf einem insgesamt sehr niedrigen Niveau. Weniger als ein Prozent unserer Betriebe ist davon betroffen. Die Lage für unsere Maler- und Lackiererbetriebe ist bereits seit einigen Jahren herausfordernd. Mit der Corona-Pandemie kamen zahlreiche Belastungen auf unsere Betriebe zu. Diese hängen einigen noch heute nach. Kurz darauf sorgten Störungen in den internationalen Lieferketten für weitere Auftragsverzögerungen und immense Preissteigerungen. Die hohen Inflationsraten sowie die politische und wirtschaftliche Volatilität der vergangenen Monate kommen erschwerend hinzu. All diese Faktoren machen eine solide langfristige Planung und Kalkulation aktuell nahezu unmöglich und tragen zu dünneren Liquiditätsdecken bei. Die Mehrzahl unserer Betriebe fühlt sich im Hinblick auf ihre Wettbewerbsfähigkeit noch gut aufgestellt. Das hat unsere alljährliche Forsa-Befragung ergeben. Dennoch sind die Umsatz- und Ertragserwartungen gedämpft und die Auftragsbücher lange nicht mehr so gut gefüllt. In dieser trüben konjunkturellen Situation sollten Betriebe ihr Augenmerk verstärkt auf ihre innerbetrieblichen Strukturen lenken. Denn Insolvenzen sind häufig die Konsequenz von unklaren Prozessen, Kalkulationen und Verantwortlichkeiten. Vor allem aber braucht unser Maler- und Lackiererhandwerk endlich wieder politische Stabilität und wirtschaftliche Planbarkeit, um auch in den kommenden Jahren erfolgreich wirtschaftlich agieren zu können.