Vorschlag für mehr Verkehrssicherheit Kraftfahrzeuggewerbe gegen jährliche Hauptuntersuchung

Die EU-Kommission will weniger Verkehrsunfälle und fordert deswegen eine jährliche Pflichtinspektion für ältere Autos. Der Zentralverband lehnt dies ab und benennt gleich mehrere Gründe, warum dieser Vorschlag nicht wirkungsvoll ist.

Hauptuntersuchung ab sofort jährlich? Geht es nach einem Vorschlag der EU, soll das die Verkehrssicherheit erhöhen. - © Mr. Music - stock.adobe.com

Die EU-Kommission will für mehr Verkehrssicherheit eine jährliche Pflichtinspektion für Autos, die älter als zehn Jahre sind. Der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) hält nichts davon: "Nicht die Frequenz der Hauptuntersuchungen ist entscheidend, sondern ihre fachliche und technische Güte", sagte ZDK-Vizepräsident und Bundesinnungsmeister Detlef Peter Grün. Zudem seien schon jetzt die die Kosten für Autofahrer im Straßenverkehr immens hoch. Die Kosten einer weiteren Hauptuntersuchung (HU) kämen hinzu. "Deshalb lehnen wir eine jährliche HU-Pflicht für ältere Autos im Sinne des Verbraucherschutzes ganz klar ab", sagte er. 

EU will Zahl der Verkehrstoten senken

Wie EU-Verkehrskommissar Apostolos Tzitzikostas zuvor sagte, ist die EU fest entschlossen, die Zahl der Verkehrstoten und Schwerverletzten bis 2030 um 50 Prozent zu senken. Der Vorschlag der Kommission ziele auf unsichere Fahrzeuge ab, die zu Unfällen, Todesfällen und Verletzungen beitrügen, teilte die Behörde mit. Neben häufigeren Inspektionen schlägt die Kommission unter anderem auch vor, dass Kilometerstände in nationalen Datenbanken erfasst werden sollen. Zudem sind neue Tests für elektronische Sicherheitssysteme sowie neue Prüfverfahren für Emissionen Teil der Vorschläge. Noch müssen das Europaparlament und die EU-Staaten dem Vorschlag zustimmen.

Grün: Zweijährige Prüffrist bringt hohes Maß an Sicherheit

Für ZDK-Vize Grün sind die Vorschläge unnötig: In Deutschland sei die HU in den letzten Jahren als Reaktion auf die zunehmende technologische Komplexität der Fahrzeuge weiterentwickelt worden. Im Fokus stünden heute moderne Assistenzsysteme, Elektromobilität sowie das gezielte Auslesen elektronischer Fehlerspeicher. Auch die Emissionsüberwachung sei deutlich verschärft worden. "Die in Deutschland gültige zweijährige Prüffrist für Hauptuntersuchungen geht schon heute teilweise über die relevanten EU-Vorgaben hinaus und gewährleistet ein hohes Maß an Verkehrssicherheit", erklärte er. "Pauschale Altersregelungen, die Wartungsqualität und Fahrzeugzustand ignorieren, bringen keinerlei Mehrwert."

Jährliche Fahrzeuginspektionen helfen schon jetzt

Zudem zeigen nach den Worten Grüns praktische Erfahrungen der Werkstätten, dass ältere Fahrzeuge keine signifikant erhöhten sicherheitsrelevanten oder schwere Mängel aufweisen. Hinzu komme die in Deutschland gängige Praxis einer jährlichen Fahrzeuginspektion. Dies sei ein wesentlicher Hebel zur Aufrechterhaltung der Betriebs- und Verkehrssicherheit der Fahrzeuge. "Bei den jährlichen Inspektionen werden im Fachbetrieb auch Sichtprüfungen aller sicherheitsrelevanten Aspekte vorgenommen", ergänzte Grün.

ZDH: Seit Jahren kaum Unfälle wegen technischer Mängel

Darüber hinaus sieht der ZDK den alternden Fahrzeugbestand nicht als zunehmendes Sicherheitsrisiko. Trotz steigenden Durchschnittsalters der Fahrzeugflotten gebe es seit Jahren kaum noch durch technische Mängel verursachte Unfälle. "Dies ist ein Fakt und wird von den Überregulierern leider geflissentlich ignoriert", sagte Grün mit Blick auf Brüssel. "Ohne den Nachweis eines Gewinns an Verkehrssicherheit zu bringen, sind Vorschläge für jährliche Pflichtinspektionen vollkommen haltlos", fügte er hinzu.

Kritische Reaktionen aus dem EU-Parlament

Auch aus dem EU-Parlament kommen bereits kritische Reaktionen. "Es droht viel zusätzlicher bürokratischer Aufwand. Eine jährliche Überprüfungsfrist für ältere Fahrzeuge treibt die Kosten für Autobesitzer in die Höhe", teilte der CSU-Abgeordnete Markus Ferber mit. Man werde sich die Regelungen genau ansehen, kündigte er an. Der AfD-Abgeordnete Siegbert Droese sieht den Vorschlag als einen "Angriff auf die Freiheit".

Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) teilte mit: "Die Forderung nach einer jährlichen Pflichtinspektion für ältere Autos ist ein Negativbeispiel, wie die EU die Menschen mit Bürokratie überhäuft." Die Forderung sei unverhältnismäßig.

mit Inhalten der dpa