Der Dachdecker-Verband feiert in diesem Jahr sein 100-jähriges Bestehen. Im Jubiläumsjahr zeigt sich die Branche trotz Baukrise erstaunlich robust. Für die Dachdecker zahlt sich ihre Rolle als Klimahandwerker aus.
Das deutsche Dachdeckerhandwerk hat sich 2024 gegen den Abwärtstrend in der Bauwirtschaft behauptet. Während der Wohnungsneubau weiter einbrach, blieb die Nachfrage nach Dachdeckerleistungen stabil, wie aus dem Geschäftsbericht des Zentralverbands des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH) hervorgeht.
Umsatz leicht gestiegen
Die Branche erzielte 2024 einen Gesamtumsatz von 13,23 Milliarden Euro – ein Plus von 2,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr, berichtete ZVDH-Ökonom Felix Fink. Besonders gefragt waren Aufträge für Dachsanierungen, Dämmmaßnahmen und die Installation von Photovoltaik-Anlagen. Preisbereinigt sank der Umsatz allerdings um 1,5 Prozent.
Betriebszahlen rückläufig
Die Zahl der Dachdeckerbetriebe ging 2024 um ein Prozent zurück. Zum Jahresende waren 15.098 Betriebe bei der Sozialkasse des Dachdeckerhandwerks gemeldet – 149 weniger als 2023. Davon arbeiteten 3.846 Betriebe ohne gewerbliche Mitarbeiter, was einem Anteil von 25,5 Prozent entspricht – ein neuer Höchststand.
Die Beschäftigtenzahlen sanken das dritte Jahr in Folge. Ende 2024 arbeiteten 60.242 gewerbliche Mitarbeiter im Dachdeckerhandwerk. Das ist ein Minus von 0,7 Prozent. In den vergangenen drei Jahren verlor die Branche damit über 2.100 Fachkräfte. Die durchschnittliche Betriebsgröße blieb mit 5,5 Mitarbeitern konstant.
Mehr Azubis, mehr Frauen

Erfreulich entwickelte sich die Ausbildung: Die Gesamtzahl der Auszubildenden stieg um 1,2 Prozent auf 8.588. Im ersten Ausbildungsjahr gab es sogar ein Plus von 5,2 Prozent. Der Frauenanteil erhöhte sich von 350 auf 390 Auszubildende – ein Zuwachs von 11,4 Prozent. Die Branche profitiere von ihrer Rolle als Klimahandwerk, so ZVDH-Präsident Dirk Bollwerk. Neben der Installation von Photovoltaik-Anlagen seien auch energetische Sanierungen und Dachbegrünungen stark nachgefragt. Eine neue Vereinbarung mit dem Elektrohandwerk regelt seit April 2024 die Zusammenarbeit bei PV-Anlagen.
Materialpreise entspannt
Die Materialpreise stiegen 2024 moderater als in den Vorjahren, liegen aber weiter deutlich über Vor-Corona-Niveau. Zement kostet 52 Prozent mehr als 2020, mineralische Dämmung 64 Prozent. Der Anteil der Materialkosten am Umsatz sank auf 34,6 Prozent – den niedrigsten Wert seit 2007.
Die Tarifverhandlungen mit der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) wurden im November 2024 abgeschlossen. Neben fairen Löhnen wurden neue Initiativen zur Stärkung der Berufsausbildung beschlossen, darunter zusätzliche Unterstützungen für Auszubildende und pädagogische Weiterbildungen für Lehrkräfte und Ausbilder. Die Einigung umfasst Lohnsteigerungen und eine Erhöhung der Ausbildungsvergütungen. Zudem investiert der Verband gezielt in die Qualifizierung des Nachwuchses.
Trotz der Baukrise blickt die Branche vorsichtig optimistisch in die Zukunft. Die größte Herausforderung bleibe der Fachkräftemangel, so Bollwerk. Mit verstärkter Nachwuchswerbung, auch über soziale Medien, will der Verband gegensteuern.
Verband feiert 100-jähriges Bestehen
Der ZVDH feiert in diesem Jahr sein 100-jähriges Bestehen. Der Verband wurde 1925 als "Reichsverband Deutscher Dachdeckermeister" gegründet. Im neuen Geschäftsbericht wird die Geschichte des Dachdeckerhandwerks gewürdigt. dhz
