Die Zahlen sind alarmierend: Über 550.000 Wohnungen fehlen bundesweit. Wohnungs- und Bauverbände fordern jetzt ein 100-Tage-Programm "Aufschwung-Wohnen".
Die neue Bundesregierung soll der Wohnungsnot in Deutschland schnell und mit aller Kraft entgegentreten. "Es geht darum, den 'sozialen Sprengstoff Nr. 1' schleunigst zu entschärfen", teilte ein Bündnis aus sieben Verbänden der Bau- und Wohnungswirtschaft auf dem jährlichen Wohnungsbau-Tag mit. Nötig sei ein 100-Tage-Programm für einen "Aufschwung-Wohnen", dessen Kern eine Neubau-Offensive sein müsse. Um dies finanzieren zu können, müsse man hierzulande künftig einfacher bauen können. Damit könnten die Kosten bis zu einem Drittel gesenkt werden, teilte das Bündnis mit.
Gebäudetyp E hilft Kosten sparen
Wie es zu diesen Einsparungen kommt, haben das Bauforschungsinstitut Arge aus Kiel und das Berliner Forschungsinstitut RegioKontext in einer Studie im Auftrag des Verbände-Bündnisses dargestellt. Dabei werden nach den Worten von Arge-Leiter Dietmar Wallberg auch beim "Einfachen Bauen" immer noch alle Standards und Vorschriften eingehalten. "Vom Lärm- und Brandschutz bis zu den Klimaschutzauflagen", betonte er mit Blick auf den sogenannten Gebäudetyp E.
Dünnere Decken und Wände verringern Ressourcen
Gespart werden kann beim Bauen nach den Worten Wallbergs etwa durch eine geringere Stärke von Decken und Außenwänden oder durch den Verzicht von PKW-Stellplätzen oder Tiefgaragen-Stellplätzen. Bei der Haustechnik ließe sich über Komponentenlösungen ebenfalls Geld sparen. "Das alles macht Bauen günstiger. Außerdem reduziert es die notwendige staatliche Förderung", fügte er hinzu. Für 100.000 neu gebaute Sozialwohnungen pro Jahr wären nach Einschätzung des Verbände-Bündnisses dann pro Jahr elf Milliarden statt 15 Milliarden Euro nötig. Außerdem sollte im sozialen Wohnungsbau die Mehrwertsteuer entfallen, forderte das Bündnis.
Schleswig-Holstein und Hamburg zeigen, wie es geht
Im Koalitionsvertrag heißt es mit Blick auf einfacheres Bauen: "Baustandards werden vereinfacht und der Gebäudetyp E abgesichert." Nach den Vertretern des Wohnungsbündnisses geht es jetzt darum, die positiven Beispiele zum einfachen und kostengünstigen Bauen, wie sie etwa schon in Schleswig-Holstein oder in Hamburg umgesetzt wurden, auf ganz Deutschland auszudehnen. Dies ist umso nötiger, da nach der neuen Wohnungsbau-Studie bundesweit mehr als 550.000 Wohnungen fehlten.
Immer mehr Menschen wohnen in überbelegten Wohnungen
Konkret bedeutet dies, dass nach den Ergebnissen der Studie derzeit rund 9,6 Millionen Menschen oder elf Prozent der Bevölkerung in überbelegten Wohnungen leben. Dies seien 1,1 Millionen mehr als noch vor fünf Jahren, warnen die Wissenschaftler. "Passiert jetzt nichts, dann wird das, was kommt, noch schlimmer, als wir es heute schon erleben", sagte Wallberg auch mit Blick auf die Baugenehmigungen. Sie hätten 2024 bei 216.000 gelegen – ein Rückgang von 43 Prozent in drei Jahren.
Bündnis fordert verlässliche Förderung vom Staat
Mit Blick auf die angespannte Lage am Wohnungsmarkt sowie die schwierige wirtschaftliche Lage fordert das Verbände-Bündnis die neue Bundesregierung auf, verlässliche Mittel für den Wohnungsbau zur Verfügung zu stellen. Außerdem müsse der Bund ein Zinsverbilligungsprogramm auflegen.
Zum Verbände-Bündnis, dass den jährlichen Wohnungsbautag organisiert, gehört der Deutsche Mieterbund, die Industriegewerkschaft Bauen Agrar-Umwelt, der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes, der Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen, der Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen und der Deutschen Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau.
