Fleischermeisterin Nora Seitz ist eine von 41 Abgeordneten im neuen Bundestag, die aus dem Handwerk kommen oder dem Handwerk nahestehen. Die Deutsche Handwerks Zeitung sprach mit ihr und drei weiteren Abgeordneten darüber, was sie in Berlin für die Branche erreichen wollen.

1. Nora Seitz – Fleischermeisterin der CDU
Weiblich, ostdeutsch und geerdet im Handwerk – mit diesen Attributen zieht Fleischermeisterin Nora Seitz aus Chemnitz für die CDU in den 21. deutschen Bundestag ein. Eine 40-jährige Frau ohne Erfahrung auf dem politischen Parkett, umso besser kennt sie die Sorgen kleiner Unternehmen und die der einfachen Leute.
"Ich möchte den Frust vieler Handwerker ins Parlament tragen", sagt Seitz. In Berlin sieht sie ihre Rolle als Lobbyistin für das Handwerk und ihre Heimatstadt. Dort, im Arbeiterviertel Sonnenberg, betreibt ihre Familie seit 1932 eine Fleischerei.
Künftig wird ihre Mutter, die den Betrieb in dritter Generation mit fünf Mitarbeitern umtreibt, öfter auf ihre Tochter verzichten müssen. "Ich werde trotzdem ab und zu im Laden stehen, möchte den Kontakt zur Basis nicht verlieren", verspricht die gelernte Lebensmittelfachverkäuferin.
Mit Fleiß ans Werk
In ihrer ersten Legislaturperiode will Nora Seitz vor allem fleißig sein – wie bisher im Beruf und im Ehrenamt als Vizepräsidentin des Deutschen Fleischerverbandes, Landesinnungsmeisterin oder als Vorsitzende des Fördervereins für das städtische Theater. Anfragen der Bürger sollen zeitnah beantwortet werden. Und sie will in den nächsten vier Jahren jedem dritten Chemnitzer mindestens einmal die Hand schütteln.
Seit 2009 ist Nora Seitz Mitglied der CDU, Norbert Lammert ihr Vorbild. Eine politische Karriere hatte sie damals aber nicht im Sinn. Als Erweckungserlebnis nennt sie die Corona-Krise, als im März 2020 plötzlich alles dichtgemacht wurde. "Damals habe ich ein paar unhöfliche Briefe an den Vorsitzenden der Mittelstands- und Wirtschaftsunion Carsten Linnemann geschrieben", sagt Seitz.
2021 übernahm sie in Sachsen selbst den Vorsitz der Interessenvertretung der Unternehmer und Selbstständigen innerhalb der Union. "Vor allem die kleinen Betriebe brauchen Wachstum. Damit die Inhaber Bock haben, an die nächste Generation zu übergeben. Und die jungen Leute Lust auf Unternehmertum bekommen", betont Seitz. Dieses Engagement möchte die Betriebswirtin des Handwerks künftig im Bundestag einbringen, am liebsten in den Ausschüssen für Arbeit und Soziales sowie Kultur und Medien. ste
2. Sieghard Knodel – Landmaschinenmechanikermeister, fraktionslos (ehemals AfD*)
Für Sieghard Knodel wird die konstituierende Sitzung im Bundestag auch seine Premiere sein. Der 64-Jährige aus dem Wahlkreis Reutlingen zieht für die AfD zum ersten Mal in den Bundestag ein. Wie die Arbeit im politischen Berlin läuft, "ist für mich noch schwierig einzuschätzen." Denn eigentlich habe er gar nicht mit seinem Mandat gerechnet, so der Landmaschinenmechanikermeister aus Trochtelfingen. "Ich bin über die Warteliste reingekommen." Und eigentlich, gibt Sieghard Knodel zu, "ist es gar nicht mein Wunsch gewesen, in die Politik zu gehen." Doch die Corona-Pandemie habe so deutlich ans Licht gebracht, was in Deutschland alles nicht stimme und schief laufe. "Das ist in erster Linie Bürokratie und dass das Handwerk keine Lobby hat", sagt Sieghard Knodel.
Bürokratieabbau und mehr Anerkennung fürs Handwerk

Den Schwerpunkt seiner politischen Arbeit möchte er auf Landmaschinentechnik, Baumaschinentechnik und Landwirtschaft legen. "Da komme ich her." Zwar gehe es dem Handwerk aus seiner Sicht immer noch relativ gut angesichts anhaltender Krisen, doch "wir brauchen in Deutschland dringend wieder eine Deregulierung. Es kann doch nicht sein, dass wir das Lieferkettengesetz beachten müssen, wenn wir Material einkaufen." Die öffentliche Hand müsse sich auch nicht wundern, wenn Handwerker keine Angebote mehr abgeben würden. "Die Anforderungen öffentlicher Ausschreibungen sind einfach viel zu hoch. Das kann niemand mehr erfüllen." Es müsse endlich kräftig und durchschlagend Bürokratie abgebaut werden. Kritisch wendet sich Knodel aber auch an die Handwerksorganisationen, von denen er sich mehr Lobbyarbeit wünscht: "Nicht alles nur abnicken."
Fachkräftemangel und die Bedeutung des Handwerks
Der gebürtige Stuttgarter gründete seine Firma für Hubarbeitsbühnen vor 33 Jahren. Mittlerweile ist er der Seniorchef und sein Sohn Michael führt die Geschäfte. Handwerk bedeutet für Sieghard Knodel aber auch Qualität – in der Arbeit und in der Ausbildung. Er selbst hat nach seiner Meisterausbildung eine Weiterbildung zum Betriebswirt im Handwerk absolviert, ist heute auch als Sachverständiger und Gutachter tätig. Es ärgert ihn, wenn Bildung mit einem Studium gleichgesetzt wird. "Wir haben eine Flut von Akademikern, aber keine Fachkräfte." In der Schweiz habe Handwerk einen ganz anderen Stellenwert. Dort habe man verstanden, was das Handwerk leistet. dan
Sieghard Knodel ist Medienberichten zufolge am 5. Mai 2025 aus der Partei Alternative für Deutschland (AfD) sowie aus der Fraktion der AfD im Deutschen Bundestag ausgetreten. Er plant, fraktionslos Mitglied des Bundestages zu bleiben.
3. Siegfried Walch – Betriebswirt (HWK) mit Schwerpunkt Fahrzeugwesen der CSU
Siegfried Walch, 1984 in Bad Reichenhall geboren, möchte Handwerk und Mittelstand eine starke Stimme im neuen Bundestag verleihen. Nach seiner Ausbildung zum Großhandelskaufmann bildete er sich bei der Fahrzeugakademie Schweinfurt zum Betriebswirt (HWK) mit Schwerpunkt Fahrzeugwesen weiter. Anschließend gründete er mit einem Partner das Autohaus Walch, für das er bis 2012 als Geschäftsführer tätig war. Unternehmertum und die berufliche Bildung liegen ihm besonders am Herzen. Geprägt durch sein familiäres Umfeld, das tief im Handwerk verwurzelt ist, und seinen eigenen Werdegang möchte er sich in Berlin für mehr Wertschätzung für Gesellen und Meister gegenüber Akademikern einsetzen. "Ich bin tief davon überzeugt, dass Menschen schon mit Anfang 20 mitten im Leben stehen können, wenn sie früh gelernt haben, Wertschöpfung zu erzeugen. Diese Menschen haben ein anderes Selbstbewusstsein", sagt Walch. Er bedauert, dass viel schwarz-weiß gemalt wird. "Eine Ausbildung und eine Meisterqualifikation sind nicht weniger wert als ein Studium – lasst die Leute machen, was zu ihnen passt."

Politisches Engagement seit der Jugend
Schon seit seiner Jugend engagiert sich Walch politisch. Ab 1999 war er in der Jungen Union aktiv und ist seit 2004 Mitglied der CSU. Früh übernahm er politische Ämter, zunächst als Gemeinderat, dritter Bürgermeister und seit 2014 als Landrat für den Landkreis Traunstein. Mit seinem politischen Engagement möchte Walch strukturelle Probleme lösen. "Ich liebe meine Heimat und wollte sie mitgestalten. Politisches Engagement ist für mich wie das Führen eines Betriebs – man kann direkt etwas bewegen", betont er. Sein Engagement im Bundestag – er gewann das Direktmandat in seinem Wahlkreis mit 46,9 Prozent der Stimmen – möchte Walch auch dazu nutzen, sich für Entlastungen der Betriebe einzusetzen. "Leider hat sich in Deutschland ein tiefes Misstrauen gegenüber Unternehmertum und Leistungsträgern entwickelt. Dies ist die Grundlage für soviel Bürokratie. Da müssen wir ansetzen", bemängelt Walch. Es brauche mehr Flexibilität und direkte Umsetzbarkeit von Reformen. Auch bei der Erbschaftssteuer sieht er Reformbedarf: "Ich werde dafür kämpfen, die Erbschaftssteuer ganz abzuschaffen. Sie hemmt die Weitergabe von Betrieben und schadet dem Mittelstand." Trotz seiner neuen Aufgaben in Berlin wird Bayern auch in Zukunft der Lebensmittelpunkt von Siegfried Walch bleiben: "Berlin ist nur Arbeitsort. Mein Herz bleibt in Bayern – ich bin und bleibe ein Chiemgauer." sg
4. Mandy Eißing – Friseurin der Linken

Als Mandy Eißing sich als Kandidatin für die Linken in ihrem Wahlkreis in Ostthüringen für die Bundestagswahl aufstellen ließ, lagen die Linken bei drei Prozent. Was seither passiert ist, kann sie selbst kaum glauben. Die 48 Jahre alte gelernte Friseurin zieht in den Bundestag ein. "Erfahren habe ich es erst am Morgen nach der Wahl", erzählt sie.
Erst dann waren die nötigen Stimmen ausgezählt und ihr dritter Platz auf der Landesliste reichte. Für die Politik interessiert sie sich schon länger. Über Jahre saß sie für die Linke im Stadtrat in ihrem Heimatort Altenburg, später auch im Kreistag. Im neuen Bundestag gehört Eißing zu einer Minderheit: Sie ist Frau, Mutter von zwei Kindern und Handwerkerin. Sie ist gelernte Friseurin, hat 16 Jahre als Gesellin in ihrem Beruf gearbeitet. Sie stammt aus einer Handwerkerfamilie, schon ihr Großvater war Friseur, ihre Eltern haben ein Handwerk gelernt und seit Jahren ist Eißing mit einem Tischler verheiratet.
Ihr Weg in die Politik
Die Lebensumstände waren es schließlich, die sie zur Politik brachten. "Ich wollte mich einfach nicht damit abfinden, dass Menschen bei einem Vollzeitjob noch aufstocken müssen", erzählt sie. Es könne doch nicht sein, dass Gesellen und Gesellinnen nicht von ihrer Hände Arbeit leben können. Auch deshalb hat sie sich bei den Linken engagiert. Zuerst als Wahlkreismitarbeiterin und ab 2017 als Mitarbeiterin für den Linken Europaabgeordneten Martin Schirdewan. Jetzt will sie sich selbst in Berlin einbringen. Sie will dafür kämpfen, dass der Mindestlohn steigt, dass eine angestellte Friseurin von ihrer Arbeit leben kann. Dabei kennt Eißing auch die Nöte der Inhaber von Friseursalons. Sie weiß, dass diese die Preise nicht einfach erhöhen können, dass sie um Kunden bangen, gerade deshalb will sie eine geringere Umsatzsteuer. Und sie weiß, wie sehr sich Mittelständler mit Bürokratie herumschlagen müssen und damit zu wenig zu ihrer eigentlichen Arbeit kommen. Im Wahlkampf hat sie an zahllosen Haustüren geklingelt, hat sich die Sorgen der Menschen angehört: die hohe Inflation, die schwindende medizinische Versorgung auf dem Land, die Sorge vor Altersarmut und nicht zuletzt die schlechte Verkehrsanbindung. "Es braucht eine linke Kraft im Land." bir