Arbeitsalltag erleichtern KI auf dem Bau: 5 Bereiche, in denen Betriebe profitieren

Künstliche Intelligenz ist nur etwas für die Großen? Falsch, denn es gibt viele Lösungen, von denen auch kleine und mittelständische Betriebe profitieren können. Fünf Bereiche, in denen KI-Tools Mittelständlern in der Baubranche den Arbeitsalltag erleichtern.

KI auf dem Bau
Immer mehr hält KI auch Einzug auf dem Bau. Noch gilt es allerdings, digitale Kompetenzen für den Einsatz zu erarbeiten. - © onephoto - stock.adobe.com

Ein frisch saniertes Dach, eine solide Außentreppe, ein neues Badezimmer oder eine Solaranlage mit Wärmepumpe: Lukrative Aufträge für Handwerksbetriebe – aber nichts, was ein gestandener Handwerksmeister mit Künstlicher Intelligenz (KI) in Verbindung bringen würde. Dabei kann sie genau hier eine entscheidende Rolle spielen: "KI ist längst kein abstraktes Zukunftsthema mehr, sondern bereits auf Baustellen und in Planungsbüros angekommen", erklärt Frank Schieback, Head of Brand Communication und Chief Marketing Officer beim Mittelstands-Netzwerk Sellwerk. "Sie hilft dabei, den Arbeitsalltag effizienter zu gestalten, Prozesse zu beschleunigen sowie Kosten zu senken und ist bereits ein unverzichtbarer Helfer geworden."

KI auf dem Bau: Noch fehlen digitale Kompetenzen

Doch es sind nur wenige Vorreiter, die sich die technischen Errungenschaften bereits zunutze machen. Das Gros der Baubranche verpasst derzeit den Anschluss, weil digitale Kompetenzen fehlen, zeigt eine Umfrage der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC Deutschland. Demnach zweifelt die Branche an ihren digitalen Fähigkeiten und fühlt sich in einigen Technologiebereichen zunehmend abgehängt.

So sehen der Umfrage zufolge zwar 80 Prozent der Befragten großes Potenzial in Simulation, Visualisierung, Cloud-Technologien und Künstlicher Intelligenz. Doch die Bewertung der eigenen digitalen Fähigkeiten bleibt ernüchternd. "Die Branche agiert zu träge und nutzt ihre Möglichkeiten nicht", kritisiert Christian Elsholz, Partner im Bereich Capital Projects, Infrastructure & Real Estate bei PwC Deutschland. "Das verhindert die dringend notwendige Steigerung der Produktivität." Die Bauunternehmen seien gefordert, die Zügel selbst in die Hand zu nehmen und entschlossen in ihre digitale Transformation zu investieren.

Mittelstandsexperte Schieback plädiert für eine Bestandsaufnahme – und zwar besser heute als morgen. "In vielen Einsatzbereichen lohnen sich KI-Tools sofort." Die Investitionen sind nicht besonders hoch, aber man braucht natürlich den entsprechenden Mut zur Veränderung. In fünf Bereichen können Künstliche Intelligenz und andere digitale Errungenschaften den Betrieben sofortige Effizienz- und Produktivitätsgewinne bescheren.

1. Planung: mit KI leicht gemacht

Bauvorhaben beginnen mit einer Idee – aber ihre Umsetzung ist oft ein mühsamer Prozess. Genau hier setzt KI an. Tools wie "Building Radar" durchforsten Ausschreibungsplattformen in Echtzeit und zeigen sofort relevante Projekte an. So entfällt die aufwendige Suche nach neuen Aufträgen. Gleichzeitig analysieren Programme wie "Handwai" Leistungsverzeichnisse auf Fehler und Risiken, damit frühzeitig nachgebessert werden kann.

Das spart Zeit und verhindert böse Überraschungen – wie etwa ein vergessenes Gewerk in der Ausschreibung, das später für kostspielige Nachträge sorgt. Wer beispielsweise erst auf der Baustelle bemerkt, dass Elektro- oder Sanitärinstallationen nicht eingeplant wurden, steht vor teuren Verzögerungen. KI-gestützte Systeme erkennen solche Lücken in der Planung frühzeitig, sodass Betriebe rechtzeitig reagieren können und Bauprojekte reibungsloser ablaufen.

2. Büro: Weniger Papierkram, mehr Zeit fürs Wesentliche

Jeden Tag die gleichen Fragen beantworten, Angebote schreiben, Rechnungen sortieren – wer im Baubüro oder in der Disposition arbeitet, kennt diese Routinen. KI kann genau hier entlasten: Chatbots übernehmen wiederkehrende Kundenanfragen zu Preisen, Verfügbarkeiten oder Terminen, während smarte Rechnungs- und Angebotstools die lästige Zettelwirtschaft reduzieren.

Statt Stunden mit E-Mail-Chaos oder Papierstapeln zu verbringen, bleibt mehr Zeit für persönliche Beratung, schnelle Abstimmungen mit den Kollegen oder die Koordination der nächsten Baustelle. Gerade für kleinere Betriebe sind solche digitalen Helfer eine echte Entlastung. Sie sind erschwinglich, leicht zu integrieren und reduzieren den administrativen Aufwand erheblich. So bleibt mehr Zeit für das Handwerk selbst.

3. Visualisierung: Entwürfe auf Knopfdruck

Pläne auf Papier sind gut – aber was wäre, wenn Kunden ihr zukünftiges Haus oder Bürogebäude schon in der Planungsphase direkt vor Augen hätten? Mit KI-Designlösungen wie Midjourney oder DALL·E werden aus groben Skizzen innerhalb von Minuten realistische Visualisierungen. Änderungen lassen sich blitzschnell umsetzen, Missverständnisse können vermieden werden, und die Kunden sind schneller überzeugt. Ein Vorteil, den sonst oft nur große Unternehmen mit eigenen Designabteilungen genießen.

4. Roboter: Unterstützung auf der Baustelle

Die Arbeit auf der Baustelle ist anspruchsvoll – und Fachkräfte werden immer knapper. KI-gesteuerte Helfer wie der Malerroboter von Conbotics übernehmen gezielt monotone oder körperlich anstrengende Aufgaben, die besonders schwer oder gesundheitsschädlich sind. Das großflächige Streichen von Decken oder schwer zugänglicher Wandbereiche wird so beispielsweise zum Kinderspiel. Die Fachkräfte hingegen können sich auf präzisere und anspruchsvollere Tätigkeiten konzentrieren, etwa Detailarbeiten, Qualitätskontrollen oder individuelle Anpassungen.

Der Roboter unterstützt die Menschen auf der Baustelle, indem er die Nerven raubenden Routineaufgaben übernimmt, die besonders viel Zeit und Kraft kosten. So wird das gesamte Team effizienter, wobei die handwerkliche Expertise der Mitarbeitenden weiterhin unverzichtbar bleibt.

5. Digitale Präsenz: Mit drei Klicks zur Webseite

Ein starker digitaler Auftritt ist essenziell für die eigene Sichtbarkeit und Wettbewerbsfähigkeit – insbesondere für Handwerksbetriebe, die diesen Aspekt ihres Marketings oft vernachlässigen. Denn nicht jeder hat die Zeit oder das Budget für eine aufwendige Website. Mit KI-basierten Website-Baukästen wie Wix oder Site123 kann mit nur wenigen Klicks eine professionelle Webseite erstellt werden, die nicht nur ansprechend gestaltet, sondern auch suchmaschinenoptimiert ist. So werden auch kleinere Betriebe im Netz gefunden und können mit den großen Playern der Branche mithalten.