Altersvorsorge Früh vorbereitet in die Rente

Ruhestandsplan: Wer sich aus dem Arbeitsleben verabschiedet, sollte lange vorab geregelt haben, wie der Lebensabend ­finanziert wird – dazu gehören beizeiten eine Bestandsaufnahme und später ein Entnahmeplan.

Früh planen, später genießen – wer rechtzeitig für den Ruhestand vorsorgt, kann im Alter noch mal richtig Gas geben! - © deagreez - stock.adobe.com

Eine der größten Sorgen, die Erwerbstätige antreibt, ist die Vorsorge für den Ruhestand. Dabei geht es um die Frage, wie ich im letzten Lebensdrittel meinen Lebensstandard sichern kann, ohne großartig Verzicht zu üben. Die meisten Beschäftigten verlassen sich dabei erst einmal auf die gesetzliche Rentenversicherung.

Selbstständige, aber auch zunehmend Arbeitnehmer, schließen zusätzlich Verträge innerhalb privater Vorsorge oder betrieblicher Altersversorgung ab. Mehr und mehr greifen viele Menschen wegen der höheren Rendite auch auf Fondssparpläne zurück. Während die Vorsorge im Fokus steht, wird oft vergessen, dass auch der Ruhestand selbst geplant werden muss. Denn leider kommt die Frage, wie ich mit meinen Finanzen vor Eintritt und während der Rentenzeit umgehen sollte, oft zu spät oder zu kurz.

Aufs Sparen gepolt

Die DHZ-Redaktion hat sich mit Thomas Wolff, Vermögensverwalter und Niederlassungsleiter des VZ Vermögenszentrums in Berlin, darüber unterhalten, wie eine Ruhestandsplanung vor sich gehen sollte. Dass das mit der Planung gar nicht so einfach ist, hat Wolff schon des Öfteren festgestellt.

Denn viele Menschen seien während des Studiums und des ersten Jobs, ja oft auch noch im Laufe ihrer Karriere aufs Sparen gepolt gewesen. "Ich muss erst wieder lernen, Geld auszugeben", höre er dann oft. Vielen falle es schwer, dieses Entsparen einfach anzugehen. Vermögensverwalter sprechen dabei allerdings weniger von Entsparen als von Entnehmen und somit von einem Entnahmekonzept, das es zu entwickeln gilt.

Wie das aussieht, ist – wie immer, wenn es um Vermögen geht – ganz individuell zu gestalten. Eines ist klar: Vor jedem Konzept muss eine Bestandsaufnahme stehen. Der Kunde muss offenlegen, was an Vermögen da ist, wie gespart wurde und welche Verträge, zum Beispiel aus einem Versorgungswerk, aus einer Lebensversicherung und welche Ansprüche zum Beispiel aus einer Rentenversicherung bestehen. Was also steht dem Ruheständler an Einnahmen zur Verfügung und was an voraussichtlichen Ausgaben.

Kassensturz früh genug angehen

Diesen Kassensturz sollte man im Übrigen, das unterstreicht Thomas Wolff ausdrücklich, nicht erst zwei Jahre vor Ruhestandsbeginn machen, sondern mit Anfang bis Mitte 50. Dann bräuchten die Kinder oft schon keinen Unterhalt mehr, das Eigenheim ist fast entschuldet und vielleicht besteht schon eine Vorstellung davon, wie das Leben im Ruhestand aussehen könnte.

Der große Vorteil einer frühen Planung: Droht eine Versorgungslücke, lässt sich bei ausreichend großem Abstand gegensteuern. Ausgaben können eventuell verringert werden. Ein Sparplan mit entsprechender Rate kann das Vermögen innerhalb von zehn bis 15 Jahren noch mal deutlich aufstocken. Ein weiterer Vorteil: Da die laufenden Ausgaben tendenziell geringer geworden sind, könne, wenn nötig, eine hohe Sparrate veranschlagt werden. Kommt der Plan zu spät – eventuell erst mit Anfang 60, werde der Kunde seine Gesamtvermögenssituation nicht mehr entscheidend drehen können.

Entnahmekonzepte

Am Anfang einer Planung steht die Frage, ob vom Vermögen etwas übrig bleiben soll oder ob es aufgebraucht werden kann.

Aufzehrung des Vermögens

Das Einfachste wäre es, das Geld nach und nach zu verbrauchen. "Sie legen sich das Geld auf ein Konto und nehmen sich jeden Monat ihre Scheibe davon raus. Dann wissen Sie ziemlich genau, wie lange das Geld reicht", sagt Thomas Wolff. Das sei allerdings ein wenig cleverer Weg. Denn neben den niedrigen Zinsen erleide der Kunde steuer- und inflationsbedingt einen Vermögensverlust.

Bei Rentenversicherungen zum Beispiel sind oft schon entsprechende Auszahlpläne vorgesehen. Wer es möglichst bequem haben möchte, kann das Ersparte in eine Police stecken. Bis zum Lebensende wird dann eine Rente ausgezahlt. Da das Geld von den Versicherern meist in risikoarme Anleihen angelegt wird, sind die Renditen eher gering. Im Vergleich zu anderen Entnahmeplänen entstehen relativ hohe Kosten.

Etappenstrategie

Im Normalfall geht Thomas Wolff davon aus, dass der Kunde auf der einen Seite einen gewissen Betrag an Liquidität hat – unter Umständen gespartes, durch Rendite gewachsenes Kapital oder durch den Verkauf des Betriebes. Hinzu kommen ablaufende Verträge von Renten- oder Lebensversicherungen. Die Aufteilung des gesamten Kapitals erfolgt in einer Etappenstrategie. Dazu wird das Vermögen geteilt – in einen Wachstumsteil und in einen Entnahmeteil. Die eine Hälfte, den Wachstumsteil, lege der Kunde direkt wieder an, mit einem Anlagehorizont von zehn bis 15 Jahren. Dadurch ist das Risiko gering genug, wieder in Aktien anzulegen. "Das Geld kann arbeiten, um zumindest den Verbrauch ein bisschen zu kompensieren", erläutert Wolff, denn dieser Teil des Geldes wird ja nicht gebraucht in der ersten Etappe.

Für den anderen Teil, den Entnahmeteil, kommen dann vor allem Anleihen oder Festgeld infrage. Das Geld, was im ersten Jahr verbraucht werden soll, lässt sich gut auf ein Tagesgeldkonto legen. Das Budget für das zweite Jahr wird für ein Jahr festgelegt, das Geld für das dritte Jahr für zwei Jahre und so weiter. Wie hoch der Verbrauchsteil letztlich angesetzt wird, hängt natürlich von den persönlichen Bedürfnissen und Lebensumständen ab.

Ein Punkt, den viele Rentner unterschätzen, ist die Inflation. Das heißt, pro Jahr, das den Planungshorizont umfasst, sind höhere Ausgaben zu veranschlagen, die weniger stark steigenden Einkünften gegenüberstehen. Der Verzehr steige, so Wolff, um die durchschnittliche Inflationsrate von zwei Prozent jährlich an.

Nicht erwarten könne man, so Wolff weiter, dass der Wachstumsteil so weit zunimmt, dass er das verbrauchte Kapital vollständig ausgleicht. Wie stark der Wachstums­teil den Verzehr kompensiert, hängt maßgeblich von den Verhältnissen ab, sprich wie hoch die geplanten Entnahmen im Vergleich zur Vermögenshöhe sind. Auch wenn nach der ersten Etappe der Topf abgeschmolzen ist, so kann durch die Etappenstrategie ein Vermögensverzehr über mehrere Jahrzehnte erreicht werden.

Vermögenserhalt

Eine weitere Option ist es, die Rente aus Zinsen und Dividenden zu finanzieren. Das VZ Vermögenszentrum geht von 3,5 Prozent an planbaren Dividenden und Zinserträgen aus. Bei einer Million Euro Kapitalstock könne der Besitzer mit 35.000 Euro jährlich und damit rund 3.000 Euro monatlich rechnen. Der Kapitalstock werde so nicht aufgebraucht und könne an die Kinder vererbt werden, erläutert Wolff.

Wie das Vermögen länger reicht
TagesgeldEtappenstrategie
Startkapital 600.000 Euro 600.000 Euro
– Entnahme (netto)– 300.000 Euro – 300.000 Euro
+ Erträge (nach Steuern) + 33.250 Euro + 191.150 Euro
Restkapital nach 10 Jahren 333.250 Euro 491.150 Euro
Vorteil Etappenstrategie 157.900 Euro
Beispiel für eine Etappenstrategie
Annahme: Startkapital 600.000 Euro bei Renteneintritt. Im ersten Beispiel (linke Spalte) wird die Summe über einen Zeitraum von zehn Jahren als ­Tagesgeld zu 1 % p. a. angelegt. Im zweiten Beispiel (rechte Spalte) wird die Etappenstrategie angewandt. Der Verbrauchsteil wird in Anleihen zu 2 % p. a. investiert, der Wachstumsteil fließt in Aktien und bringt eine Rendite von 6 % p. a.
Berechnung: VZ VermögensZentrum