Leser sprechen Klartext DHZ-Rubrik "Tacheles": Ärger mit den Hobby-Uhrmachern

In dieser Rubrik machen Leser ihrem Ärger Luft. Ob Chef oder Mitarbeiter, jeder Handwerker kann der Redaktion in einem kurzen Text sein Anliegen schildern. Heute: Welche Probleme Uhrmacher mit unliebsamer und unqualifizierter Konkurrenz haben.

Uhrmacher sind großer Konkurrenz ausgesetzt. - © rrudenkois - stock.adobe.com

Uhren Schleicher aus Gernsbach bei Karlsruhe konnte Ende vergangenen Jahres 150-jähriges Geschäftsjubiläum feiern. Dieses Jubiläum nutzt Uhrmachermeister Markus Schleicher, um auf Probleme in seinem Handwerk aufmerksam zu machen.

Bedingt durch den Onlinehandel sei der Verkauf bei den Uhrenfachgeschäften stark eingebrochen, schreibt Schleicher an die DHZ-Redaktion. Corona habe dazu beigetragen, dass die noch wenigen treuen Fachhandelskunden in Richtung Onlinehandel abgewandert seien. Mittlerweile gebe es nur noch wenige Uhrmacher, die das Handwerk vollumfänglich ausübten, also von der kleinen Damenarmbanduhr bis zur Standuhr alles reparieren könnten.

Handwerkskunst geht verloren

Hingegen gebe es viele "Hobbyuhrmacher", die sich an Reparaturen versuchten, dadurch gehe die Handwerkskunst des Uhrmachers verloren, klagt Schleicher. Inwieweit ist das eine Bedrohung für das Uhrmacherhandwerk? Das wollte die DHZ von Joachim Dünkelmann, Geschäftsführer des Zentralverbands für Uhren, Schmuck und Zeitmesstechnik (Bundesinnungsverband des Uhrmacherhandwerks) wissen.

Dünkelmann antwortet: "Servicearbeiten und Reparaturen funktionieren glücklicherweise nicht am Bildschirm. Beim Verkauf von Uhren hat die Pandemiephase für einen Aufschwung bei den Internetverkäufen gesorgt, in der Spitze lag der Umsatzanteil der Pure-player bei immerhin fast 15 Prozent." Nach Corona sei der Anteil aber wieder auf rund zehn Prozent zurückgegangen. Dünkelmann schreibt weiter: "Generell geht die Zahl der Geschäfte und Werkstätten zurück, was aber weit überwiegend nicht an der Rentabilität, sondern der Nachfolgeproblematik liegt."

© Zentralverband für Uhren, Schmuck und Zeitmesstechnik

Nachschub im Geschäft

Dann fragte die Redaktion nach, ob immer mehr "Hobby-Uhrmacher" am Werk seien, die gelernten Handwerkern das Geschäft schwer machten? Dazu sagt Dünkelmann: "Der Auftragsbestand bei den Uhrmachern ist immer noch sehr hoch und die unverändert guten Verkaufszahlen von Uhren mit hochwertiger Mechanik sorgen langfristig für "Nachschub" im Geschäft mit Wartung und Revision. Wer bringt seinen Ferrari oder Porsche denn auch ernsthaft zum Hobby-Schrauber?" Selbst beim scheinbar einfachen Batteriewechsel günstiger Uhren könne man durch unprofessionelle Arbeitsweise viel falsch machen – was mancher Kunde leider zu spät lerne.

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