Kongress "Zukunft Handwerk" Günther Jauch: "Handwerk ist unheimlich unterschätzt"

TV-Moderator Günther Jauch spricht auf dem Branchenkongress "Zukunft Handwerk" über seine Sichtweisen als Unternehmer und erklärt, was er am Handwerk bewundert. Kritik übt er an der Bildungspolitik der vergangenen Jahrzehnte.

Günther Jauch sprach beim Kongress "Zukunft Handwerk" mit Wolfram Kons über seine Sicht aufs Handwerk. - © Erich Wörishofer

Was er zuletzt mit den Händen hergestellt hat? "Nix!" Welches Klischee er bei Handwerkern bestätigen kann? "Die Terminfindung!" Das waren nur zwei der Kurz-Fragen, die Moderator Wolfram Kons mit seinem RTL-Kollegen Günther Jauch im Dialog abhandelte. Fast eine Stunde plauderten sich die beiden zuvor bei der Zukunft Handwerk durch viele Themen. Über Jauchs Familiengeschichte und seinen Weg zum Weingutbesitzer und Winzer. Über seine Vorliebe für Oldtimer und alte Gebäude. Und darüber, dass er vielleicht Kfz-Mechaniker geworden wäre, wenn es mit der Karriere als Moderator nicht geklappt hätte. Den Zuhörern im vollbesetzten Hauptsaal des Kongresses gefiel der Austausch hörbar. Jauch, Moderator, Entertainer, Journalist und seit 30 Jahren Unternehmer, hatte in seiner bekannt süffisanten und eloquenten Art einiges zu erzählen.

Bewunderung für Problemlöser mit dem richtigen Händchen

Immer wieder kreisten die beiden um die Themen Handwerk und Unternehmertum. Jauch machte vielfach deutlich, welche Achtung er für die Handwerkerinnen und Handwerker empfindet. "Bei jedem Problem, das ich habe, erhöht es meine Bewunderung, für die, die dafür im wahrsten Sinne des Wortes ein Händchen haben, es zu lösen".  

Kritischer Blick auf Mindestlohn

Auch wenn er deutlich mehr Mundwerker als Handwerker ist, in die Sorgen und Nöte der Selbstständigen und Betriebsinhaber kann er sich gut hineinversetzen. Denn abseits des Mikrofons hat der 68-Jährige weitere Standbeine aufgebaut. 1995 kaufte er von einer Verwandten das jahrhundertealte und zu den deutschen Spitzenweingütern zählende Gut von Othegraven im Anbaugebiet Mosel in Rheinland-Pfalz auf. Als Inhaber sieht er etwa die Pläne von Union und SPD zum Mindestlohn kritisch: 15 Euro Mindestlohn seien aus Sicht der Beschäftigten zwar verständlich, "man vergisst aber, welche Belastung das für die Betriebe sind – auch mit den ganzen Nebenkosten". Für Unternehmen würden 15 Euro Mindestlohn dazu führen, dass die Gehaltsspirale bei den Facharbeitern entsprechend nach oben ginge – mit Folgen für die gesamte Preisstruktur.

"Bürokratie ist ein großes Problem"

Auch das Thema Bürokratie ist Jauch ein Ärgernis. Weniger als Unternehmer, mehr als Liebhaber von meist denkmalgeschützten Gebäuden. Mehreren geschichtsträchtigen Immobilien hat der TV-Moderator in den vergangenen Jahrzehnten neues Leben eingehaucht. Seine Erkenntnis dabei: "Bürokratie ist ein großes Problem. Es gibt immer neue Anforderungen und Vorschriften. Und das Schlimme ist, die Ämter wollen nichts mehr entscheiden." Die Angst vor falschen Entscheidungen, die oftmals fehlende Erreichbarkeit des Sachbearbeiters und etliche Auflagen, Gutachten zu erstellen, hätten seine Vorhaben bereits viele Jahre ausgebremst.

Mehr Meister, weniger Akademiker

Zum Schluss des launigen Dialogs brach Jauch nochmals eine Lanze für die Ausbildung im Handwerk. Er kritisierte deutlich den jahrelang propagierten Slogan "Aufstieg durch Bildung." Abitur und Studium seien von der Politik einseitig beworben – und auch finanziell besser gestellt worden. "Bafög wurde 1971 für Studenten eingeführt. Wie viele Jahre hat es gedauert, bis das Bafög auch im Handwerk angekommen ist – also das Meister-Bafög? 25 Jahre."

Sein Standpunkt: "Als ob man nur mit einem Abitur etwas erreichen könnte. Die Idee, dass es einem mit mehr akademischen Abschlüssen auch materiell besser geht, stimmt nicht mehr. Wenn ich mir Deutschland anschaue, die Infrastruktur, die Brücken, die Straßen und mehr: dann gibt es viel drängendere Probleme als das, was im akademischen Bereich gelehrt wird." Handwerker habe er in der Familie leider nicht, würde sich darüber aber freuen. Sein Schluss-Plädoyer: "Das Handwerk ist eine blühende Branche. Es ist wichtig und stark und unheimlich unterschätzt."