Gastbeitrag Tipps für das Investieren in turbulenten Zeiten

Volatilität ist nicht zwangsläufig negativ. Sie eröffnet Chancen für jene, die vorbereitet sind und besonnen handeln. Wie Anleger auf die aktuellen Marktschwankungen reagieren sollten.

Erfolgreiches Investieren erfordert mentale Stärke. Panikverkäufe schaden langfristig der Rendite. Der wichtigste Tipp: Einen Investmentplan erstellen und konsequent verfolgen. - © ChaotiC_PhotographY - stock.adobe.com

Der alte Hut "Streuung mindert das Risiko" gilt nach wie vor, aber wir müssen ihn neu interpretieren. In einer globalisierten Wirtschaft reicht es nicht mehr, einfach Aktien verschiedener Branchen zu mischen. Echte Diversifikation bedeutet, über Anlageklassen, Regionen und Strategien hinweg zu denken. Ergänzen Sie Ihr Portfolio um Elemente, die sich in Krisenzeiten bewährt haben. Dazu gehören Edelmetalle, Immobilien und ausgewählte Rohstoffe. Alternative Investments wie Private Equity oder Infrastruktur können stabilisierend wirken – vorausgesetzt, Sie haben den langen Atem dafür.

Qualität als Schutzschild

In volatilen Phasen zeigt sich oft, welche Unternehmen wirklich solide aufgestellt sind. Fokussieren Sie sich auf Qualitätsaktien mit starken Bilanzen, stabilen Cashflows und nachhaltigen Geschäftsmodellen. Diese bieten oft attraktive Dividendenrenditen. Ein Tipp: Schauen Sie sich Unternehmen an, die in früheren Krisen ihre Dividenden stabil gehalten oder sogar erhöht haben. Das zeugt von finanzieller Stärke und Managementqualität.

Flexibilität durch liquide Mittel

Cash mag in Zeiten niedriger Zinsen unattraktiv erscheinen, ist aber ein unterschätztes strategisches Instrument. Eine gesunde Cashquote ermöglicht es, schnell auf Opportunitäten zu reagieren, die sich in volatilen Märkten ergeben. Mein Rat: Halten Sie je nach Risikoneigung zehn bis 20 Prozent Ihres Portfolios in hochliquiden Mitteln. Das gibt die Flexibilität, bei Kursrücksetzern gezielt zuzukaufen, ohne bestehende Positionen auflösen zu müssen.

Aktives Risikomanagement

Volatilität erfordert ein aktives Risikomanagement. Setzen Sie klare Stopp-Loss-Marken, um größere Verluste zu begrenzen. Gleichzeitig sollten Sie aber auch Ihre Gewinner laufen lassen – eine der schwierigsten Übungen für viele Anlegerinnen und Anleger. Eine Strategie, die ich gerne anwende: Das Rebalancing des Portfolios. Verkaufen Sie regelmäßig einen Teil Ihrer Gewinner und reinvestieren Sie in unterbewertete Positionen. So bleiben Sie Ihrer Strategie treu und nutzen gleichzeitig Marktineffizienzen.

Psychologie als Erfolgsfaktor

Letztlich ist erfolgreiches Investieren in volatilen Märkten eine Frage der mentalen Stärke. Panikverkäufe sind der häufigste Grund, warum Anlegerinnen und Anleger langfristig hinter der Marktentwicklung zurückbleiben. Mein wichtigster Tipp: Entwickeln Sie einen Investmentplan und halten Sie daran fest. Überprüfen Sie Ihre Strategie regelmäßig, aber lassen Sie sich nicht von täglichen Kursschwankungen aus der Ruhe bringen.

In diesem Sinne: Investieren Sie mit Weitsicht und bleiben Sie gelassen. Denn wie schon Warren Buffett sagte: "Sei ängstlich, wenn andere gierig sind und gierig, wenn andere ängstlich sind."

Zum Autor: Heiko Löschen ist Vermögensverwalter bei der GSP asset management GmbH in Münster.