Vergleicht man die Ausbildungsvergütungen in verschiedenen Wirtschaftsbereichen, zeigt das Handwerk in den vergangenen Jahren einen besonders starken Anstieg. Am meisten profitiert haben dabei Azubis in Berufen mit eher niedrigen Vergütungen und einem Bewerbermangel.

Die Ausbildungsvergütungen, die Unternehmer in Deutschland ihren Azubis bezahlen, nähern sich einem Durchschnitt an. Sowohl die Unterschiede bzw. Ungleichheiten zwischen den einzelnen Wirtschafts- und damit auch Ausbildungsbereichen – wie Handwerk, Industrie, Dienstleistungssektor oder Öffentlicher Dienst – nehmen ab, als auch die innerhalb der Berufe, zwischen Ost und West und den Regionen insgesamt. Das ist das Ergebnis einer Analyse des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB), die sich die Entwicklung der Ausbildungsvergütungen zwischen 2020 und 2023 genauer angeschaut haben.
Dabei zeigen sich ein deutlicher Anstieg der Vergütungen. Bezogen auf das erste Ausbildungsjahr sind sie durchschnittlich um 13 Prozent von 829 Euro auf 934 Euro gestiegen. Zwar gibt es noch immer Unterschiede zwischen den Ausbildungsbereichen, doch diese werden kleiner. Eine Annäherung zeigt sich den Berufsbildungsexperten zufolge dabei vor allem dort, wo bisher vergleichsweise geringere Ausbildungsvergütungen gezahlt wurden.
Ausbildungsvergütungen im Handwerk: Im Schnitt höchster Anstieg
"Im Handwerk, dem Bereich mit der niedrigsten durchschnittlichen Vergütung, war der Anstieg mit 16 Prozent von 706 auf 816 Euro überdurchschnittlich hoch", teilt das BIBB mit. Im Vergleich dazu, fiel der Zuwachs im Öffentlichen Dienst mit sechs Prozent eher gering aus. Hier stieg die Vergütung von 1.017 Euro auf 1.075 Euro. Die weiteren Ausbildungsbereiche verzeichneten einen Anstieg von 12 bis 14 Prozent. So kam die Durchschnittsvergütung 2023 im ersten Ausbildungsjahr auf 976 Euro in Industrie und Handel, auf 956 Euro in der Hauswirtschaft, auf 934 Euro in den Freien Berufen und 902 Euro in der Landwirtschaft.
Ablesbar ist die Annäherung von unten auch in den Berufen, die zu den sogenannten Engpassberufen gehören. Das sind die Berufe, in denen der Bewerbermangel besonders stark ist. Dies deutet nach Angaben des BIBB darauf hin, dass Ausbildungsbetriebe bei einem Bewerbermangel versuchen, ihre Ausbildungsstellen durch eine Erhöhung der Vergütung attraktiver zu machen, um so Auszubildende zu gewinnen. Die Anhebung der Ausbildungsvergütungen sei hier überproportional hoch.
Zu beachten ist hierbei, dass in die Analyse vertraglich vereinbarte Ausbildungsvergütungen als monatliche Bruttovergütungen berücksichtigt wurden – sowohl von tarifgebundenen Betrieben als auch von denen ohne Tarifbindung. Tarifliche Ausbildungsvergütungen sind in den vergangenen Jahren vielfach gestiegen, doch auch sie enthalten Unterschiede je nach Branche und Region. Nicht tarifgebundene Ausbildungsbetriebe können von Tarifverträgen um maximal 20 Prozent nach unten abweichen.
Ausbildungsvergütungen im Süden höher als im Osten Deutschlands
Gültig für alle ist allerdings die gesetzlich festgelegt Mindestausbildungsvergütung – und auch diese ist gestiegen. Seit ihrer Einführung im Jahr 2020 ist die Mindestausbildungsvergütung wurde sie um 20 Prozent angehoben und damit deutlich stärker als die Durchschnittsvergütung, die um 13 Prozent gestiegen ist. Das erklärt auch, warum die Berufe mit eher niedrigen Vergütungen den stärksten Anstieg verzeichnen.
Schaut man sich die Regionen bzw. Bundesländer an, gibt das BIBB auch hier eine Verringerung der Ungleichheiten an. Diese fällt allerdings nicht so weit aus, dass die Unterschiede verschwinden. Weiterhin zeigen sich Differenzen zwischen Ost- und Westdeutschland. Nach Angaben der Berufsbildungsforscher sind die durchschnittlichen für das erste Ausbildungsjahr vereinbarten Vergütungen in Mecklenburg-Vorpommern mit 873 Euro und Sachsen mit 875 Euro am niedrigsten und in Baden-Württemberg mit 978 Euro und Bayern mit 971 Euro am höchsten. jtw
>>> Weitere Ergebnisse der Analyse können Sie unter bibb.de nachlesen.