Verwöhnung kann junge Menschen ausbremsen. Eine Friseurmeisterin sucht Lösungen – und zeigt, wie aus einer Herausforderung eine Chance wird. Mehr dazu in der Kolumne von Ausbildungsberater Peter Braune.

Der Begriff "Verwöhnung" soll auf den Wiener Arzt Alfred Adler zurückgehen. Diese Verhaltensweise zeichnet sich durch hohe Ansprüche an andere bei gleichzeitig geringem eigenen Einsatz aus.
Die Wurzeln des Problems
Die Ursache liegt oft in der Erziehung: Eltern nehmen ihren Kindern aus wohlmeinender Behütung einfache Aufgaben ab und erfüllen ihnen jeden Wunsch. Dadurch werden sie von Pflichten und Mitverantwortung befreit, die sonst in der Familie anfallen würden. Zu viele materielle Güter, ein Übermaß an Süßigkeiten und zahlreiche Ausnahmen von geltenden Regeln verstärken dieses Verhalten.
Die Herausforderung im Friseursalon
Eine Friseurmeisterin bildet in ihrem Salon eine junge Kosmetikerin aus. Im ersten Lehrjahr wird schnell klar: Die Auszubildende ist verwöhnt. Sie bleibt unter ihren Möglichkeiten, weil ihr Engagement fehlt. Doch das ist nicht alles. Nach sorgfältiger Beobachtung entsteht eine lange Liste von Auffälligkeiten:
- Bei mehreren gleichzeitigen Aufgaben gerät sie ins Stocken.
- Sie erkennt selbstständig keine zu erledigenden Tätigkeiten.
- Sie hat keine klaren Ziele für ihre Ausbildung.
- Aufgaben werden oberflächlich und ohne Struktur erledigt.
- Eigeninitiative und Lernbereitschaft fehlen.
- Sie erwartet ständig Hilfe und Unterstützung.
- Eigene Bemühungen sind kaum erkennbar.
- Sie wartet auf Anweisungen, statt selbstständig zu handeln.
- Für Schwierigkeiten macht sie andere verantwortlich.
- Bei der kleinsten Hürde gibt sie auf.
- Ihre Anstrengungsbereitschaft ist gering.
Das klärende Gespräch
Die Meisterin sucht das Gespräch mit ihr. Dabei stellt sich heraus, dass die Eltern durch ihre Erziehung ungewollt diese Verhaltensweisen gefördert haben.
Lösungsansätze im Team
Trotz allem ist die junge Frau bei Kundinnen und Kolleginnen beliebt. Die Meisterin möchte ihr helfen. Aber wie? Gemeinsam mit dem Team entwickelt sie Lösungsansätze. Eine Moderationswand wird aufgestellt, jede Mitarbeiterin schreibt ihre Ideen auf Karten. Die Vorschläge sind vielfältig:
- Klare betriebliche Ziele und Regeln festlegen.
- Erwartungen definieren und konsequent umsetzen.
- Sorgfalt einfordern.
- Überforderung vermeiden.
- Verantwortung schrittweise übertragen.
- Gelassen mit Misserfolgen umgehen.
- Schwierigkeiten beobachten und gezielt helfen.
- Lob und Ermutigung aussprechen.
- Eigenverantwortliches Arbeiten fördern.
- Aufgaben gemeinsam beginnen, dann selbstständig erledigen lassen.
- Chancen zur Erprobung bieten.
- Wiederholungen ermutigen.
- Erfolge gezielt nutzen.
- Ausbildungsfortschritt regelmäßig überprüfen.
- Motivation durch Anreize steigern.
- Lernziele in kleinere Schritte unterteilen.
Die Meisterin erprobt drei Vorschläge, und erste Erfolge werden sichtbar. Das motiviert alle Beteiligten, weiter mit der jungen Frau zu arbeiten.