Exklusive DHZ-Analyse Neuer Bundestag: Nur wenige Handwerker

Sechs Handwerksmeister sind im neuen Parlament, die AfD und Union stellen die meisten Abgeordneten mit Handwerksbezug. Zahlreiche Abgeordnete mit Nähe zum Handwerk kommen aus Ostdeutschland.

Der 21. Deutsche Bundestag hat 630 Sitze. - © angelo.gi - stock.adobe.com

Rund 40 Personen mit Handwerksbezug ziehen ins neue Parlament ein. Einige sind alte Bekannte, wenige Handwerker sind neu im Bundestag. Mitglieder des Bundestags (MdB) mit Nähe zum Handwerk machen kaum sieben Prozent der Abgeordneten aus. Das zeigt eine Analyse der Deutschen Handwerks Zeitung.

In allen Fraktionen, die im 21. Deutschen Bundestag vertreten sind, finden sich Abgeordnete, denen das Handwerk nicht fremd ist. In den Parteien und Regionen ist der Mittelstand allerdings unterschiedlich repräsentiert. Die meisten Abgeordneten mit Bezug zum Handwerk finden sich in bürgerlich-konservativen oder rechten Parteien wie der Union oder der AfD – und sie kommen häufig aus ländlichen Gegenden.

Alle Handwerksmeister im Bundestag

Insgesamt 41 Personen haben einen handwerklichen Hintergrund oder eine Nähe zum Handwerk. Lediglich sechs Handwerksmeister sitzen im neuen Bundestag: Maler- und Lackierermeister Tino Chrupalla (AfD), Metallbaumeister Danny Meiners (AfD), Metzgermeister Alois Rainer (CSU), Dachdeckermeister Otto Strauß (AfD). Neu im Parlament vertreten sind Landmaschinenmechanikermeister Sieghard Knodel (AfD) und Fleischermeisterin Nora Seitz (CDU). Einige der neuen Abgeordneten haben zwar keinen Meistertitel, aber eine Lehre im Handwerk oder dem Handwerk verwandten Berufen absolviert.

Bayern und die AfD an der Spitze

Übersicht der Bundesländer: Personen mit Handwerksbezug im Bundestag - © Eigene Recherche

Die Analyse zeigt auch, dass die meisten Abgeordneten mit Handwerkshintergrund der AfD-Fraktion angehören, darauf folgen Union und SPD. Mit neun Abgeordneten sind bayerische Handwerker am stärksten im künftigen Parlament vertreten, gefolgt von Sachsen (7) und Niedersachsen (6).

Die Abgrenzung von Handwerkern zur Industrie oder zum Dienstleistungssektor war mitunter nicht leicht zu analysieren. Deshalb wird in der Auswertung auch als Handwerker gezählt, wer eine Ausbildung in einem verwandten Beruf anderer Branchen gemacht hat. Aufgeführt werden überdies nicht nur aktive Handwerksmeister, sondern auch Frauen und Männer, die in ihrer Jugend eine Ausbildung mit Bezug oder Nähe zum Handwerk absolviert haben, längst aber anderweitig tätig sind, sich also womöglich gar nicht mehr als Handwerker definieren. Es geht also vor allem darum aufzuzeigen, welche Abgeordnete schon einmal eine Werkstatt, Fabrikhalle oder einen Betrieb als Beteiligte von innen gesehen haben.

Handwerker sind seit Gründung der Bundesrepublik nicht sonderlich zahlreich in der Bundespolitik vertreten. Juristen, Politologen, Aktivisten – gewisse Berufsgruppen dagegen sind besonders stark repräsentiert. Die Zusammensetzung des Bundestags wird deshalb seit Jahren kontrovers diskutiert. Kritiker mahnen an, dass verschiedene gesellschaftliche Kräfte im Parlament besser vertreten sein müssten.

Politikerinnen und Politiker mit Migrationsgeschichte

Was den Anteil der Frauen betrifft, bildet der Bundestag die deutsche Bevölkerung nicht repräsentativ ab. Etwas mehr als die Hälfte der Deutschen sind weiblich, im Bundestag ist es aber weniger als ein Drittel (32,4 Prozent). Der Anteil der Frauen im Vergleich zum vorigen Bundestag ist sogar zurückgegangen.

Der Anteil von Politikerinnen und Politikern mit Migrationsgeschichte ist im neuen Bundestag leicht gestiegen, meldet der Mediendienst Integration. Er liegt nun bei 11,6 Prozent. In der zurückliegenden Wahlperiode waren es 11,3 Prozent.

Verglichen mit der letzten Bundestagswahl gibt es, bezogen auf die Repräsentanz des Handwerks, kaum Veränderungen. Im 20. Bundestag waren sieben Handwerksmeister vertreten. Allerdings ist die Anzahl der Personen mit Handwerkshintergrund in der SPD und bei den Linken stark zurückgegangen. Einen Handwerksmeister sucht man in den Reihen der linken und sozialdemokratischen Abgeordneten vergeblich.


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