Ausbildungsberater Peter Braune erklärt in seiner Serie, warum Betriebe ihren Auszubildenden einen festen Lernort einrichten sollten – und wie das auch auf kleinstem Raum funktioniert.

Die Praxis ist das eine, die Theorie das andere: Auch wenn Azubis hauptsächlich im Team und direkt am Arbeitsplatz lernen, brauchen sie einen Ort für die theoretische Ausbildung. Das kann eine simple Lernecke sein, ein Azubi-Platz in der Werkstatt oder ein kompletter Schulungsraum.
Darauf kommt es bei der Einrichtung an
Der Lernort muss ergonomisch gestaltet sein. Dazu gehören gute Beleuchtung, angenehme Temperatur und Schutz vor Lärm. Auch Computer und Software für Recherchen und Ausbildungsnachweise sind wichtig.
Von der Werkbank bis zur Lerninsel: Beispiele für Lernorte
- In einer Schlosserei lernt ein angehender Metallbauer direkt am Arbeitsplatz. Der Vorteil: Der Azubi bekommt sofort Feedback und kann neue Fertigkeiten direkt anwenden. Kenntnisse und Fertigkeiten kann sich der Lehrling in echter Arbeitsumgebung aneignen, weil die Ausbildung in Arbeitsabläufe eingebettet ist. Das Hauptaugenmerk liegt auf dem Tun. Er fühlt sich direkt mit den Beschäftigten und Aufgaben verbunden. Es besteht die Möglichkeit, sich persönlich über deren Tätigkeiten zu informieren. Er kann Erfahrene einige Zeit begleiten und deren Arbeitsweisen beobachten.
- Eine Buchbinderei zeigt, wie Lernen auch auf kleinem Raum funktioniert: Der Meister richtet eine Lernecke neben seinem Arbeitsplatz ein – mit ergonomischem Tisch und allen wichtigen Werkzeugen an der Wand.
- Größere Betriebe setzen auf Lerninseln: Dabei handelt es sich um frei zugängliche Tische mit mehreren Arbeitsplätzen, an denen Azubis auch in Gruppen arbeiten können. Steckdosen für Laptops sind integriert.
- Drei ganz unterschiedliche Handwerksbetriebe haben ihren Sitz nah beieinander. Bei allen wird der Beruf Kauffrau und Kaufmann für Büromanagement ausgebildet. Eines Tages beschließen sie, gemeinsam ein Ausbildungsbüro einzurichten. Dort üben die Lehrlinge unter Anleitung einer hauptamtlichen Ausbilderin Aufgaben aus Einkauf, Verkauf und Rechnungswesen.
- Manche Berufe brauchen mehr Platz: Ein Malerbetrieb nutzt eine Lehrwerkstatt für die Grundausbildung im ersten Lehrjahr. Dort lernen sechs bis zwölf Azubis unter Anleitung erfahrener Fachkräfte.
- Ein Elektronikbetrieb setzt auf einen Schulungsraum: Dort bereiten sich die künftigen Gebäudesystemintegratoren auf Prüfungen vor und lernen firmenspezifische Inhalte. Der Raum dient auch der Weiterbildung der Mitarbeiter.
Die Botschaft ist klar: Egal ob Lernecke oder Schulungsraum – ein eigener Lernort hilft Azubis, Theorie und Praxis besser zu verbinden. Und das zahlt sich für beide Seiten aus.
Ihr Ausbildungsberater Peter Braune
Peter Braune hat Farbenlithograph gelernt, war Ausbilder und bestand in dieser Zeit die Ausbildungsmeisterprüfung. Er wechselte als Ausbildungsberater zur Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main. Dort baute er dann den gewerblich-technischen Bereich im Bildungszentrum auf und leitete die Referate gewerblich-technischen Prüfungen sowie Ausbildungsberatung, zu der auch die Geschäftsführung vom Schlichtungsausschuss gehörte. Danach war er Referent für Sonderprojekte.