Ausbildungsserie Lehren mit Methode: Wenn der Ausbilder im Mittelpunkt steht

Wenn es um frische Inhalte geht oder um Vertiefung eines Themas, können ausbilderzentrierte Methoden das richtige Mittel sein. Was dahinter steckt und welche Werkzeuge sinnvoll eingesetzt werden können, erklärt Ausbildungsberater Peter Braune in seiner Ausbildungsserie.

Beim Lehrvortrag referiert der Ausbilder zu einem meist bekannten Thema. Azubis nutzen dies, um ein Thema zu vertiefen und Fragen zu ste - © industrieblick - stock.adobe.com

Um Lehrlinge im Beruf auszubilden, haben die Verantwortlichen mehrere Methoden zur Auswahl. Bei einigen der Methoden stehen die Lehrlinge im Mittelpunkt. Hierzu gehören unter anderen die Leittextmethode oder die Projektmethode.

Im Gegensatz dazu gibt es den Ansatz, ausbilderzentriert zu arbeiten. Hier stehen überwiegend die Ausbilderin oder der Ausbilder im Mittelpunkt. Das betrifft viele Punkte: wenn sie demonstrieren, präsentieren, vortragen, fragen oder ein Thema besprechen.

Welche Formen von ausbilderzentrierten Methoden gibt es?

Wenn Ausbildungsverantwortliche die Richtung vorgeben, dann sind gängige Formen die Präsentation, die Vier-Stufen-Methode oder der Lehrvortrag. Aber was bedeuten diese Varianten?

Präsentation

Eine Präsentation eignet sich, um einer großen Lehrlingsgruppe ein bestimmtes Thema zu vermitteln.

Vier-Stufen-Methode

Die Vier-Stufen-Methode ist ein gutes Mittel, wenn es um die Vermittlung von noch nicht angeeigneten Fertigkeiten im Zusammenhang mit einem Lernziel geht. Die Methode gilt als darbietende Form der Unterweisung, das heißt durch Vor- und Nachmachen von Tätigkeiten lernen die Lehrlinge alles, was zur fachgerechten Ausführung von einem Lernziel gehört. Ausbilder erkennen in dieser schrittweisen Lehrmethode Fehler rechtzeitig, Auszubildende üben nichts falsch ein. Weitere Vorteile: Die Lehrlinge merken sich die Arbeitsschritte in der richtigen Reihenfolge, können Fragen stellen, den Arbeitsablauf nachmachen und üben.

Lehrvortrag

Ein Lehrvortrag wird oft eingesetzt, wenn sich die Lehrlinge bereits Kenntnisse und Fertigkeiten zu einem Lernziel angeeignet haben. Bei einem Lehrvortrag, oder auch Referat genannt, wird ein Thema mündlich behandelt. Oft verwenden Ausbilder auch Medien (Bilder, Fachliteratur, Videos, etc.), um den Sachverhalt zu verdeutlichen. Die Lehrlinge hören aufmerksam zu und machen sich Notizen. Diese werden später zum Wiederholen des Gehörten oder für Fragen genutzt. Die Methode eignet sich zum Beispiel zum Einsatz vor einer neuen Berufsbildposition.

Geschickte Ausbilderinnen und Ausbilder beziehen die Lehrlinge aktiv in ihren Vortrag ein. Das gilt vor allem, wenn

  • das Thema schwierig ist
  • das Thema nur bedingt nachvollziehbar ist
  • die Lehrlinge mit ihren Gedanken nicht bei der Sache sind
  • kein oder kaum Interesse am Thema herrscht.

Das Ziel und der Inhalt von einem Lehrvortrag werden vorgegeben. Die Lehrlinge versuchen die gedanklichen Schritte nachzuvollziehen. Offene Fragen sollen zu eigenständigen Antworten anregen. Diese dienen auch als Rückmeldung für die Ausbildungsverantwortlichen, ob die Inhalte verstanden wurden oder nicht.

Dabei können Ausbildungsleiter die Lerninhalte aktiv lenken und Denkanstöße zum eigenständigen Lernen geben. Die Lehrlinge beteiligen sich aktiv am Vortrag. Das Lehrgespräch eignet sich, wenn bereits Vorkenntnisse vorhanden sind. Unter Umständen wird es auch genutzt, um zurückhaltende Lehrlinge etwas aus der Reserve zu locken.

In vielen Fällen wird so ein Lehrvortrag durch eine PowerPoint-Präsentation unterstützt, jedoch ohne vom Inhalt des Vortrages abzulenken. Dabei sind ein paar grundsätzliche Punkte zu berücksichtigen:

  • Auf jeder Abbildung ist erkennbar, um welche Stelle des Lehrvortrags es geht
  • Die Folien sind einheitlich gestaltet
  • Die Texte sind kurz und knapp 
  • Es gibt Schriftblöcke mit Abständen zwischen Aussagen oder Einrückungen
  • Verwendet werden gerade Schriften wie Arial
  • Es werden nicht mehr als drei Farben verwendet
  • Passende Bilder ergänzen die Texte 
  • Sparsamer Einsatz der Folienanzahl

Da wir es in letzter Zeit mit einer gewissen Überpädagogisierung der Berufsausbildung zu tun haben, gibt es eine recht große Gruppe, die behauptet, Präsentation, Vier-Stufen-Methode und Lehrvortrag wären altbacken. Das mag im einen oder anderen Fall stimmen. Es wäre jedoch mehr als wünschenswert, wenn alle, die nebenberuflich die Aufgabe als Ausbilderin oder Ausbilder übernommen haben, überhaupt eine dieser altbackenen Methoden anwenden würden. Es ist zu befürchten, dass zu viele Ausbildungsverantwortliche davon ein ganzes Stück entfernt sind.

Ihr Ausbildungsberater Peter Braune

Peter Braune hat Farbenlithograph gelernt, war Ausbilder und bestand in dieser Zeit die Ausbildungsmeisterprüfung. Er wechselte als Ausbildungsberater zur Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main. Dort baute er dann den gewerblich-technischen Bereich im Bildungszentrum auf und leitete die Referate gewerblich-technischen Prüfungen sowie Ausbildungsberatung, zu der auch die Geschäftsführung vom Schlichtungsausschuss gehörte. Danach war er Referent für Sonderprojekte.