Weinfässer und Pflanzkübel in Handarbeit Wie eine traditionsreiche Fassfabrik sich neu erfand

Das 200 Jahre alte Familienunternehmen "Fassfabrik Müller" ist eine der wenigen verbliebenen Büttnereien in Bayern. Sieben Generationen nach der Gründung hat der Betrieb weit mehr als nur Fässer zu bieten.

Vom KfZ-Mechaniker zum Büttnermeister: Albin Busch führt mit Ehefrau Marita das Familienunternehmen der Schwiegereltern fort und entwickelt es weiter. - © Tina Müller

Im Ausstellungsraum der Fassfabrik Müller im mittelfränkischen Unternesselbach dominiert das Holz in vielen Schattierungen. Gartengarnituren reihen sich ein in eine Vielzahl an selbst hergestellten und gravierten Artikeln: Ein Krug, ein Brotzeitbrett oder auch ein Kochlöffel mit persönlicher Widmung oder Namen stehen nebeneinander. Selbst gravieren ist für den Handwerksbetrieb kein Problem. "Aber das läuft eigentlich nur so nebenbei", verrät Albin Busch, der das Unternehmen gemeinsam mit seiner Frau Marita führt. Denn das Kerngeschäft ist ein anderes und diese Kunst entfaltet sich erst eine Tür weiter.

Wenn die Eiche schön dicht macht

Tür auf: Holzspäne liegen auf dem Boden, die Säge kreischt durch die hohe, helle Werkstatt. Mit Kopfhörern auf den Ohren sägen zwei der insgesamt acht Mitarbeiter des Betriebs Holzlatten auf die gleichen Längen ab. Diese Fassdauben werden später zu einem Fass zusammengesetzt. Und die gibt es in unterschiedlichen Holzarten. An der Säge liegt gerade Eichenholz. 90 Prozent aller Fässer bestehen daraus. Das liegt daran, dass Eiche eher langsam wächst und das Holz dadurch dichter hält als andere Holzarten.

Holznote für das richtige Destillat

Und bei dieser Thematik beginnt der eigentliche Fassbau – bei der Auswahl des richtigen Holzes. Je nach Einsatzort und nach gewünschter Größe wird die Holzart definiert und das Material entsprechend vorbereitet. Beispielsweise gibt es besondere Destillate, für die Eiche nicht das richtige Holzfass wäre, um den erwünschten Geschmack zu erlangen: "Williams Birnen Schnaps sollte in ein Eschenfass, da die Esche weniger Gerbsäure abgibt, dem Schnaps aber die gold-gelbe Färbung und eine gewisse Holznote verschafft", erklärt Büttner Albin Busch über das Geräusch der Sägen hinweg.

Ob Eiche oder Esche: Ist das Holz auf die passende Größe geschnitten, muss es zunächst ein bis zwei Jahre trocknen, bevor es weiterverarbeitet werden kann. "Das ist schon eine große Herausforderung, ich muss jetzt schon wissen, welche Fässer die Kunden in zwei Jahren haben möchten“, erklärt der Geschäftsführer und läuft weiter durch die Werkstatt. "Wir haben zwar auch eine Trockenkammer, aber da kann man nur circa ein Jahr aufholen."  

Szenenwechsel: In einem Nebenzimmer zur Werkstatt geht es etwas ruhiger zu. Hier werden die fertig zusammengesetzten Fässer geschliffen. Jedes einzelne Fass ist ein Unikat und wird separat zusammengeleimt, geschliffen und lackiert; alles Handarbeit.

Wenn das Fass auch getoastet wird

Die Größen, die der Markt benötigt, werden in der Fassfabrik Müller hergestellt: Das reicht von 1 Liter bis 300 Liter Fassungsvermögen. Je nach Verwendungszweck kann das Fass auch noch innen gewachst oder "getoastet" werden, wie die Fachleute sagen. Beim Toasten wird das Fass mit Feuer erhitzt und erhält wiederum eine besondere Geschmacksnote. So wird bei einem Rotwein beispielsweise gerne mehr "getoastet", dem Weißwein schmeckt das weniger.

Erst wird die Holzart ausgewählt, danach die Fassdauben auf die gewünschte Länge abgeschnitten.

Familientradition seit dem 19. Jahrhundert

Holz auswählen, Dauben schneiden, Trocknen und Toasten: Den Alltag, den Albin Busch heute hat, lernte er auf dem zweiten Bildungsweg. Der 51-jährige Büttnermeister übernahm den Betrieb 2008 gemeinsam mit seiner Frau von den Schwiegereltern – damit besteht Fassbau Müller bereits in der siebten Generation. Dabei war die Arbeit in der Fassfabrik für den ursprünglichen KFZ-Mechaniker eigentlich nur als Überbrückung für die Zeit vor dem Wehrdienst geplant.

Da ihm die Arbeit jedoch Spaß machte, beschloss er noch eine Ausbildung zum Schreiner und anschließend zum Büttner anzuhängen. Eine Entscheidung, die er nie bereute. Auch Schwiegermutter Monika ist stolz auf ihren Schwiegersohn. „Er ist so ein fleißiger“, sagt sie im Vorbeigehen. Mit ihren 74 Jahren unterstützt auch sie die Familie immer noch so gut es geht. Auch die Kinder helfen bereits mit. Der Fleiß zahlt sich aus: Im letzten Jahr hat das Familienunternehmen bereits das 200-jährige Bestehen gefeiert.

Wellness und Pflanzen als zweites Standbein

Und sich in diesen 200 Jahren teils neu erfunden. Heute ist die Fassfabrik mehr als eine reine Büttnerei. Nur wenige Meter entfernt steht eine weitere Halle. Um ein zweites Standbein aufzubauen, investierte der Büttnerbetrieb 2014 und übernahm einen Produzenten für Sauna- und Pflanzenkübel. Mit einem Schlag war der Fassbauer einer der größten Hersteller für Saunaaufgusskübel in Deutschland. Das Besondere: Die Maschinen zur Herstellung der Kübel sind Unikate. Trotz maschineller Unterstützung darf auch hier das Handwerk nicht fehlen, beispielsweise beim letzten Feinschliff. Besonders die hochwertigen Pflanzenkübel waren im vergangenen Jahr stark nachgefragt. Hauptabnehmer sind dabei Städte- und Schlossverwaltungen, zur Dekoration der eigenen Gärten.

Zweites Leben für ausgediente Fässer

Hinter den Werkstätten befindet sich das Holzlager. Hier reihen sich Holzpaletten, Fässer und Pflanzenkübel aneinander. Auch fertige Fassdauben, die schon länger lagern und auf den Einsatz warten, sind noch auf Vorrat. „Dadurch, dass wir schon so weit im Voraus entscheiden müssen, für welche Fassgrößen wir das Holz abschneiden, kann es auch passieren, dass mal etwas liegen bleibt“, erklärt Busch. Er ist jedoch trotzdem optimistisch: „Da muss ich mir dann eben etwas Neues überlegen, für das ich das Holz verwenden kann.“ Auch bereits benutzte Fässer stehen in der Halle. Da ein Fass nach zwei bis drei Jahren seine Gerbsäure verliert, ist es üblich, dass beispielsweise Wein nach einer bestimmten Zeit in ein anderes, neueres Fass umgelagert wird. Dadurch haben alte Holzfässer bei Winzern nicht selten ausgedient. Diese kauft die Fassfabrik zurück und verarbeitet sie zum Beispiel zu Holzstehtischen weiter. Eine weitere Besonderheit: Der Büttnerbetrieb bietet mittlerweile auch selbst hergestellten Schnaps und Whiskey an. Natürlich in den eigenen Fässern gereift.

Dieser Beitrag ist im Rahmen eines Reportage-Projekts des Master-Studiengangs Fachjournalismus und Unternehmenskommunikation an der Technischen Hochschule Würzburg-Schweinfurt entstanden. Die Deutsche Handwerks Zeitung ist Kooperationspartner für dieses Seminar.