Geschäftsklima So geht es dem Handwerk

Jeder fünfte Handwerksbetrieb beurteilt seine Geschäftslage als schlecht. Es fehlen Aufträge und immer mehr Arbeitsplätze gehen verloren. Ein Blick in die verschiedenen Branchen.

Lediglich im Lebensmittelgewerbe nahm der Geschäftslage-Index am aktuellen Rand zu. Alle anderen Branchengruppen blieben zum Jahresende hinter den Septemberwerten zurück. - © rh2010 - stock.adobe.com

Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Deutschland sind in vielerlei Hinsicht kompliziert. Zum einen herrscht Unsicherheit darüber, wie die Produktion langfristig klimaneutral gestaltet und finanziert werden kann. Zudem fehlt eine überzeugende Strategie gegen den Fachkräftemangel. Im Zentrum der Krise steht die Industrie. Das Flaggschiff der deutschen Wirtschaft hat Schlagseite. Verschärft werden ihre Probleme durch eine schwache Auslandsnachfrage, harte chinesische Konkurrenz und eine bröckelnde Wettbewerbsfähigkeit. Letztere hat unter anderem mit den vergleichsweise hohen Steuern und Energiepreisen hierzulande zu tun. Der Abbau von Kapazitäten ist bereits im Gange, die Zahl der insolventen Unternehmen steigt.

Investoren und Verbraucher halten sich angesichts dieses Szenarios zurück, auch weil die Politik keine Zuversicht wecken kann. Dies gilt erst recht nach dem Bruch der Ampel-Koalition und der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten. Zur Vertrauenskrise kommen die Folgen des Zinsschocks 2022 hinzu, der noch immer die Nachfrage dämpft.

Stimmung trübt sich ein

Das deutsche Handwerk spürt diesen Gegenwind. In den von der Deutschen Handwerks Zeitung (DHZ) untersuchten Umfragen im Dezember 2024 gaben 20 Prozent der Betriebe an, ihre Geschäftslage sei schlecht. 35 Prozent beurteilten sie mit gut, 45 Prozent mit befriedigend. Daraus resultiert ein Indexwert von 116 Punkten, acht Punkte weniger als zum Herbstbeginn und ebenso viele wie vor einem Jahr.

Lediglich im Lebensmittelgewerbe nahm der Geschäftslage-Index am aktuellen Rand zu. Alle anderen Branchengruppen blieben hinter den Septemberwerten zurück.

Auch die Auftragslage sorgt für Enttäuschung. Ein erheblicher Anteil der Handwerksfirmen (28 Prozent) hält den Auftragsbestand gemessen an der Jahreszeit für zu niedrig. Seine Reichweite bewegte sich Ende Dezember mit 2,0 Monaten auf einem mehrjährigen Tiefstand.

Der handwerkliche Arbeitsmarkt verlor ebenfalls weiter an Schwung. Zehn Prozent der Betriebe weiteten ihre Personalkapazität im Schlussquartal 2024 aus, 17 Prozent reduzierten sie. Für Ende September hatte das Bundesamt für Statistik einen Rückgang der Beschäftigung um 1,7 Prozent gegenüber 2023 vermeldet. Das Bauhauptgewerbe büßte dabei sogar annähernd vier Prozent ein. Seit 2020 ist die Beschäftigung im Handwerk rückläufig, und zwar um rund 180.000 Personen, bei zunehmender Rate. Eine Trendwende ist angesichts der nun voll durchschlagenden Alterungseffekte schwer vorstellbar.

Verhaltene Umsatztätigkeit

Die Auslastung sackte vom dritten zum vierten Quartal um drei Punkte auf 77 Prozent ab. Seit 2010 wurden die Kapazitäten nur im Coronajahr 2020 weniger stark genutzt. Passend dazu beklagten 28 von 100 Teilnehmern schrumpfende Einnahmen. Im Zeitraum Januar bis September 2024 waren die nominalen Umsätze um 1,3 Prozent hinter das Vorjahr zurückgefallen.

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Branchentrends Baugewerbe

Die amtlichen Kennzahlen zur Sparte "Wohnungsbau" sprechen eine deutliche Sprache: Auftragseingang, Umsatz und Genehmigungen haben auch 2024 mit einem teils kräftigen Minus beendet. Aus dem Wirtschaftsbau kommen gemischte Signale. Einerseits stützen große Projekte im Rahmen der Energie- und Mobilitätswende die Nachfrage. Auf der anderen Seite diktiert das verarbeitende Gewerbe kaum noch etwas in die Auftragsbücher. In der Sparte "öffentlicher Bau" schlägt zunehmend die schwierige Finanzlage vieler Kommunen durch. Neben der Wohnungsbaukrise zieht die Eskalation der Probleme in der deutschen Industrie das Handwerk mit nach unten. Extrem niedrige Produktionszahlen im Maschinenbau und bei elektrischen Ausrüstern drücken auf den Absatz der handwerklichen Zulieferer.

Das Kraftfahrzeuggewerbe kämpft mit sinkenden Verkaufszahlen bei E-Autos. Vor allem der abrupte Wegfall der Prämien wird dafür verantwortlich gemacht. Die Zahl der ausschließlich mit Batterieelektrik betriebenen Pkw, die im gesamten Jahr 2024 neu auf die Straßen kamen, lag um 27 Prozent niedriger als 2023.

Trotz kräftiger Reallohnsteigerungen hielten sich die deutschen Verbraucher beim Einkauf bislang zurück, um ihre Sparkonten zu füllen. Die sich häufenden Meldungen über Entlassungen gaben Anlass zur Vorsicht. Dennoch verbuchten Bäcker, Metzger und Konditoren gegen Jahresende eine Aufhellung bei der Nachfrage. 35 Prozent der Betriebe meldeten eine Belebung, 17 Prozent mussten Abstriche hinnehmen.

Vorschau: Kein Land in Sicht

Die Zukunftserwartungen im Handwerk sind angesichts der politischen Krise in Berlin, der schwachen Wachstumsprognosen für die deutsche Gesamtwirtschaft und der steigenden Sozialversicherungsbeiträge wenig optimistisch. Für das 1. Quartal 2025 rechnen 65 von 100 Betrieben mit einer stagnierenden Geschäftsentwicklung. Nur sechs Prozent sagen eine Verbesserung voraus, 29 Prozent geraten hingegen tiefer in die Krise hinein. Auch die Bestellungen wecken keine großen Erwartungen. 31 Prozent der befragten Handwerker prognostizieren ein Minus. Mit Blick auf die Beschäftigung hält der Abwärtstrend an. Die realen Umsatzeinbußen der vergangenen Jahre fordern ihren Tribut.

Einer der zentralen Schwachpunkte in der Handwerkskonjunktur 2025 bleibt der Wohnungsbau. Über Jahre hinweg schrumpfende Baugenehmigungen lassen befürchten, dass die Investitionen noch einmal zurückgehen werden. Zwar laufen einige Programme des Bundes zur Stabilisierung bereits, zum Beispiel im Bereich klimafreundlicher Neubau. Ebenso wie die Sonderabschreibungen im Mietwohnungsbau wirken die Maßnahmen aber erst mit Zeitverzug. Hinzu kommt, dass auch die energetische Sanierung ins Stocken geraten ist. Ausschlaggebend dafür ist die Verunsicherung der Verbraucher. Angesichts der schlechten wirtschaftlichen Lage und der ausstehenden kommunalen Wärmeplanung sowie der Diskussion um eine mögliche Abschaffung des Heizungsgesetzes nach der Bundestagswahl werden Ausgaben aufgeschoben.

Ein anderes Umsatzschwergewicht – das Kfz-Gewerbe – schaut mit gemischten Gefühlen auf das angebrochene Jahr. Bis zur Bildung einer neuen Bundesregierung werden keine Förderprämien im Bereich der Elektromobilität an den Start gehen. Angesichts der wirtschaftlichen Flaute und hoher Neufahrzeugpreise dürften die Neuzulassungen 2025 wiederum rückläufig sein. Auch die Vorhersagen für den privaten Verbrauch geben wenig Anlass zur Entwarnung. Zu Beginn des Jahres 2025 flackert die Inflation wieder auf, befeuert durch Sondereffekte. Dazu gehören höhere Kosten für das Deutschlandticket, ein Aufschlag beim CO₂ -Preis sowie die Anhebung der Sozialversicherungsbeiträge. Auch die Mieten werden weiter zulegen – eine Folge der schwachen Bautätigkeit in Deutschland. Am Ende wird dies ebenso wie die steigenden Arbeitslosenzahlen den Konsum bremsen.

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Ifo-Index leicht gestiegen

Die Stimmung der Unternehmen in Deutschland hat sich leicht verbessert. Der Ifo-Geschäftsklimaindex ist im Januar auf 85,1 Punkte gestiegen, nach 84,7 Punkten im Dezember. Der Anstieg sei das Ergebnis einer günstigeren Bewertung der gegenwärtigen Situation. Die Erwartungen seien hingegen erneut schlechter ausgefallen. Die deutsche Wirtschaft bleibe pessimistisch. Im verarbeitenden Gewerbe habe sich das Geschäftsklima nochmals verschlechtert. Die Skepsis der Unternehmen habe erneut zugenommen. Die aktuelle Geschäftslage sei jedoch besser beurteilt worden. Die Zahl der Neuaufträge nehme weiter ab. Die Kapazitätsauslastung habe nahezu unverändert bei 76,5 Prozent verharrt. Dies sei weiterhin deutlich weniger als der langfristige Mittelwert von 83,4 Prozent. dhz