Der Verband der Privaten Krankenversicherer (PKV) sieht den Tariftest der Stiftung Warentest kritisch. Was die Tester als Schwäche ausgemacht hätten, sei in Wahrheit eine Stärke der PKV: Die Möglichkeit, sich den Gesundheitsschutz nach persönlichen Bedürfnissen auszuwählen.
Bewertungsgrundlage war für die Stiftung Warentest ein Rundum-Schutz. Den hätten sich die Tester nach eigenen Kriterien zusammengestellt und als Grundlage den Leistungsumfang der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) genommen. Demnach seien nur Tarife mit "gut" oder "sehr gut" bewertet worden, die mindestens die GKV-Leistungen erreichten. Das sei schon deswegen unpassend, weil Leistungen in der Bewertung fehlten, die in der GKV gar nicht bezahlt würden, in der PKV aber so gut wie immer.
Andere Leistungen im Angebot
Typische Leistungen, die über den GKV-Katalog hinausgingen, seien zum Beispiel der Anspruch, sich im Krankenhaus vom Chefarzt ambulant behandeln zu lassen, die Kostenerstattung für nicht rezeptpflichtige Medikamente sowie die Tatsache, dass jeder PKV-Tarif mehr Leistungen der Arztpraxen erstatte als der budgetierte GKV-Katalog.
Eine der größten Stärken der PKV sei, dass sich die Versicherten ihren Gesundheitsschutz individuell zusammenstellen könnten. Ob der Preis günstig oder teuer sei, lasse sich also pauschal nicht beurteilen.
Versicherte verzichten bewusst auf bestimmte Leistungen
Insofern könne auch das Fehlen von zum Beispiel digitalen Anwendungen wie Ernährungs-Apps nicht von vornherein als Defizit bezeichnet werden. Womöglich habe ein Versicherter bewusst auf diese Leistung verzichtet, um einen geringeren Beitrag zu zahlen.
Auch die Höhe des Selbstbehalts lasse keinen Schluss auf die Qualität des Tarifs zu. Die Warentester hätten gar nicht erst thematisiert, dass Versicherte sich bewusst für einen höheren Selbstbehalt entschieden hätten, um am Beitrag zu sparen.
Die Beitragsprognosen der Stiftung Warentest kritisiert der PKV ebenfalls als unseriös. Beitragsentwicklungen ließen sich grundsätzlich kaum vorhersagen. Dennoch hätten es die Tester auf Grundlage der PKV-Beitragsentwicklung von durchschnittlich 3,1 Prozent Plus der vergangenen 20 Jahre versucht. Ein selbstständiger Privatversicherter komme demnach mit einem heutigen Monatsbeitrag von 600 Euro nach30 Jahren auf einen Beitrag von 1.500 Euro. Die Inflation und steigende Einkommen seien dabei außer Acht gelassen worden. Ein gesetzlich Versicherter käme mit derselben Berechnungsmethode und einer durchschnittlichen Beitragssteigerung von 3,8 Prozent pro Jahr auf einen Monatsbeitrag von knapp 1.840 Euro in 30 Jahren.
Hohe Zufriedenheit mit den Tarifen
Eine hohe Zufriedenheit der Versicherten mit den Tarifen spreche im Übrigen gegen eine Schwäche der PKV. Das Meinungsforschungsinstitut Allensbach habe ermittelt, dass 95 Prozent der Privatversicherten mit ihrer Versicherung zufrieden seien. Auch mit dem Preis-Leistungs-Verhältnis seien 84 Prozent der Befragten zufrieden. Bei den gesetzlich Versicherten seien es nur 73 Prozent. fm
