Pflegegerechtes Bad Selbstbestimmt im Alter bis zum Schluss

Unternehmen müssen sich auf ganz unterschiedlichen Ebenen auf die wachsende Kundengruppe der Alten einstellen. Was es alles zu bedenken gilt, zeigt das Beispiel des Sanitär-Heizung-Klima-Handwerks.

Ältere Frau in einem weißen Badezimmer
Weiße Fliesen, weißer Boden, weiße Badewanne: Für pflegebedürftige Menschen sind solche Bäder nicht empfehlenswert. Sie brauchen stärkere Kontraste. - © Nomad_Soul - stock.adobe.com

Das klassische Bad ist weiß. Weiße Toilette, weißes Waschbecken, weiße Fliesen. "Für ältere Menschen mit Pflegebedarf ist das nicht empfehlenswert", sagt Daniel Zerweck von der GGT Deutschen Gesellschaft für Gerontotechnik. "Die visuellen Fähigkeiten lassen nach, ältere Menschen helfen also Farbkombinationen mit starken Kontrasten, sonst erkennen sie möglicherweise die weiße Toilette vor weißen Fliesen nicht."

Zwölf SHK-Handwerker folgen Zerwecks Präsentation bei der Pilotschulung "Pflegegerechte Badgestaltung" des Zentralverbands Sanitär Heizung Klima (ZVSHK). Veränderungen im Alter, statistische Daten, aber auch die handwerkliche Umsetzung in Musterbädern bei Großhändler Richter + Frenzel in Nürnberg stehen auf dem Programm.

Für Teilnehmerin Kirstin Wetzel besonders wichtig sind Fragen der Finanzierung: "Viele Kunden können sich den Umbau schlicht nicht leisten", sagt die Installateurin der Werner Hofmann GmbH aus Fürth.

Teure Umbauten zur Pflege

Der Großteil aller Pflegebedürftigen wird zu Hause versorgt. Doch schon eine Teilrenovierung des Bades kostete 2022 laut Pflegebadstudie des ZVSHK im Schnitt 7.000 Euro.

Die durchschnittlichen Kosten für komplettsanierte Bäder für Pflegebedürftige lagen demnach bei 17.000 Euro – inzwischen dürften die Preise höher sein.

Badplanerin Wetzel gibt ihren Kunden deswegen immer Tipps zu Fördermöglichkeiten. Solche Beratungen kosteten sie viel Zeit, die einem keiner bezahle. "Aber diese Kunden werden unsere Stammkunden, und deswegen setzen wir uns für sie ein." Mit ihren 58 Jahren sieht sich die Installateurin gut gerüstet, um diese spezielle Kundschaft zu beraten. "Da habe ich ein ganz anderes Auftreten als Jüngere, ich kann mit den Kunden offen und direkt reden, das wollen die auch so", ist ihr Eindruck.

Nicht jede Sanierung ist pflegegerecht

Eine Million Bäder saniert das deutsche SHK-Handwerk pro Jahr. Bei rund 40 Prozent der Aufträge spielt Pflege eine Rolle, so Zahlen des ZVSHK aus 2020. Doch die Pflegebadstudie des Verbands zeigt auch, dass 19 der 20 untersuchten Umbauten nicht die Anforderungen an ein pflegegerechtes Bad erfüllten. Dabei geht es ausdrücklich nicht um Maximalanforderungen für den hohen KfW-Standard "Altersgerechtes Haus", sondern um Minimalanforderungen, damit Bewohner und Pflegepersonen zurecht kommen - insbesondere auch dann, wenn sich der Gesundheitszustand verschlechtert.

Wie sich der Körper mit dem Alter verändert

Körperliche Einschränkungen, die einen Badumbau nötig machen, beginnen meist erst in hohem Alter. Doch wäre es sinnvoll, sich schon mit 60 Jahren um die Umgestaltung des Bades zu kümmern, sagt Zerweck. Auch wenn jeder Mensch anders altert, treffen folgende Veränderungen häufig zu:

  • Augen: Mit zunehmendem Alter reduziert sich die Sehschärfe, es dauert länger, bis das Auge scharf stellt und ab 70 Jahren verschlechtert sich die Farbwahrnehmung. Ältere brauchen also Farbkombinationen mit starken Kontrasten an Gefahrenstellen, aber auch an Schaltern, außerdem eine helle Beleuchtung ohne Schatten und Blendung.
  • Ohren: Ab dem 50. Lebensjahr nimmt die Funktionsfähigkeit der Hörzellen im Innenohr ab und damit die Leistungsfähigkeit des Gehörs. Handwerker sollten auf die akustischen Raumeigenschaften achten, störende Einflüsse von außen minimieren und in ihrer Kommunikation Rücksicht nehmen – also besser auch kein Radio auf der Baustelle.
  • Körper: Fein- Grob- und Sensomotorik gehen zurück, Muskelkraft und Gelenkbeweglichkeit lassen nach, der Körper schrumpft und friert leichter. Kunden brauchen barrierefreie Räume ohne Stolperfallen, leicht zu bedienende Elemente, rutschfeste Böden und Haltegriffe, zusätzliche sichere Wärmequellen sowie genügend Platz, damit sich auch eine Hilfsperson mit im Bad bewegen kann. Auch wenn zum Zeitpunkt des Auftrags noch kein Dusch-WC oder höhenverstellbare Elemente nötig sind, ist es sinnvoll, ausreichend Steckdosen zu setzen.
  • Kognitive Fähigkeiten: Problemlösungskompetenzen gehen zurück, die Kunden brauchen mehr Zeit in Beratungsgesprächen und stellen häufig kritische Fragen. In schriftlichen Informationen sollten Handwerker die wichtigsten Punkte optisch hervorheben und vor Vertragsschluss sichergehen, dass der Kunde alles verstanden hat.

Finanzielle Förderungen für die pflegegerechte Badgestaltung

Es gibt verschiedene Anlaufstellen für Fördermittel, zum Teil sind die Programme miteinander kombinierbar. Dennoch decken sie in der Regel nur einen kleinen Teil der entstehenden Kosten ab.

  • Haushaltsnahe Dienstleistungen: 20 Prozent der Arbeitskosten der Handwerker können bis zu einem Höchstwert von 6.000 Euro pro Jahr geltend gemacht werden; dies gilt nicht, wenn zinsverbilligte Darlehen oder steuerfreie Zuschüsse in Anspruch genommen werden.
  • KfW-Förderung: Die Kreditanstalt für Wiederaufbau fördert mit zinsverbilligten Krediten Maßnahmen zum Abbau von Barrieren in Wohngebäuden. Der KfW-Investitionszuschuss Barrierereduzierung ruht aktuell. Alle bis zum 31. Dezember 2024 eingegangenen Anträge wurden aber bearbeitet und bei Vorliegen der Fördervoraussetzungen zugesagt.
  • Hilfsmittel wie Haltegriffe oder Dusch-WC werden bis auf eine Zuzahlung von den Krankenkassen bezahlt, wenn damit eine (drohende) Behinderung augeglichen werden kann.
  • Menschen mit Pflegegrad können bei der Pflegeversicherung eine Förderung für wohnumfeldverbessernde Maßnahmen in Höhe von maximal 4.180 Euro beantragen.
  • Außerdem bieten viele Bundesländer und Gemeinden eigene Förderprogramme. Infos außerdem bei den Wohnberatungen und den Pflegestützpunkten.
  • Unter anderem folgende Webseiten informieren über Pflege und welche Stellen beraten: www.pflege.de, www.pflegehilfe.org, https://pflegewaechter.de

Schulungen für pflegegerechte Badgestaltung

Nach der Pilotschulung zur pflegegerechten Badgestaltung im Dezember 2024 soll dieses Format jetzt bundesweit angeboten werden. Der Zentralverband Sanitär Heizung Klima möchte damit die Betriebe fit machen für die komplexen Fragen der Beratung, Planung und nicht zuletzt das Umbauen von Bestandsbädern in barrierefreie Sanitärräume.Hersteller, Händler und Handwerker werden in den Schulungen zusammengebracht. Matthias Thiel vom Referat Betriebswirtschaft, Datenmanagement und Demografischer Wandel im ZVSHK empfiehlt außerdem, sich als Anbieter für Pflegebäder in seiner Region zu vernetzen, um alle relevanten Informationen zu bündeln. "Die Betriebe können sich mit Wohnberatern, Sanitätshäusern und vielleicht auch Pflegestützpunkten vor Ort vernetzen."

Wertvolle Informationen darüber, was ältere Personen und auch Pflegende im Bad und der Wohnung brauchen und welche Fehler vermieden werden sollten, liefert die umfassende Pflegebadstudie des ZVSHK. Sie hat zum Ziel, eine optimale Kosten- Nutzen-Relation für Pflegebedürftige, pflegende Angehörige und ambulante Pflegekräfte zu erreichen und Umbauten so nachhaltig zu realisieren, dass sie auch einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes der Betroffenen gerecht werden. Die Studie arbeitet nicht mit einem Ideal, sondern mit der Realität, nämlich einem typischen Altbau-Schlauchbad und mit Gästetoiletten. Ziel ist, in diesen ungünstigen Raumgeometrien den Pflegeumbau zu optimieren.

Zahlreiche weitere kostenlose Publikationen und Checklisten zum Thema bietet die Seite Aktion Barrierefreies Bad der Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft hier: Publikations-Seite der Aktion Barrierefreies Bad