Interview mit Peter Friedrich Reise nach Indien: Fachkräfte wollen zeigen, was sie können

Welche Chancen gibt es für Handwerker in Indien? Lässt sich auch dort ein berufliches Bildungssystem aufbauen? Und lassen sich Fachkräfte aus Indien fürs Handwerk hierzulande gewinnen? Peter Friedrich, der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Region Stuttgart, berichtet von seiner Reise nach Indien und den Plänen, Fachkräftekooperationen aufzubauen.

Peter Friedrich
Peter Friedrich ist Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Region Stuttgart. - © Handwerkskammer Region Stuttgart

Peter Friedrich ist Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Region Stuttgart und gerade von einer Reise nach Indien zurück. Dort war er als Vertreter der Handwerkskammer und berichtet im Interview, was er erlebt hat und mit welchem Ziel er dorthin gereist ist.

Herr Friedrich, was haben Sie als Vertreter der Handwerkskammer Region Stuttgart in Indien gemacht?

Peter Friedrich: Wir waren im Rahmen einer Delegationsreise der Wirtschaftsministerin in Indien. Wir waren in Delhi, Pune und Mumbai. Baden-Württemberg hat seit vielen Jahren eine Partnerschaft mit dem Bundesstaat Maharashtra. Und wir haben uns drei Dinge angeschaut. Erstens, welche Chancen gibt es fürs Handwerk auf dem indischen Markt? Zweitens, was können wir zur Entwicklung des beruflichen Bildungssystems in Indien beitragen? Und drittens, wie können wir Fachkräfte aus Indien fürs Handwerk gewinnen?

Wie sieht denn der indische Handwerksmarkt aktuell aus? Gibt es da überhaupt die klassischen Handwerksberufe wie bei uns in Deutschland?

Also es gibt vergleichbare Berufe und sehr gut und ausgewiesene Trainingszentren, die aber sehr unterschiedlich sind. Indien ist ohnehin das Land der großen Gegensätze und diese großen Gegensätze sieht man auch bei den Berufsfachschulen, den ITIs (Anmerkung der Redaktion: Industry Training Institutes). Wir haben eine Mechatroniker-Werkstatt gesehen, die ist top ausgestattet, mit einem Curriculum, in dem Fall war es aus der Schweiz entlehnt, das nah an unserem ist. Daneben war dann aber auch eine elektrische Werkstatt, die aussieht wie in den 60er Jahren. Da haben sie an irgendwelchen Schautafeln gezeigt, wie ein elektrischer Motor aussieht. Also es ist sehr unterschiedlich und man muss auch sehr genau hinschauen.

Aber die gute Nachricht ist, dass es sehr viele qualifizierte Fachkräfte gibt. Ein großes Problem von Indien ist die Arbeitslosigkeit. Fachkräfte möchten gerne ins Ausland und dort erfolgreich sein. Wir sehen Brücken, die wir schlagen können. Einige der Qualifikationen – vielleicht mit ein bisschen Nachqualifizierung, insbesondere bei der deutschen Sprache – können wir sicher bei uns einsetzen.

In Baden-Württemberg gibt es bereits einige Modelle und auch schon gut funktionierende Beispiele in verschiedenen Bereichen des Handwerks und darüber hinaus. Das heißt, sie wollen versuchen, die deutschen Ausbildungsmöglichkeiten auch in Indien zu implementieren, damit ein gemeinsamer Standard herrscht – kann man das so sagen?

In die Richtung wollen wir zumindest gehen. Wir wollen versuchen, Bildungsangebote, die wir haben, auch im indischen Markt zu etablieren – zum Beispiel beim Thema Ausbilder, also Train the Trainer. Gerade die deutschen Firmen, die in Indien sehr aktiv und sehr erfolgreich sind, haben Bedarf und wollen unterstützt werden, wenn es um die Qualifikation ihrer Ausbilder geht.

Wir wollen daran arbeiten, dass wir so weit kommen, dass wir tatsächlich vergleichbare Curricula oder Abschlüsse haben. Das ist in einigen Bereichen vielleicht möglich. Im Kern geht es aber darum, dass wir die Ausbildungsgänge, die es in Indien bereits gibt, mit unseren vergleichen. Wir müssen schauen, was es da an Zusatzqualifizierungen braucht, damit die Leute für den deutschen Arbeitsmarkt Anerkennungen bekommen und hier arbeiten können in ihrer entsprechenden Qualifikation.

War auch das ein Grund für die Reise, Möglichkeiten zu finden für ausgebildete Fachkräfte nach Deutschland zu kommen, um hier zu arbeiten? Können Sie das noch bisschen konkretisieren? Wie soll diese Zusammenarbeit mit Maharashtra und dem Land Baden-Württemberg genau funktionieren?

Die Kooperation der beiden Bundesländer findet auch auf vielen anderen Feldern statt. Konkret beim Thema der beruflichen Bildung wollen wir daran ansetzen, dass wir sagen, wir nehmen einen Absolventen einer Skills University oder eines ITIs und schauen, was hat er für eine Qualifikation. Was können wir für einen Zusatzlehrgang in Indien anbieten?

Wenn das erfolgt ist und ein B1-Zertifikat in deutscher Sprache vorhanden ist, kann die Person einen Arbeitsvertrag in einer sogenannten Anerkennungspartnerschaft in Deutschland bekommen. Das ist ein neues Instrument im Fachkräftezuwanderungsgesetz. Damit kann man für bis zu drei Jahre in Deutschland arbeiten und sich weiterqualifizieren. Danach können wir ihn anerkennen, zum Beispiel als Mechatroniker oder als Elektriker für eine bestimmte Fachrichtung.

Das wollen wir jetzt für mehrere Berufe ausprobieren, mit unseren Handwerksbetrieben. Wir müssen aber schauen, was für Abschlüsse es in Indien gibt und welche Qualifikationen und auch, was wir noch tun können für eine gute Integration.

Zum Abschluss: Was war für Sie bei dieser Reise das Highlight und der wichtigste Aspekt, den Sie mit nach Hause genommen haben und an dem Sie arbeiten wollen?

Da waren die Menschen, die wir getroffen haben in den verschiedenen Einrichtungen, die gerne nach Deutschland kommen und etwas erreichen wollen. Wir hatten dort viele tolle Momente und Events. Indien ist ein Land sehr großer Gegensätze. Sie haben alles dicht beieinander. Hightech und nebendran den Pferdewagen. Alles ist sehr bunt, die Menschen sind offen und Sie freuen sich darauf, zu zeigen, dass Sie was können.

Dieses Interview wurde zuerst im Handwerker Radio gesendet.