Handwerkspräsident benennt "Veränderungsnotstand" Werkstattbesuch: Merz fragt – Tischlerei antwortet

Wahlkampf beim Handwerk: Gemeinsam mit Handwerkspräsident Jörg Dittrich und Schauspieler Ralf Moeller lässt sich der Kanzlerkandidat der Union vor laufenden Kameras erklären, wie modernes Tischlerhandwerk aussieht. Zum Thema wird dabei, wo im Handwerk der Schuh drückt.

Friedrich Merz auf Werkstattbesuch
Friedrich Merz auf Werkstattbesuch bei der Tischlerei Wehner in Berlin-Neukölln. - © picture alliance/via REUTERS/Michael Kappeler

Zwischen Bundestagsdebatte und Wahlkampfauftritt im Sauerland schafft es Unions-Kanzlerkandidat Friedrich Merz am Dienstag noch zu einem Besuch in der Tischlerei Wehner in Berlin-Neukölln. Mit dabei sind CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann und Schauspieler Ralf Moeller. Für Handwerkspräsident Jörg Dittrich ein starkes Zeichen. "Damit man weiß, wie es im Handwerk ist, muss man zum Handwerk kommen", sagt er. Er freue sich, dass sich der CDU-Spitzenkandidat sich die Zeit genommen habe, um sich ein Bild über die Themen und Sorgen des Handwerks zu machen. Nur dann könne man die nötigen Veränderungen einleiten.

Beim Werkstattbesuch will Merz einiges wissen: Wie die Tischlerei an ihre Aufträge kommt. Welche Ausbildung die Mitarbeiter haben, die die hochmodernen Holzbearbeitungsmaschinen bedienen. Wie lange es dauert, bis man Tischlermeister ist. "Die Auftragslage ist gut", berichtet Geschäftsführer Christian Hanke. Allerdings mangele es immer wieder an Auszubildenden und Fachkräften, insbesondere im Bereich Metallbau, denn auch in diesem Bereich arbeitet das Unternehmen.

Werkstattbesuch mit Wahlkampfthemen

Das ist auch die Botschaft, auf die Ralf Moeller und Textilunternehmer Andreas Grewe in der Kampagne "Motivation Handwerk" aufmerksam machen wollen. "Wir haben zurzeit hunderttausend Stellen, die nicht besetzt sind im Handwerk", sagt Moeller im Beisein von Merz. Darum sei es so wichtig, das Handwerk beziehungsweise Handwerker und Handwerkerinnen in den Mittelpunkt zu stellen. Dies gelte umso mehr, da viele Betriebe in den nächsten Jahren passende Nachfolger finden müssten.

Moeller, der in den USA lebt und weiß, wie unkompliziert es dort ist, sich selbstständig zu machen, gibt Merz gleich eine Botschaft mit auf den Weg. "Bürokratie bitte minimieren", sagt er mit Blick auf Existenzgründer und solche, die es werden wollen. Es gehe darum, dass "Made in Germany" wieder an Glanz gewinnt.

Dass sich ein Schauspieler und ehemaliger Bodybuilder wie Moeller für das Handwerk starkmacht, freut Dittrich: "Wer besser werden will, muss trainieren. Wer gewinnen möchte, darf nicht aufgeben." Das alles verkörpere Moeller. Das alles sei auch für das Handwerk wichtig.

Werkstattbesuch: Handwerkspräsident erklärt, warum die Politik jetzt aktiv werden muss

Der Handwerkspräsident sprach von einem "Veränderungsnotstand". Dinge müssten sich wandeln, Zuversicht müsse wieder zurückkommen. Das Handwerk stehe bereit. "Jetzt geht es darum, dass die Politik liefern muss", sagt er. Und er meint damit nicht nur den Bürokratie-Abbau oder die Wertschätzung für die berufliche Bildung. Die Wirtschaft müsse wieder mehr in den Fokus kommen. Es gehe um Entlastungen bei Steuern und Sozialabgaben.

Merz will sich für die Wirtschaft starkmachen, auch in der Generaldebatte im Bundestag hatte er dies deutlich gemacht. In der Tischlerei hat er auf die Bedeutung des Handwerks als großer Sektor der Volkswirtschaft und als bedeutender Wirtschaftszweig insbesondere in ländlichen Regionen hingewiesen. Und für die jüngere Generation hat er den Rat, sich nicht nur akademischen Berufen, sondern auch dem Handwerk zuzuwenden. Das sagt er mit bestimmten Worten und nimmt wie Ralf Moeller für die Kameras den Hobel in die Hand.