Die Chancen am Arbeitsmarkt sind für Fachkräfte mit Ausbildung besonders gut. Das zeigen die Arbeitslosendaten der vergangenen zehn Jahre und Prognosen des Instituts der deutschen Wirtschaft.

Die jüngsten Krisen haben die Erwerbsbevölkerung in Deutschland in unterschiedlichem Maße getroffen. "Fachkräfte mit Berufsausbildung sind in den letzten zehn Jahren immer seltener arbeitslos geworden, verglichen mit Hoch- oder Geringqualifizierten", erklärte das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) mit Blick auf die Ergebnisse einer Untersuchung der Arbeitslosendaten der vergangenen zehn Jahre. Dabei hat das IW die Gruppe der Geringqualifizierten, der Fachkräfte mit Berufsausbildung und die Hochqualifizierten wie etwa Akademiker unter die Lupe genommen.
Fachkräfte konnten den jüngsten Krisen trotzen
Insbesondere in der vergangenen fünf Krisen-Jahren zeigt sich der Trend: Während die Zahl der Arbeitslosen in diesem Zeitraum um rund 20 Prozent gestiegen ist und mittlerweile fast wieder drei Millionen erreicht, ist die Zahl der arbeitslosen Fachkräfte von November 2019 bis November 2024 sogar um 3,8 Prozent gesunken. Bei den Hochqualifizierten hat die Arbeitslosigkeit dagegen um 48,6 Prozent und bei Geringqualifizierten um 43,3 Prozent zugelegt.
Pluspunkte auch beim Gehalt
Auch mit Blick auf die Gehaltsentwicklung schnitten die Fachkräfte im Vergleich zu den Hochqualifizierten gut ab. Ihr Gehalt stieg im Mittel von 2019 bis 2023 (2024 ist noch nicht verfügbar) um 12,1 Prozent. Bei Hochqualifizierten waren es dagegen nur rund 8,5 Prozent. Am stärksten stiegen die Löhne bei den Geringqualifizierten mit einem Plus von rund 16,5 Prozent. "Dies dürfte jedoch wesentlich auf die deutliche Erhöhung des Mindestlohns auf zwölf Euro zum 1. Oktober 2022 zurückgehen", betonte das IW.
IW: Weiter gute Chancen für Fachkräfte
Das IW geht davon aus, dass die Chancen für Fachkräfte am Arbeitsmarkt weiter besonders gut sind. "Einen ausgeprägten Mangel an Fachkräften mit Ausbildung dürfte es insbesondere in Kinderbetreuung, Pflege- und Gesundheitsberufen, Sanitär-Heizungstechnik oder Mechatronik geben", betonen sie. Daher wäre es sinnvoll, mehr Menschen zu Fachkräften auszubilden.
Gezieltere Berufsorientierung nötig
Wie der Zentralverband des Deutschen Handwerks spricht sich auch das IW deshalb für eine gezielte Berufsorientierung – inklusive Gymnasium – aus. Darüber hinaus sollten die Chancen beruflicher Weiterbildung wie etwa zum Meister oder Techniker bekannter gemacht werden, heißt es beim IW. Dies gelte auch für die Fördermaßnahmen zur Weiterbildung, wie sie von den Arbeitsagenturen vor Ort angeboten werden. Auch sollten "gläserne Decken" eingerissen werden, die Menschen ohne Studium Karrierewege versperrten. "Insbesondere der Öffentliche Dienst sollte hier seine Eingruppierungsregeln öffnen", heißt es weiter.