Fehlende Abstellmöglichkeiten, unzureichende Parkausweise und Verunsicherung beim Thema E-Mobilität. Diese Themen erschweren den Alltag vieler Handwerker, wie eine Umfrage des ZDH zeigt.

Eine Sonderumfrage des Zentralverbands des Deutschen Handwerks in Zusammenarbeit mit 47 Handwerkskammern im dritten Quartal 2024 verdeutlicht die Lage: Trotz offener Haltung gegenüber alternativen Antrieben fehlt es an wirtschaftlich tragfähigen und passenden Fahrzeugangeboten. Dies hindert viele Betriebe daran, ihre Fuhrparks konsequent auf emissionsfreie Modelle umzustellen. Zudem geben viele Handwerker an, große Probleme mit Parkplatznot zu haben. Ob vor der eigenen Haustür oder der des Kunden. Insgesamt haben sich 8.262 Betriebe an der Umfrage beteiligt.
Konventioneller Antriebsarten vorherrschend
Betriebseigene Fahrzeuge bleiben für Handwerksbetriebe zentral: Vier von fünf Betrieben verfügen über einen eigenen Fuhrpark mit durchschnittlich 4,3 Fahrzeugen unterschiedlicher Größe, Antriebsart und Einsatzzweck. Diesel- und Benzinmotoren dominieren weiterhin (65 bzw. 36 Prozent), während batterieelektrische Fahrzeuge mit zehn Prozent die meistgenutzte Alternative sind. Gas-, Hybrid- und Wasserstofffahrzeuge spielen aufgrund fehlender Angebote und Infrastruktur bislang kaum eine Rolle.
E-Mobilität für viele schwer umzusetzen
Die Auswertung zeigt, dass Betriebe in Innenstadtlagen seltener Dieselfahrzeuge nutzen, da kürzere Fahrstrecken dort die wirtschaftlichen Vorteile von Dieselmotoren nicht ausschöpfen können. Hinsichtlich batterieelektrischer Fahrzeuge (BEV) gibt es kaum Unterschiede zwischen städtischen und ländlichen Betrieben. Während Innenstädte aufgrund kurzer Fahrstrecken für BEV geeignet erscheinen, hemmt oft der fehlende Zugang zu Ladepunkten, vor allem bei gemieteten Standorten ohne eigene Ladeinfrastruktur. In ländlichen Gebieten ist die Installation eigener Ladepunkte zwar leichter umsetzbar, jedoch sind die längeren Fahrstrecken ein Vorteil für Fahrzeuge mit konventionellen Antrieben. Größere Betriebe testen Elektromobilität häufiger als kleinere, da ihre größeren Fuhrparks eine flexiblere Nutzung ermöglichen.
Die für das Handwerk relevanten Fahrzeugkategorien für adäquate Elektrofahrzeuge sind erst vergleichsweise spät auf den Markt gekommen – vor allem mittelschwere und schwere Elektrofahrzeuge werden deshalb bisher kaum eingesetzt.

Fehlende Förderung
Damit der Umbau der handwerklichen Fuhrparks hin zu emissionsfreien Fahrzeugen gelingt, sind aus Sicht der Betriebe weitere Verbesserungen mit Blick auf die Rahmenbedingungen für die Elektromobilität notwendig. Vor allem die Anschaffungs- und Betriebskosten batterieelektrischer Fahrzeuge sowie deren Reichweite werden von vielen Handwerksbetrieben als problematisch bei einem Umstieg bewertet.
Lastenräder als Ergänzung
Das moderne Lastenrad scheint sich zu einer interessanten Fuhrparkergänzung in städtischen Räumen vor allem in den Ausbau- und Lebensmittelhandwerken zu entwickeln. Dabei dürfte es vor allem bei Wartungsaufträgen und Kleinreparaturen bzw. bei der Belieferung von Kunden im näheren Umfeld zum Einsatz kommen.
Parkraumnot
Die Umfrageergebnisse zeigen zudem, dass das Parken am Betriebssitz für viele Handwerksbetriebe eine wachsende Herausforderung darstellt. Gründe dafür sind die Zunahme privater Fahrzeuge und der Rückgang öffentlicher Parkmöglichkeiten durch Verkehrswendemaßnahmen. Besonders betroffen sind Betriebe ohne eigene Betriebshöfe, die auf ausreichenden Parkraum angewiesen sind. Nur 46 Prozent aller Betriebe haben einen Betriebshof für alle Fahrzeuge, weitere acht Prozent lediglich für einen Teil ihrer Fahrzeuge. 16 Prozent müssen ihre Fahrzeuge im öffentlichen Raum abstellen. Bei 19 Prozent werden die Fahrzeuge von den Beschäftigten nach Feierabend mit nach Hause genommen. Hinzu kommen zehn Prozent, die Parkflächen zum Abstellen ihrer Fahrzeuge angemietet haben.
Parken im Einsatz
Außerdem sehen die Betriebe großen Handlungsbedarf bei den Abstellmöglichkeiten für Handwerkerfahrzeuge vor Ort, sei es beim Kunden oder auf Baustellen. Besonders im Fokus steht hier das Verbesserungspotenzial der in vielen Kommunen nutzbaren Handwerkerparkausweise, die aus Sicht der Betriebe dringend optimiert werden sollten. Die Betriebe fordern daher: die Sanierung des Straßennetzes sollte zur politischen Priorität werden, um die Mobilität langfristig zu sichern.
Die Umfrage ergab, dass handwerksgerechte Lade- und Servicebereiche in Gebieten mit starkem Parkraummangel als sinnvoll erachtet werden. Der ZDH fordert, dies in die nächste Novelle des Straßenverkehrsrechts aufzunehmen. Zudem sollte der neue "Ladebereich" durch ein Zusatzschild auch für Handwerks- und Versorgungsverkehre zugänglich gemacht werden.
Um ihre Funktionsfähigkeit zu sichern und eine Verdrängung aus Innenstädten zu vermeiden, fordern die Betriebe pragmatische Lösungen, insbesondere bei baulichen Umgestaltungen im Rahmen der Verkehrsplanung.
