Feuerwehrfahrzeug, Lkw oder Rollwagen – Hensel Fahrzeugbau ist bekannt für die Herstellung hochwertiger Sonderfahrzeuge und gilt darüber hinaus als Vorzeigeunternehmen für gelebte Inklusion. Seit vielen Jahren beschäftigt der Betrieb Menschen mit Behinderung. So klappt dies im Arbeitsalltag.

Nicht weit von Würzburg entfernt liegt die kleine Gemeinde Waldbrunn. Mit seinen rund 3.000 Einwohnern wirkt der Ort in Unterfranken beschaulich und ruhig. Am Rande des Feldes sieht man eine große, weiße Halle. Beim Betreten dieser Halle strömt einem der Geruch von Metall und Benzin entgegen. Die Produktionsstätte gleicht einer riesigen Werkstatt. Mittendrin stehen rot leuchtende Einsatzfahrzeuge in verschiedenen Größen – vom Transporter bis zum Lastwagen. Es herrscht reges Treiben: Männer und Frauen in blauer Arbeitskleidung arbeiten konzentriert am Ausbau der Fahrzeuge.
Durch einen kleinen Gang gelangt man in die Büroräume, wo die Geschäftsführerin von Fahrzeugbau Hensel, Ines Hensel, einen herzlich empfängt. Gegründet wurde das Unternehmen im Jahr 1983 von ihrem Vater. Seit 2013 führt sie, nach erfolgreichem Abschluss ihres Studiums der Fahrzeugtechnik, den Betrieb in zweiter Generation weiter. Dieses ist auf die Fertigung von Feuerwehrfahrzeugen und Rollwagen spezialisiert und vertreibt diese in ganz Deutschland und Europa.
Darüber hinaus hat sich das Unternehmen als zuverlässiger und anerkannter Partner für Feuerwehr, THW, Rettungsdienst, Handwerk und Transportgewerbe etabliert. Mit rund 50 Mitarbeitern deckt Hensel ein breites Spektrum an handwerklichen und technischen Berufen ab – vom Karosseriebauer über den Elektriker bis hin zum Mechatroniker und Lackierer.
Starkes Engagement für Inklusion und Gleichstellung
Ein zentraler Bestandteil der Unternehmensphilosophie ist das Engagement für Inklusion und Gleichstellung im Arbeitsalltag. "Jeder Mensch bringt einzigartige Fähigkeiten mit, die unseren Betrieb bereichern", erklärt Marcus Speh, verantwortlich für die Unternehmenskommunikation. Dem kann Ines Hensel nur zustimmen und ergänzt: "Jeder Mensch hat seine Stärken und Schwächen. Es ist wichtig, jeden dort einzusetzen, wo seine jeweiligen Fähigkeiten zum Tragen kommen."

Seit Jahren setzt sich das Unternehmen für die Integration von Menschen mit Behinderung ein. Ein schönes Beispiel für dieses Engagement ist Michael H., der seit über zwölf Jahren bei Hensel arbeitet. Damals bewarb sich der heute 63-Jährige über den St. Josefs-Stift in Eisingen für ein Praktikum im Betrieb. "Die Arbeit hier hat mir von Anfang an gut gefallen und ich wollte unbedingt bleiben", erinnert er sich.
Seine Tätigkeiten übt Michael H. im Lager aus. Hier stehen hohe Regale dicht an dicht und bilden lange Gänge. Darin befinden sich kleine Kisten in verschiedenen Farben: rot, gelb, blau, weiß, grün und grau. Jede ist beschriftet und mit einem QR-Code versehen. Sie sind mit den unterschiedlichsten Kleinteilen gefüllt. Auf den Regalen stehen weitere Gegenstände wie Papierkartons, Boxen, Metall- und Pappplatten, Stangen und Rohre.
Inklusion: So sieht der Arbeitsalltag aus
Kaum im Lager angekommen wird man von Edgard Caropreso begrüßt. Er arbeitet mit Michael H. und vier weiteren Angestellten zusammen und ist sein Ansprechpartner und Koordinator. Hier findet auch der Warenein- und -ausgang statt. Gleichzeitig wird ein „Bringdienst“ für die Karosseriebauer und Elektriker angeboten, die in der Halle die Feuerwehrwagen ausbauen. Michael H. ist für die Kommissionierung zuständig. Er stellt die für die Produktion benötigten Materialien nach Plan und Termin zusammen und liefert sie an die anderen Mitarbeiter aus. Außerdem kontrolliert er die Lagerbestände und kümmert sich um das Auffüllen und Nachbestellen der Artikel.
Durch die Kommissionierung wird im Produktionsprozess viel Zeit gespart, sodass die Arbeit an den Fahrzeugen effizienter durchgeführt werden kann. Früher hat Michael H. noch andere Tätigkeiten übernommen, die er heute wegen eines Rückenleidens nicht mehr ausübt. Edgard Caropreso ist von seinem Teammitglied begeistert und erzählt: "Michael erledigt seine Aufgaben selbstständig und ist immer zuverlässig. Durch sein Können und seinen Fleiß ist er bei allen Mitarbeitern sehr beliebt und eine große Hilfe." Dennoch ist hin und wieder Geduld gefragt, wenn Abläufe mal nicht ganz reibungslos funktionieren.
Überzeugt von der Inklusion: "Probiert es selbst aus."

Die Aufträge mit den gewünschten Einzelteilen für den Ausbau der Fahrzeuge erhält Michael H. digital auf einem Tablet. Dort werden ihm Bilder und Beschreibungen der benötigten Materialien angezeigt. Anhand dieser und der Regal- und Artikelbeschriftungen kann er die Teile im zweiten Schritt schnell finden und zusammenstellen. Anschließend stellt er sie zur Abholung bereit oder bringt sie direkt zum Arbeitsplatz seiner Kollegen. "Die Arbeit im Lager macht mir sehr viel Spaß", sagt Michael H. "Ich verstehe mich gut mit den anderen und weiß immer genau, wo ich wen finde."
Beim Verlassen der Halle wird noch einmal deutlich: Bei Hensel wird jeder Mitarbeiter wertgeschätzt, unabhängig von eventuellen Einschränkungen. "Probiert es selbst aus", ermutigt Marcus Speh andere Unternehmen. "Die positiven Effekte, die Menschen mit Behinderung in den Betrieb bringen, sind spürbar." Das sieht auch Ines Hensel so: "Gerade im Handwerk sehe ich großes Potenzial für Inklusion als Teil der Lösung gegen den Fachkräftemangel und als Bereicherung für das gesamte Unternehmen."
Dieser Beitrag ist im Rahmen eines Reportage-Projekts des Master-Studiengangs Fachjournalismus und Unternehmenskommunikation an der Technischen Hochschule Würzburg-Schweinfurt entstanden. Die Deutsche Handwerks Zeitung ist Kooperationspartner für dieses Seminar.