Vater-Sohn-Gespann Teamwork braucht nicht viele Worte

Peter und Torben Trux bauen Aufzugskabinen – in verschiedenste Varianten und Ausstattungen. Sie bilden ein Team aus Vater und Sohn, das sich die Aufgaben perfekt aufgeteilt hat. Ein Werkstattbesuch.

Familienbetrieb Metalin
Torben und Peter Trux (v. li.) arbeiten schon lange gemeinsam in ihrem Familienbetrieb Metalin am Bau von Aufzugskabinen, hier herrscht eine vertraute Atmosphäre. - © Anna Christ

Ein großes Gelände am nördlichen Rand der Wetterau im kleinen Ort Lich-Eberstadt. Graue Lagerhallen, die von verschiedenen Firmen angemietet sind, erstrecken sich über die Fläche. An einem Montagmorgen ist hier noch wenig Betrieb. Von außen blickt man zunächst auf ein graues Lagertor der Werkstatt, alles wirkt sehr anonym. An der Tür lässt sich ein ausgedruckter DIN-A4-Zettel erkennen: Firma Metalin. Gefolgt von einem Smiley.

In der Halle hingegen scheint die Anonymität des Außengeländes verflogen, hier herrscht eine vertraute Atmosphäre. Im Büro im hinteren Drittel der Werkstatt kann man hinter den großen Glasscheiben erkennen, wie der Geschäftsführer Peter Trux über Konstruktionspläne gebeugt nachdenkt. Sein Sohn Torben läuft nur wenige Meter neben ihm umher, während er mit dem Handy in der Hand telefoniert. Die Tür der Produktionshalle fällt zu. Torben begrüßt den eintretenden, einzig weiteren Mitarbeiter mit einem herzlich hessischen "Gude". Die drei Männer brauchen nicht viele Worte, sie verstehen sich blind.

Teamwork im Aufzugsektor

Seit 2006 arbeitet Peter bereits als selbstständiger Konstruktionsmechaniker im Aufzugsektor, mittlerweile mit Know-how aus über vierzig Jahren. Auch heute übernimmt der gelernte Schlosser konzentriert Zahlen und Maße von einer Architektenzeichnung, um einen Konstruktionsplan für die Verkleidung einer Aufzugskabine für ein Wohnhaus zu entwerfen. Ganz altmodisch auf Papier. Neben ihm der Taschenrechner, in den er rasant Zahlen eingetippt werden. Die Ergebnisse notiert er in Millimetern mit Nachkommastellen. "In unserem Job ist es unglaublich wichtig, präzise zu arbeiten – nur dann passt am Ende alles zusammen."

Dumpfe, kontinuierliche Geräusche von aufeinander schlagendem Metall erfüllen nun die gesamte Werkstatthalle. An der Stanz-Laser-Kombi-Maschine entnimmt Torben die fertigen Stanzteile und bestückt die Maschine mit neuen Blechtafeln. Vorsichtig streicht er über die Kanten der Halberzeugnisse und überprüft die Schnittqualität und das Zuschnitt-Maß. Es macht sich ein metallischer Geruch breit. Vor etwa neun Jahren kam Torben zur Unterstützung seines Vaters in den Betrieb. Für einen kurzen Moment weicht sein Blick von seiner Arbeit ab und gleitet durch die Halle. Er ist sichtlich stolz auf das, was sie bisher als kleiner Familienbetrieb geleistet haben: "Als Systemanbieter mit einem umfangreichen Produktportfolio vom Kabinenbau über den Zargenbau bis hin zur klassischen Modernisierung bieten wir unseren Kunden sämtliche Produkte für die Aufzugbranche. Selten bekommt man so alles aus einer Hand."

Torben Trux
Torben Trux sah sich eigentlich nicht im Handwerk – nun beschäftigt er sich gerne mit Metallbauarbeiten, wie beispielsweise auch beim Zargenbau. - © Anna Christ

Teamwork: "In einem kleinen Betrieb packt eben jeder überall mit an"

In der geräumigen Halle verteilen sich zahlreiche Paletten mit Blechen in unterschiedlichen Größen, Strukturen und aus Materialien, wie Aluminium oder Edelstahl. Gegen die Wand, in der milchige Fenster die mittlerweile stärker gewordene Sonne erkennen lassen, lehnen bereits zusammengebaute Aufzugdecken und Zargen-Modelle. In einer anderen Ecke sammeln sich die übrigen Verschnitte, die für kleinere Arbeiten weitergenutzt werden. Die Luft ist trotz der rauschenden Heizlüftungen an der Decke kühl. Das warme einstrahlende Sonnenlicht vermischt sich mit dem grellen Schein der Neonröhren. Mit jedem Schritt in den hinteren Teil der Werkstatt nimmt der metallische Geruch ab.

Auf dem Weg in den kleinen Gemeinschaftsraum, der sich hinter dem Büro versteckt, schnappt sich Peter einen Besen und beginnt zu fegen. "Auch das muss gemacht werden", erklärt er nickend, während er den entstandenen Dreck und Staub sorgfältig zusammenkehrt. Hier ist klar: In einem kleinen Betrieb packt eben jeder überall mit an. Sein Kaffee ist mittlerweile lauwarm, als er sich schließlich für einen kurzen Moment hinsetzt. "Was bei der Selbstständigkeit häufig übersehen wird, ist, dass sobald man selbst mal krank ist, bleibt die Arbeit einfach liegen und es kommt kein Geld rein", so der 63-Jährige. Außerdem gebe es viele, vor allem neue Regularien und bürokratische Hürden, die das Alltagsgeschäft erschweren. "Ich bin sehr froh, dass mich mein Sohn insbesondere bei solchen administrativen Aufgaben unterstützt, da hat er einfach einen besseren Überblick."

Ausbildung, Studium und dann doch lieber Werkstatt statt Büro

Torben steht schmunzelnd im Türrahmen: "Eigentlich wollte ich das früher nie machen. Ich bin mit dem Handwerk aufgewachsen und habe es bei meinem Vater täglich miterlebt." Deshalb habe er sich nach dem Realschulabschluss explizit für eine kaufmännische Ausbildung entschieden und auch über Umwege ein Masterstudium gemacht. "Die Arbeit im Büro war mir aber viel zu eintönig. Da hat es sich einfach gefügt, dass hier Unterstützung gebraucht wurde", so der 36-Jährige.

Die beiden gehen gemeinsam in Richtung der vielen Blechplatten, die darauf warten, bearbeitet zu werden. Ohne viel Reden geht die Arbeit hier Hand in Hand. Torben biegt wortlos links ins Büro ab. Nach und nach arbeitet er Mails ab und plant neue Aufträge ein. "Mittlerweile arbeite ich richtig gerne im Handwerk, der Job ist super abwechslungsreich – vom direkten Arbeiten mit Metall über Büroarbeit oder auch mal den Besuch vor Ort auf der Baustelle", sagt er, mit Blick auf den Bildschirm gerichtet. Er durchstöbert eine Bildergalerie mit alten Projekten. Von metallisch-grauen Standard-Aufzügen bis hin zu farbigen Designs oder exklusiven Kabinengestaltungen aus Glas, Granit oder Leder ist hier alles dabei. Kurz darauf schnappt er sich seine Jacke: "Vater, wir müssen los zur Baustelle!" Beim Verlassen der Produktionshalle nehmen die beiden Aufzugbauer ihre Vertrautheit mit nach draußen. Der große Hof wirkt nun weniger anonym als am Morgen.

Dieser Beitrag ist im Rahmen eines Reportage-Projekts des Master-Studiengangs Fachjournalismus und Unternehmenskommunikation an der Technischen Hochschule Würzburg-Schweinfurt entstanden. Die Deutsche Handwerks Zeitung ist Kooperationspartner für dieses Seminar.