Unterschiedliche Auffassungen über die Qualität der Arbeit, den Umgang miteinander oder die Einstellung können zu Konflikten zwischen Lehrling und Ausbilder führen. Durch eine gute Kommunikation können sie gelöst werden – oder müssen gar nicht erst entstehen. Wie das gelingt, erklärt Ausbildungsberater Peter Braune.

Im Betrieb kümmert sich der Meister nicht nur darum, dass den Lehrlingen die nötigen Kenntnisse und Fertigkeiten vermittelt werden. Der Ausbilder und alle anderen Beschäftigten dienen auch als Vorbild, um die Entwicklung der Lehrlinge zu fördern.
Es ist sehr wichtig, schon zu Beginn der Lehrzeit klarzumachen, welche Werte im Betrieb wichtig sind. Sie müssen den Lehrlingen mitgeteilt werden. Das sorgt für klare Regeln. Bei den Werten geht es um erstrebenswerte Eigenschaften, Ideen oder Sachverhalte – sie begleiten den gesamten Ausbildungsverlauf. Typische Beispiele sind Respekt und Verantwortungsbewusstsein.
Bei Recherchen zu dem Thema werden häufig vorkommende Konfliktarten erkennbar. Manchmal geht es um Ziele, eine Beurteilung oder Rollenverteilung, aber auch persönliche Themen.
Den Konflikt schnellstmöglich lösen
Wertekonflikte können entstehen, wenn es zum Beispiel zu Offenheit, Optimismus, Kreativität, Freundlichkeit, Ausdauer, Vertrauen, Bescheidenheit oder Genauigkeit unterschiedliche Auffassungen zwischen Ausbildungsverantwortlichen, Auszubildenden und Erziehungsberechtigten bestehen. Auch in einem Gespräch ist die jeweils andere Person nicht von ihrem Standpunkt abzubringen oder von einer anderen Meinung zu überzeugen.
Im Verlauf der Lehrzeit leben und arbeiten alle über eine längere Zeit zusammen. Der Wertekonflikt kann zu einem Zeitpunkt entstehen, in dem mehrere Personen, plötzlich verschiedene Werte, Überzeugungen oder Meinungen vertreten, die im Betrieb oder im Rahmen der Lehrzeit nicht miteinander vereinbar sind. Daher muss immer schnellstens geklärt werden, um welchen Wert es sich handelt, warum der Konflikt entstand und wie er lösbar ist.
Natürlich wäre es am einfachsten, die Lehrlinge einfach machen zu lassen. Der Meister zeigt Verständnis für unterschiedliche Lebensweisen ihrer Lehrlinge und dulden ihre Eigenarten. Je nach Beruf kann das aber schlimm enden. Einmal abgesehen davon, welche Pflichten die beiden Parteien mit dem Lehrvertrag eingegangen sind.
Wertekonflikt in der Ausbildung: 4 Beispiele
- Da gibt es zum Beispiel einen Lehrling im ersten Lehrjahr: Er ist fest von sich und den sehr guten Ergebnissen seiner Tätigkeiten überzeugt. Der ältere Lehrgeselle muss jedoch an Arbeitsweise und Arbeitsergebnissen immer etwas aussetzen. Nach seiner Meinung hapert es noch erheblich an der Qualität. Alles könnte noch besser gemacht werden. Es könnte der Fall sein, dass eine erneute Unterweisung zu den entsprechenden Lernzielen den Konflikt beseitigt.
- In einem anderen Fall ist der Lehrling gegenüber der Meisterin nicht ganz ehrlich, da er sich einem Ausbilder zur Ehrlichkeit verpflichtet fühlt. In einem Gespräch unter vier Augen sollte dem Lehrling verdeutlicht werden, dass die Meisterin die Gesamtverantwortung für die Ausbildung trägt.
- Zwei Gesellen diskutieren in der Frühstückspause im Beisein eines Lehrlings über sittliche Standards und vertreten ganz unterschiedliche Meinungen. Vielleicht wäre es besser, wenn bestimmte Themen im Beisein von Lehrlingen nicht angesprochen werden.
- Die Erziehungsberechtigten verbieten ihrer minderjährigen Tochter, Tätigkeiten auszuführen, die sie für gefährlich halten. Der Meister verlangt dies im Zusammenhang mit einer Berufsbildposition. Bereits vor Beginn der Lehre sollte auf solche Situationen hingewiesen werden und darauf, welche Tätigkeiten ein Lehrling in welchem Alter ausführen darf und dass damit immer eine Unterweisung und Sicherheitsvorkehrungen verbunden sind.
Ihr Ausbildungsberater Peter Braune
Peter Braune hat Farbenlithograph gelernt, war Ausbilder und bestand in dieser Zeit die Ausbildungsmeisterprüfung. Er wechselte als Ausbildungsberater zur Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main. Dort baute er dann den gewerblich-technischen Bereich im Bildungszentrum auf und leitete die Referate gewerblich-technischen Prüfungen sowie Ausbildungsberatung, zu der auch die Geschäftsführung vom Schlichtungsausschuss gehörte. Danach war er Referent für Sonderprojekte.