Warum es für Betriebe und Verbände lohnenswert ist, sich mit der eigenen Vergangenheit auseinanderzusetzen.

"Geschichte ist ein verstopftes Klo …" Nein, hier geht es nicht um einen Hilferuf ans Handwerk "Sanitär, Heizung, Klima", sondern um einen Vergleich von Günter Grass zum Thema Geschichte allgemein.
In diesem Gastkommentar geht es jedoch um Unternehmensgeschichte. Und zwar ganz konkret um die Frage: Warum lohnt es sich für Handwerksbetriebe, die eigene Firmengeschichte zu kennen, aufzuschreiben und mit möglichen "Verstopfungen" (=geschichtlich belastete Themen) professionell umzugehen?
Stolz auf Tradition
Viele Handwerksbetriebe sind zurecht stolz auf ihre Tradition wie auch auf ihre eigene Geschichte – sowohl als Branche wie auch als Betrieb. Dennoch gibt es nicht eben viele Innungen oder Handwerksbetriebe, die ihre eigene Geschichte schon ganz konkret und transparent aufgeschrieben und veröffentlicht haben. Dabei liegen die Argumente dafür, in die eigene Firmengeschichte zu investieren und proaktiv mit ihr umzugehen, also gute Geschichtskommunikation zu betreiben, klar auf dem Tisch:
- Firmengeschichte stärkt die Mitarbeiter-Identifikation und den Stolz auf den eigenen Betrieb bzw. auf die Betriebszugehörigkeit.
- Firmengeschichte beschreibt die Einzigartigkeit eines Betriebes und damit seine Alleinstellung im Markt und trägt damit wesentlich zur Markenbildung bei.
- Firmengeschichte schafft Deutungshoheit über die eigene Betriebsgeschichte und macht immun gegen falsche, negative oder gar bösartige Meinungen Dritter.
- Geschichten bzw. "Stories" sind das zentrale Medium, Firmengeschichte zu vermitteln; durch dieses Storytelling bekommen Betriebe ein sympathisches und menschliches Image.
Preis für Handwerksgeschichte
Gute Praxis-Beispiele für professionelle Geschichtskommunikation aus dem Handwerk finden sich bereits beim Preis für Handwerksgeschichte, der im letzten Frühjahr erstmals vom ZDH verliehen wurde.
Voraussetzungen für die Wirksamkeit guter Geschichtskommunikation ist allerdings die Bereitschaft zur Übernahme von Verantwortung für die eigene Geschichte – auch bei "belasteten" Themen (z.B. NS-Zeit, Zwangsarbeiter u.a.m.). Darüber hinaus ist es wichtig den Willen zu haben, hierin auch der interessierten Öffentlichkeit gegenüber Transparenz zu zeigen.
Am Ende braucht es für gute Geschichtskommunikation also Haltung, Profis für Geschichtskommunikation sowie die Bereitschaft, auch bei "Verstopfungen" aufzuklären, damit der Dreck nicht immer wieder hochkommt bzw. nachhaltig beseitigt werden kann.
Zur Person: Matthias Koch M.A. ist studierter Historiker, zertifizierter PR-Berater (DAPR), Public Affairs sowie History Communication Consultant in Berlin. Neben seiner Beratungs- und Fachautoren-Tätigkeit vermittelt er sein Fachwissen regelmäßig in Coachings, Workshops, Seminaren und Webinaren zum Thema History Communication u.a. an der Quadriga Media GmbH Berlin. Er ist Co-Initiator des DPRG Arbeitskreises "History Communication". Darüber hinaus ist er Gründungs- und Ehrenmitglied des Netzwerks Public Affairs e.V., Mitglied des DJV, der DPRG sowie der Vereinigung deutscher Wirtschaftsarchivare.