Arbeitsmarkt Dachdeckerhandwerk zieht immer mehr junge Menschen an

Das Dachdeckerhandwerk verzeichnet ein deutliches Plus bei den Auszubildenden – besonders junge Frauen entdecken die Zukunftsperspektiven des Berufs. Attraktive Rahmenbedingungen und ein Fokus auf Klimaschutz locken immer mehr Nachwuchskräfte.

390 junge Frauen haben sich in diesem Jahr für das Dachdeckerhandwerk entschieden – 40 mehr als im vergangenen Jahr.
390 junge Frauen haben sich in diesem Jahr für das Dachdeckerhandwerk entschieden – 40 mehr als im vergangenen Jahr. - © Halfpoint - stock.adobe.com

Das Dachdeckerhandwerk kann sich auch in diesem Jahr über eine positive Entwicklung bei den Auszubildenden freuen. Trotz eines allgemein rückläufigen Trends steigt die Zahl der Nachwuchskräfte im ersten Lehrjahr um 5,2 Prozent. Über alle drei Lehrjahre hinweg gibt es insgesamt ein Plus von 1,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Besonders erfreulich ist der Anstieg der weiblichen Azubis: 390 junge Frauen haben sich für den Beruf entschieden – 40 mehr als im Vorjahr.

Zukunftsberuf mit Perspektive

"Wir freuen uns sehr, dass wir im ersten Lehrjahr 3.205 junge Menschen für unser Handwerk begeistern konnten. Insgesamt sind nun 8.588 Dachdecker-Auszubildende dabei, die die Zukunft des Bauens mitgestalten", so Rolf Fuhrmann, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH). Die Bandbreite der Aufgaben reicht dabei vom energetischen Sanieren von Dächern und Wänden über die Installation von Photovoltaik-Anlagen bis hin zum Ausbau von Dachgeschossen und der Erneuerung von Dachfenstern.

Attraktive Rahmenbedingungen für Azubis

Laut Fuhrmann, der beim ZVDH auch für die Berufsbildung zuständig ist, tragen zahlreiche Faktoren zu dieser Entwicklung bei. "Unsere Berufsorganisation ist das ganze Jahr aktiv – bei Azubimessen, dem Girl’s Day, in Schulen und sogar schon in Kitas zeigen wir auf, was das Dachdeckerhandwerk zu bieten hat. Zudem tragen unsere Social-Media-Kampagnen und regelmäßige Berichterstattung in Print- und Onlinemedien dazu bei, den Beruf bekannter zu machen." Ein weiteres Argument für die hohe Nachfrage sind die gestiegenen Vergütungen: Ab Oktober 2025 erhalten Azubis im ersten Lehrjahr 1.000 Euro, im dritten Lehrjahr sogar 1.460 Euro. "Damit liegen wir bei der Bezahlung in der Spitzengruppe", betont Fuhrmann.

Innovative Technologien und Klimaschutz im Fokus

Das Dachdeckerhandwerk ist längst ein moderner Berufszweig. "Wir setzen auf neueste Technologien wie Drohnen oder modernes Baustellenmanagement. Auch Künstliche Intelligenz spielt in vielen Betrieben bereits eine Rolle", erklärt ZVDH-Vizepräsident Jan Voges. Besonders gefragt ist der Beruf auch wegen seines Beitrags zum Klimaschutz: "Viele junge Menschen möchten sinnstiftend arbeiten und einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Im Dachdeckerhandwerk finden sie dazu die perfekte Gelegenheit, etwa beim Ausbau erneuerbarer Energien und der Photovoltaik-Anlagen", so Voges weiter.

Ausbildung mit Zukunft

Die Ausbildungsordnung wurde 2016 um den Schwerpunkt "Energietechnik an Dach und Wand" erweitert. Seit 2024 gibt es zudem eine freiwillige Zusatzwoche in der überbetrieblichen Ausbildung, in der das Installieren von Photovoltaik-Anlagen intensiv geübt wird. "So stellen wir sicher, dass unsere Azubis auf dem neuesten Stand sind und bestens auf die Herausforderungen der Zukunft vorbereitet werden", fasst Voges zusammen.

Weitere Gewerke erfolgreich beim Nachwuchs

Auch in anderen Handwerksberufen gibt es erfreuliche Entwicklungen: So verzeichnet das Bäckerhandwerk ein deutliches Wachstum bei den Azubis. Bis Ende September 2024 begannen 6.381 junge Menschen eine Ausbildung als Bäcker oder im Fachverkauf – ein Plus von 1.008 Lehrlingen im Vergleich zum Vorjahr. Damit trotzt die Branche dem bundesweiten Rückgang der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge und zeigt in allen Ausbildungssparten klare Zugewinne.

Auch das Schornsteinfegerhandwerk zeigt eine positive Entwicklung: Dank intensiver Ausbildungskampagnen und der verstärkten Aktivität der Betriebe stieg die Zahl neuer Azubis um beeindruckende 29 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Dieses Wachstum unterstreicht den Erfolg kreativer Ansätze zur Gewinnung von Nachwuchskräften.

Einen Rekord meldet auch das Bestattungshandwerk: Im vergangenen Jahr befanden sich 860 Menschen in der dualen Ausbildung zur Bestattungsfachkraft – mehr als doppelt so viele wie noch 2013 (390). Besonders erfreulich ist der hohe Frauenanteil von 57 Prozent. Auch die Zahl der Beschäftigten in der Branche stieg 2022 auf 25.700 – ein Plus von 2,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. avs