Pressemitteilungen sind in vielen Fällen reine Zeitverschwendung. Worauf Sie stattdessen achten sollten, damit die Medien auf Sie aufmerksam werden – und mit welchem simplen Kniff Sie Ihre Pressearbeit verbessern können.

Ich vermute, dass Sie als Handwerksbetrieb mit Projekten, Baustellen und Buchhaltung genügend um die Ohren haben. PR erscheint Ihnen als Luxus, als nice-to-have, daher wollen Sie sich eigentlich gar nicht weiter damit beschäftigen.
Möglicherweise sieht die Lage bei Ihnen aber auch so aus:
- Die Auftragslage hat sich für Sie in den vergangenen ein bis zwei Jahren erheblich verschlechtert.
- Sie haben zunehmend Konkurrenz.
- Sie haben genügend Aufträge, aber Sie bekommen nicht genügend Fachkräfte, die Aufträge abarbeiten.
Fazit: Weder Aufträge noch Personal kommen von alleine angeflogen. Sie müssen also etwas tun. Ihr Handwerk kann noch so solide, die Atmosphäre in Ihrem Betrieb noch so sensationell gut sein – wenn Sie bzw. Ihren Betrieb niemand kennt, werden Sie keine neuen Kunden gewinnen und keine neuen Fachkräfte finden.
Das Problem: Kaltakquise ist ineffizient, Werbung ist teuer und nicht immer sinnvoll.
Das Grundprinzip Sichtbarkeit
Es gibt tausend Wege zu mehr Sichtbarkeit. Alle kosten Zeit, Geld oder beides. Das Gute an Pressearbeit ist: Sie kostet erst einmal nichts – außer Zeit, Hirnschmalz und etwas Einfühlungsvermögen. Sie brauchen für Ihre ersten Schritte keine PR-Agentur und auch keinen Kommunikationsberater. Denn: Schon mit ein paar kleinen Stellschrauben steigen Sie in die Pressearbeit ein, ohne dass es Ihnen vielleicht bewusst ist. Wie viel Zeit Sie investieren, entscheiden Sie alleine.
Passive Pressearbeit ist der erste Schritt
Passive Pressearbeit heißt, Sie machen sich bereit für Presseanfragen, gehen aber erst einmal nicht aktiv auf Journalisten und Redaktionen zu:
Tipp 1
Der allererste Schritt kostet Sie maximal zehn Minuten: Signalisieren Sie auf Ihrer Website, dass Sie offen für Presseanfragen sind. Dafür müssen Sie nur einen "Pressekontakt" samt Namen der Person mit Durchwahl (!) und direkter Mailadresse auf Ihrer Website veröffentlichen. Wichtig: Es sollte jemand sein, der erste Auskünfte souverän erteilen kann. Ein Auszubildender im ersten Lehrjahr oder die Telefonzentrale gehören eher nicht dazu.
Allein damit unterscheiden Sie sich garantiert von 99 Prozent Ihrer Kollegen. Und: Sie ernten nicht nur Sympathiepunkte bei Redakteurinnen und Redakteuren, sondern erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass Sie überhaupt Presseanfragen erhalten. Sie werden dagegen höchstwahrscheinlich keine Presseanfragen bekommen, wenn Journalisten ewig auf Ihrer Website nach einer Kontaktmöglichkeit suchen müssen.
Tipp 2
Verstehen und Respektieren Sie den Unterschied zwischen Werbung und unabhängiger Berichterstattung. Was ist PR im Vergleich zur Werbung? Bei Werbung bestimmen Sie die Inhalte, weil Sie dafür bezahlen, bei redaktioneller Berichterstattung gilt das eben nicht. Das zu verstehen, ist im Umgang mit Journalisten Basiswissen und essenziell.
Tipp 3
Falls Sie eine Presseanfrage erhalten, antworten Sie schnell. Machen Sie das auch, wenn Sie absagen wollen.
Tipp 4
Vermeiden Sie im Austausch mit Journalisten Sätze wie "Ich will den Artikel vor Druck nochmal gegenlesen" oder "Schreiben Sie unseren Firmennamen bitte in Großbuchstaben". Darauf reagieren fast alle Journalisten allergisch.
Pressearbeit aktiv angehen
Tipp 5
Alle denken bei Pressearbeit an Pressemitteilungen. Doch sind Pressetexte und Medienmitteilungen sinnvoll? Aus meiner Sicht als Journalistin zählen Pressemitteilungen zu den großen Ressourcen-Verschwendern. Denn die bittere Wahrheit ist: Journalisten lesen allenfalls einen Bruchteil davon, die meisten löschen sie ungelesen. Oft sind Presseinformationen zu werblich formuliert. Sie enthalten aus Journalisten-Perspektive keine relevanten Informationen oder interessanten Storys.
Fazit: Für Handwerkerinnen und Handwerker sind Pressemitteilungen im ersten Schritt keine effiziente Methode der Pressearbeit. Das gilt insbesondere, wenn Sie ohne externe PR-Profis arbeiten, weil Sie sich die erheblichen PR-Agentur-Kosten sparen wollen. Hier können Pressemitteilungs-Beispiele aus dem Netz weiterhelfen.
Tipp 6
Besser: Sie kontaktieren einzelne Journalisten direkt mit einem Themenvorschlag. Doch was interessiert Journalisten? Das ist natürlich die Gretchenfrage, bei der zwei Welten, Marketing und Journalismus, aufeinanderprallen. Journalisten legen großen Wert auf ihre Unabhängigkeit und mögen es überhaupt nicht, wenn sie bzw. ihre Artikel für Marketingzwecke benutzt werden.
Es gibt aber Storytelling-Beispiele und Muster, die immer wieder erstaunlich gut funktionieren und bei Redaktionen gut ankommen. Dabei stehen oft die Unternehmerinnen und Unternehmer als Macher im Vordergrund. Beispiele:
- Sie üben ein fast ausgestorbenes Handwerk aus, das nur noch ganz wenige können: Das finden gerade Lokal-Redaktionen interessant. Wenn es sehr exotisch ist, können Sie damit möglicherweise auch die überregionale Wirtschaftspresse begeistern.
- Sie sind weit und breit die einzige Frau, die als Dachdeckermeisterin nicht nur ein typisch männliches Handwerk ausübt, sondern den Betrieb leitet? Oder Sie sind weit und breit der einzige Mann, der als Modist ein weibliches Handwerk ausübt? All diese Themen finden Redaktionen spannend. Warum? Hinter der vordergründigen Geschichte stecken viele menschliche Erfahrungen und Anekdoten. Ich kann mir gut vorstellen, dass sich eine Dachdeckmeisterin und ein Modist schon jede Menge (doofe) Sprüche und Vorurteile anhören mussten.
- Sie suchen Azubis? Laden Sie die Lokalredaktion zu einer Hintergrund-Reportage in Ihren Betrieb ein. Solche Storys werden übrigens sehr gerne von Volontärinnen und Volontären übernommen, weil diese sich selbst gerade in einer Ausbildung zur Journalistin bzw. zum Journalisten befinden.
Tipp 7
Ihr 25. Betriebsjubiläum, Ihre neuesten Produkte und die Übergabe von Spendenschecks interessieren Journalisten eher nicht.
Tipp 8
Wie geht das mit dem Presse kontaktieren?
- Lesen Sie das Medium erst bevor Sie es kontaktieren.
- Recherchieren Sie die E-Mail-Adresse des passenden Redakteurs oder freien Journalisten.
- Fassen Sie sich in Ihrer Mail kurz: maximal fünf bis zehn Zeilen. Sprechen Sie den zuständigen Redakteur oder die zuständige Redakteurin direkt mit Namen an.
- Verzichten Sie auf Eigenlob und Selbstbeweihräucherung und stellen Sie Ihre Themenidee kurz und sachlich vor.
- Eine gute Themenidee darf auch losgelöst von Ihrem Betrieb sein, in dem Sie sich als Experte (z.B. Heizungsbauer) zu einem aktuellen Thema (z.B. Stand und Ausbau der erneuerbaren Energie in der Region) ins Spiel bringen.
Am Schluss noch ein Hinweis: Erwarten Sie keine wundersamen Ergebnisse über Nacht. Falls Ihnen ein Dienstleister das Blaue vom Himmel verspricht: Glauben Sie ihm nicht. Pressearbeit ist ein Marathon und kein Sprint. Wer aber selbst dranbleibt und bereit ist dazuzulernen, wird langfristig sichtbarer.
Zur Autorin: Geraldine Friedrich ist ausgebildete Wirtschaftsjournalistin und schreibt seit 25 Jahren für Publikums- und Fachmedien in Deutschland, Luxemburg, Österreich und der Schweiz. 2023 hat die Diplom-Betriebswirtin Indiemedien gegründet. Seit 2024 gibt sie einen wöchentlichen Newsletter mit praktischen Tipps für Leute heraus, die ihre Pressearbeit selbst in die Hand nehmen wollen.