"Oft klemmt es an Feiertagen" Ein Besuch beim "Orgeldoktor"

Orgelbaumeister Dominik Friedrich widmet sich mit seinem Team der Pflege und Reparatur von Orgeln – von klein bis monumental. Für den perfekten Klang braucht es mehr als handwerkliches Geschick.

Orgelbaumeister Dominik Friedrich mit einer Pfeifenorgel
Orgelbaumeister Dominik Friedrich stimmt einen Ton an einer einmauligen Pfeifenorgel. - © Heinz Reiß

Schon beim Betreten der Werkstatt spürt man Atmosphäre. Die großen Fenster und weiße helle Wände bringen viel Licht in den Raum. Von seinen Patienten ist manchmal nicht viel zu sehen. Es können einzelne Pfeifen, Windladen, Pedale, alles Baugruppen einer Orgel sein, aber alles ist sauber aufgereiht, die Einzelteile liegen geordnet auf ihrem Platz. Man spürt, dass man hier ins Detail geht.

Liebe zum Detail

Dominik Friedrich fährt vorsichtig über die rechteckige Holzpfeife und tastet sie mit den Fingern ab, untersucht sie von allen Seiten, besichtigt das Labium (die Lippe) und stellt die Diagnose: "Ich muss sie öffnen und den schmalen Riss leimen. Die Pfeife wird zerlegt, die Wunde geheilt, gereinigt und wieder zusammengebaut. Es ist eine diffizile Arbeit, aber dann klingt sie wieder wie neu." Alles reine Handarbeit.

Hauptsächlich Reparatur und Restauration

Dominik Friedrich hat es gelernt Orgeln zu bauen, aber es überwiegen in der Werkstatt die Restaurationen und Reparaturen. "Ich betreue mit meinen Mitarbeitern in einem Radius von etwa 150 Kilometer an die 400 Orgeln. Darunter befinden sich die Orgeln der Nürnberger Meistersinger Halle, der Lorenz- und der Sebalduskirche", erzählt er. Seit den 2000er Jahren, so Friedrich, ist der Neubau von Orgeln sehr zurückgegangen. Ein von ihm und seinem Team neu erbautes Instrument steht in der Paul-Gerhard-Kirche in Stein.  Der 36-jährige Franke zählt zu den Besten seines Faches in Deutschland, im Jahr 2008 wurde Friedrich als bester Orgelbaugeselle Deutschlands gekürt. 2013 legte er die Meisterprüfung mit dem Bau einer drei Register umfassenden Truhenorgel ab.

Schicksalsjahr 2009

Leicht war sein beruflicher Weg nicht, obwohl er schon als Kind zu seinem Orgel bauenden Vater sagte: "Auch ich werde Orgelbauer!" Sein Vater hatte 1987 die Räumlichkeiten in Oberasbach von einem Orgelbauer übernommen, welcher dort schon 30 Jahre Instrumente gebaut und repariert hatte. 2004 wurde die Werkstatt erweitert. 2009 war für den damals 22-jährigen Orgelbauer ein Schicksalsjahr. Sein noch nicht einmal 50 Jahre alter Vater, unter dessen fachlicher Obhut er wohl behütet war, ist unerwartet verstorben und Dominik Friedrich musste von heute auf morgen die finanzielle und die fachliche Firmenleitung übernehmen.

"Orgeldoktor" bundesweit bekannt

Mitarbeiter Robert Schmidt
Mitarbeiter Robert Schmidt repariert die Windlade eines Harmoniums. - © Heinz Reiß

Mittlerweile ist Orgelbau-Friedrich in Kirchen- und Orchesterkreisen und bei namhaften Organisten sehr bekannt. Sein Betrieb ist im bundesweiten Verzeichnis des Bunds deutscher Orgelbaumeister eingetragen. Zudem ist der Beruf seit 2018 in der Repräsentativen Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit eingetragen. Wenn man Friedrich auf seinen Beruf anspricht, so merkt man, dass er für ihn eine Berufung ist.

Eine Pfeifenorgel, so Friedrich, zählt zu den teuersten, kunstvollsten und architektonisch prägnantesten Instrumenten. Die Funktionssicherheit und der materielle Wert dieses technisch und klanglich sehr komplexen Instruments wird maßgeblich durch eine ordentliche Pflege sichergestellt.

Generalüberholung nach 20 Jahren

Bei einer Generalüberholung einer Orgel, welche so alle 20 Jahre durchgeführt werden sollte, fallen viele Arbeiten an. Der Orgelbauer muss nicht nur mit Holz gut umgehen können, es müssen Metallpfeifen gelötet, Zug- und Druckfeder angepasst, Leder für Tasten oder Bälge zugeschnitten werden und man muss das Leimen mit schnell trocknendem Knochen- oder mit langsam trocknendem Fischleim beherrschen.

Notdienst an den Festtagen

 Eine Orgel ist ein sehr sensibles Musikinstrument und meistens stellt man kurz vor dem Konzert oder dem Weihnachtsgottesdienst fest, dass etwas nicht stimmt. Aus diesem Grund ist das Team von Orgelbau Friedrich auf spontane "Einsätze" vorbereitet. "An Festtagen", so der Orgel-Enthusiast, "ist bei uns immer ein Mitarbeiter auf Abruf bereit. Teamarbeit ist in diesem Beruf sehr wichtig und ich schätze mich glücklich, so kompetente Mitarbeiter zu haben."

Christoph Lachmann
Christoph Lachmann überprüft das Lederscharnier eines Keilbälgchens. - © Heinz Reiß

Schwieriger als Neubau

Von der Planung und Konstruktion bis zur Fertigstellung einer neuen Pfeifenorgel vergehen nicht selten Monate oder sogar Jahre. Für nahezu alle Teile einer Orgel wird Holz benötigt und in der Regel hat der Orgelbauer, wie auch der Geigenbauer, ein Lager mit lang abgelagertem Holz. Neben der Holzauswahl erfolgt auch die Bestellung aller Teile, die zugekauft werden.

Wenn alle Teile vorhanden sind kann mit den verschiedensten Arbeiten wie Pfeifen-, Windladen-, Balgenbau bis hin zum Spieltisch und Gehäusebau begonnen werden. Ein umfangreiches Kapitel ist der Bau der Metall- als auch der Holzpfeifen. Anhand der Konstruktionspläne werden die Windladen und die Pfeifenreihen gefertigt. Die Luftzufuhr einer Orgel kommt von einem Gebläsemotor, der Luft ansaugt und über eine Balganlage durch die Windkanäle zu den Windladen, auf denen die Pfeifen stehen, transportiert.

Das Gehör entscheidet über die Qualität

Das endgültige Gesicht erhält die Orgel durch ihr Außengehäuse. Zum Abschluss ist das gute Gehör des Orgelbauers erforderlich, er entscheidet in hohem Maße über die klangliche Qualität der neuen Orgel. Was sich so auf dem Papier mit wenigen Worten zusammenleimen lässt, erfordert ein immenses Fachwissen, viel Erfahrung und es ist manchmal schwieriger eine Orgel zu restaurieren, als eine Neue zu bauen.