Schattenwirtschaft Mindestens 3,3 Millionen Menschen arbeiten schwarz

Schwarzarbeit ist in Deutschland auf dem Vormarsch. Eine neue Studie beleuchtet, welche Bevölkerungsgruppen verstärkt dazu neigen, Einkünfte am Staat vorbeizulenken.

Millionen arbeiten in Deutschland am Fiskus vorbei. - © Mrs.Margo - stock.adobe.com

Schwarzarbeit boomt: Immer mehr Menschen in Deutschland arbeiten laut einer Studie am Fiskus vorbei. Mindestens 3,3 Millionen sind es laut einer aktuellen Studie des arbeitgebernahen Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW). Hochrechnungen liefern noch deutlich höhere Zahlen. Das IW schätzt, dass die Anzahl der Schwarzarbeiter zwischen acht und zehn Millionen liegt.

"Bei den Studien haben wir keine gesonderten Daten zu Branchen und Gewerken erhoben. Aus der Erfahrung wissen wir aber, dass arbeitsintensive Branchen wie der Bausektor und auch das Handwerk generell im besonderen Maß von Schwarzarbeit betroffen sind", sagte Studienleiter und IW-Verhaltensökonom Dominik Enste der Deutschen Handwerks Zeitung.

Seine Erkenntnisse stützen sich auf Erhebungen der vergangenen Jahre. Die jetzt vorgestellte Studie fußt auf einer repräsentativen Befragung des IW mit mehr als 2.600 Menschen ab 18 Jahren im April und Mai 2024 – und liefert Auswertungen nach Geschlecht, Alter, Wohnsitz je Bundesland sowie dem monatlichen Haushaltsnettoeinkommen.

Hochrechnungen bewegen sich auf bis zu 10 Millionen Schwarzarbeiter

Dabei stellte sich heraus, dass knapp 29 Prozent der Befragten ein oder mehrere Personen kennen, die schwarz arbeiten oder arbeiten lassen. Im Vergleich zur vorangegangenen Befragung 2022/2023 sei dies eine Steigerung um sieben Prozent. Weil Doppelzählungen bei der Fragemethode nicht ausgeschlossen sind, könne bei der Schätzung nur eine Spanne angegeben werden, sagt IW-Ökonom Enste. Bei der Umfrage gaben dagegen 5,4 Prozent an, selbst schwarz zu arbeiten. Entsprechend schwanken die Schätzungen: von mindestens 3,3 Millionen Schwarzarbeitern bis zu zehn Millionen. Die Dunkelziffer sei laut den Forschern enorm.

IW-Experte: Betrug für Besserverdiener lohnenswerter

Die Studie zeigt weiter: Vermehrt Schwarzarbeit gibt es bei Männern und Jüngeren zwischen 18 und 34 Jahren. Auch bei Besserverdienern, die ein Einkommen von mehr als 4.000 Euro haben, beispielsweise bei Architekten und Handwerksunternehmern sei dies überdurchschnittlich ausgeprägt. "Weil sich der Betrug für sie besonders lohnt und sich häufiger die Gelegenheit dazu ergebe", heißt es in der Studie. Aber auch andere Bereiche sind stark betroffen. Eine weitere IW-Studie aus dem Dezember 2024 zeigt, dass 90 Prozent der mehr als vier Millionen Haushaltshilfen in Deutschland keine Steuern abführen.

Politik will Schwarzarbeit besser bekämpfen

Schwarzarbeit ist seit Jahrzehnten ein Problem in vielen Ländern, das erhebliche wirtschaftliche und fiskalische Schäden verursacht. Nach Berechnungen des IW macht die Schwarzarbeit etwa zwei Drittel der gesamten Schattenwirtschaft aus. Deren Anteil am Bruttoinlandsprodukt wird auf rund zehn Prozent geschätzt. Im internationalen Vergleich liegt Deutschland damit im Mittelfeld, heißt es. Um dem entgegenzuwirken, stärkte die Bundesregierung zuletzt die zuständige Behörde Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS). So wurde im November ein Gesetzesentwurf zur Modernisierung und Digitalisierung der Schwarzarbeitsbekämpfung eingebracht.

IW hat Zweifel an Wirksamkeit der Maßnahmen

Studienleiter Enste zweifelt jedoch an der Wirksamkeit der Maßnahmen: "Im Kampf gegen Sozialleistungsbetrüger und illegale Beschäftigung auf Baustellen oder in der Gastronomie mag dies die FKS effizienter und erfolgreicher machen." Er befürchtet jedoch, dass damit weder die Schwarzarbeit im Bau- und Gaststättengewerbe noch das Problem der nicht angemeldeten Haushaltshilfen eingedämmt werden kann. Seine Studie zeige, dass die Politik effektiver gegen die Ursachen vorgehen und die Steuer- und Abgabenlast senken müsse: "Schwarzarbeit ist so attraktiv, weil den Beschäftigten zu wenig Netto vom Brutto bleibt." Neue Gesetze, Vorschriften und Kontrollen könnten das Problem nicht lösen. ewö